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Sondermüll künftiger Generationen
Thema der hitec-Sendung "Die verpackte Republik"
Doch egal ob fachmännisch oder laienhaft verbaut: Alle Dämmplatten altern. Nach spätestens 30 Jahren, so sagen viele Experten, sind die empfindlichen Werkstoffe reif für den Müll. Bei Polystyrol, vermischt mit Klebstoff und Armierungsgewebe, kann die Entsorgung aufwendig und teuer werden.
Christoph Mäckler:
"Ich halte es einfach für unverantwortlich, dass wir heute solche Systeme einsetzen, wohl wissend, dass sie als Sondermüll entsorgt werden müssen, und zwar nicht von uns, sondern von unseren Kindern und Kindeskindern. Wir schieben sozusagen die Probleme, die wir heute haben, auf die nächsten Generationen. Das ist nicht fair."

Verschwendung kostbaren Rohstoffs
Wie könnte die künftige Entsorgung der Wärmedämmverbundsysteme aussehen? Am Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising wird schon heute über diese Frage nachgedacht.

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Lässt sich Polystyrol, das meistverwendete Dämmmaterial, möglicherweise recyceln? Der Chemiker Andreas Mäurer geht dieser Frage nach. Ein echtes Polystyrolrecycling gibt es bislang nicht. Das auf Erdölbasis hergestellte Material wird bestenfalls zu Granulat verarbeitet - als Grundstoff für Plastikblumentöpfe oder Kleiderbügel.

Mäurers Anlage zersetzt das Polystyrol in seine Bestandteile. Dabei kommt ein speziell entwickeltes Lösungsmittel zum Einsatz. Das Ergebnis ist eine hochreine Polystyrol-Lösung. Doch die Abfallwirtschaft ist nicht an dem Verfahren interessiert, klagt Andreas Mäurer. Sie verdient gut am Sondermüll der Wärmedämmplatten. Erst zahlt der Kunde für den Baustoff, später für die Entsorgung. Und so wird weiter täglich Polystyrol verbrannt - und ein kostbarer Rohstoff verschwendet.

Andreas Mäurer:
"Man braucht ungefähr 5 Kg Erdöl, um 1 Kg Polystyrol herzustellen. Wenn wir das recyceln, dann können wir 90 Prozent dieser Energie erhalten und wenn wir's verbrennen, dann kriegen wir maximal 10 Prozent dieser Energie wieder zurück."

Recycling im großen Maßstab
Aber lässt sich auch typisches, verklebtes Wärmedämmverbundsystem recyceln? Der Laborant Martin Schlummer untersucht dies erstmals. Seine Probe ist ein typischer, umweltschädlicher Baustellenabfall: Ein Stück Dämmung, fest verklebt mit dem Armierungsgewebe. Zusammen mit den aufgebrachten Algiziden und Fungiziden ist das Sondermüll. Die Entsorgung würde pro Tonne rund 150 Euro Gebühren kosten.

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Martin Schlummer kommt zu einem überraschendes Ergebnis: Die Bestandteile lassen sich erstaunlich sauber trennen. Das Kunststoffnetz löst sich problemlos vom Polystyrol. Die Fraunhofer-Forscher sind sich sicher: das Verfahren ließe sich auch im großen Maßstab realisieren. Ab 1000 Tonnen jährlich wäre eine Recyclinganlage für Wärmedämm-Abfälle wirtschaftlich.

Den Sondermüll trennen, statt ihn zu verbrennen ist ein guter Gedanke. Aber er muss von Politik und Wirtschaft auch angenommen werden.

Andreas Mäurer:
"In ein paar Jahren werden diese Abfälle dann massenweise anfallen und es wäre schön, wenn man heute in die Forschung investieren würde, um dann technische Lösung reif entwickelt zu haben, um diese Thematik dann durch Recycling und hochwertige Verwertung lösen zu können."

Sendedaten
13.10.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.01.2012
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