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Kaum zu verhindern: Algenbewuchs
Thema der hitec-Sendung "Die verpackte Republik"
In Wismar beschäftigen sich Forscher mit einer ganz anderen Auswirkung der Wärmedämmverbundsysteme. Helmuth Venzmer vom Dahlberg-Institut für Bauwerksdiagnostik kann sie vor allem an Nordfassaden leicht nachweisen: Auf der Gebäudehülle wachsen Algen und Pilze.
Die Kleinstlebewesen lieben es feucht. Auch auf vermeintlich fleckenlosen Wänden siedeln sie sich an. Besonders bei wärmeisolierten Gebäuden. Das haben der Bauphysiker Venzmer und seine Kollegin Julia von Werder in zahlreichen Versuchen herausgefunden. Ein gedämmtes Gebäude gibt kaum noch Wärme an die Außenwände ab. Die Fassade bleibt dauerfeucht. Algenbewuchs ist nahezu unvermeidbar.

Der Fehler liegt im System
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Was kann man gegen die Algen tun? Auf dem Dach des Dahlberg-Instituts läuft ein Langzeit-Experiment. Unterschiedlich verputzte Wärmedämmplatten sind hier der Witterung ausgesetzt. Nach drei Jahren werden sie verglichen. Parallel läuft derselbe Versuch als Schnelltest im Labor: Hier soll sich schon nach drei Monaten zeigen, welche Oberflächen am widerstandfähigsten gegen Algen sind.

Dazu werden die Proben unter Dauerstress gesetzt und das Material anschließend untersucht. Das Ergebnis macht die Wissenschaftler ratlos. Die unterschiedlichen Aussenputze sind alle gleich ungeeignet. Der Tauwassereffekt lässt sich praktisch nicht vermeiden. Der Fehler liegt im System - im Wärmedämmverbundsystem.

Helmuth Venzmer:
"Die Industrie geht verschiedene Wege. Die einen versuchen, wasserfreundliche Oberflächen zu gestalten, die anderen eben wasserabweisende Oberflächen und wir haben feststellen können, dass auf beiden Oberflächen Besiedlung zustande kommt."

Ökologisch schlecht, ökonomisch fragwürdig
Als vermeintliche Lösung bietet die Baustoffindustrie Algizide an. Helmuth Venzmer und seine Mitarbeiter lehnen das ab. Denn die Chemikalien werden bei Regen ausgewaschen und gelangen in Bäche und Flüsse.

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Am Solarzentrum in Wietow probieren die Wissenschaftler ein ungewöhnliches Verfahren aus. Die Nordwand dieses Gebäudes ist mit Messfühlern durchzogen. Bildet sich Tauwasser, springt eine Fassadenheizung an. Helmuth Venzmer betont, das sei sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn natürlich weiß er um die Ironie der Sache: Dämmplatten sollen Heizenergie sparen - und hier werden sie selbst beheizt.

Da bleibt nur die Hoffnung: Vielleicht steht irgendwann genügend Energie aus regenerativen Quellen zur Verfügung, um problematische Materialien zur Wärmedämmung überflüssig zu machen. Vorerst aber boomt das Geschäft mit den Wärmedämmverbundsystemen.

Schimmel- und Algenbefall sind nicht unsere Schuld, sagen die Hersteller. Zu solchen Schäden komme es nur bei falscher Anbringung. Deswegen beliefern manche Hersteller keine Baumärkte, sondern nur den Fachhandel.

Sendedaten
13.10.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.01.2012
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