Übersicht
Kalender
November 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
30
31
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
01
02
03
Lupe
Nachhaltige Zerstörung der Baukultur
Thema der hitec-Sendung "Die verpackte Republik"
Für viele Architekten ist das ein Albtraum. Etliche alte Fassaden sind schon unter einer dicken Lage Wärmedämmung verschwunden. Immer mehr bauhistorisch wertvolle Häuser werden auf diese Weise energetisch saniert. Je höher die Gas- und Ölpreise, desto dynamischer die Entwicklung.
Auch Christoph Mäckler ist dafür, Energie zu sparen. Doch historische Fassaden zu vermummen, hält er für kurzsichtig.

Christoph Mäckler, Institut für Stadtbaukunst, Dortmund:
"Es gibt ja in Deutschland sehr viele große, alte Städte aus dem 19. Jahrhundert, dem frühen 20. Jahrhundert, aber auch viele mittelalterliche Städte, die wir nicht einfach so einpacken können und vor allem nicht in dem Bewusstsein, dass wir in Zukunft ganz andere Möglichkeiten haben werden. Wir zerstören damit nachhaltig die Kultur, die Baukultur in Deutschland. Das sollten wir unbedingt vermeiden. Ich glaube, kein Franzose und schon gar kein Italiener würde zu solchen Maßnahmen greifen."

Baulicher Einheitslook
Lupe
Viele Menschen wollen dieses Kulturerbe schützen. Der Architekt André Spindler ist einer von ihnen. Für das prächtig sanierte Stadtzentrum Erfurts muss er keinen Einheitslook fürchten. Hier greift der Denkmalschutz. Anders sieht es in den Vororten aus. Im Westen der Stadt hat André Spindler vor Jahren ein Fachwerkhaus fotografiert. Nun steht er am selben Ort. Das historische Gebäude ist nicht mehr wiederzuerkennen. Der Architekt dokumentiert die "Verschandelung unserer Heimat", wie er sie nennt.

André Spindler:
"Das Gebäude hat seinen Charme verloren. Man kann als Laie nicht mehr erkennen, dass es ein Fachwerkhaus ist. Jeder soll und möchte Energie sparen, das ist richtig, aber jeder hat mit seinem Haus auch einen Beitrag für die Kulturlandschaft zu leisten. Es ist schade, dass diese Kultur verpackt und verloren ist."

Baugeschichtlich falsch und regional untypisch
Im Norden Erfurts steht eine alte Feuerwache. Was hier mit der Backsteinfassade aus der Gründerzeit geschehen ist, stimmt den Architekten tieftraurig.

Lupe
André Spindler:
"Es wäre denkbar gewesen, die Fassade so zu erhalten und Dämmungen an den Stellen, an den sie tatsächlich gebraucht werden, anzubringen. Zum Beispiel im Dach, an der Unterseite des Dachgeschosses, oder auch eine Innendämmung, die diese verzierte Fassade erlebbar belässt."

Stattdessen wurden Gauben eingebaut, glasierte Ziegel und Schneefanggitter verwendet. Alles baugeschichtlich falsch und regional völlig untypisch. Nur wenige hundert Meter entfernt: Spindlers vielleicht krassestes Beispiel einer missglückten Sanierung. Ein Klinkerbau aus der Gründerzeit. Das Bauwerk besaß einst Schmuckbögen aus Holz. Das ließ die Fenster größer erscheinen. Heute blicken sie klein und trübe aus der Styroporfassade. So wie Erfurt ergeht es zurzeit hunderten von Städten. Haus für Haus verändert sich das Gesicht unserer Heimat.

Sendedaten
13.10.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.01.2012
Navigation
Mediathek