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Ein Prestigeprojekt der EU
Thema der hitec-Sendung "Ein Navi für Europa"
Bisher hat uns vor allem das amerikanische GPS gezeigt, wo es lang geht. Das soll sich ändern. Galileo soll besser und genauer sein als GPS. Nach jahrelanger Verzögerung schießt Europa endlich eigene Satelliten ins All. Die Kosten gehen mittlerweile in die Milliarden.
Von Oberpfaffenhofen aus will Europa die Satelliten für ein eigenes, neues Navigationssystem beobachten und steuern. Walter Päffgen leitet das dortige Galileo-Kontrollzentrum. Jahrelang hat Päffgen mit seinem Team die Vorbereitungen getroffen, damit - mit rund sechs Jahren Verspätung - die ersten beiden funktionsfähigen Satelliten ins All geschossen werden können.

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Walter Päffgen:
"So langsam weicht die Aufregung der Begeisterung. Also sie müssen sich vorstellen, wir sind nämlich schon länger dran - eben 10 Jahre an der Vorbereitung dieses Projekts und jetzt ist es endlich so weit, dass Europa die ersten Schritte in die Eigenständigkeit im Bereich Satelliten gestützte Navigation macht."

Die entscheidende Phase beginnt
Für Walter Päffgen und sein Team markiert der bevorstehende Start der ersten beiden Galileo-Satelliten den Anfang. Zwar befinden sich seit einigen Jahren schon zwei Testsatelliten im All. Doch Giove A und B besetzten lediglich die Funk-Frequenzen für das Galileo-System und lieferten Erkenntnisse für den Bau der Navigationssatelliten. Jetzt starten die ersten funktionsfähigen Satelliten in die entscheidende Phase.

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Ziel ist es, ein Netz aus 30 Galileo-Satelliten um den Globus zu spannen. Mit all diesen Flugkörpern soll Galileo einmal präzise zeitliche und räumliche Informationen an Nutzer überall auf der Welt liefern - beispielsweise für Autos, Schiffe oder Flugzeuge. Die Entwicklung und der Aufbau eines solchen Systems sind enorm kostspielig. Johannes Weyer ist Techniksoziologe an der TU Dortmund. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Galileo.

Johannes Weyer:
"Was die Eisbahn für die Industriegesellschaft war, ist die Satellitennavigation für die mobile Echtzeitgesellschaft. Wer im Konzert der Weltmächte des 21. Jahrhunderts mitspielen will, braucht die Technologien des 21. Jahrhunderts. Und da ist Satelliten-Navigation neben Informations-Kommunikations-Technik, neben Internet und anderen eine der zentralen Technologien der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts."

Kosten und Nutzen
Die Kosten trägt in diesem Fall allein der Steuerzahler: geschätzte 5,3 Milliarden Euro kostet die Entwicklung von Galileo. Hinzu kommen jährlich 800 Millionen Euro Betriebskosten, sobald das System läuft.

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Johannes Weyer:
"Ich bin auch entsetzt gewesen, als ich gehört habe, dass die Kosten so aus dem Ruder laufen. Man hat anfangs natürlich, wie immer, mit unrealistisch niedrigen Summen gearbeitet, die jetzt revidiert werden müssen und sicher im Laufe der Zeit auch noch mal revidiert werden müssen. Andererseits, wenn man überlegt, wie viel ein Bahnhof kostet. Von Stuttgart 21 wissen wir relativ genau, wie viel der Bahnhof kosten wird: 4 Milliarden Euro. Dann ist eigentlich 5 oder auch 6 Milliarden Euro, für ein so großes Infrastruktursystem, was ja die Infrastruktur unserer künftigen Gesellschaft, unserer Wissensgesellschaft sein wird, eine Summe, die sich schon ein bisschen relativiert."

Galileo gilt als das Prestigeprojekt der EU. 27 Länder wollen das Navigationssystem und warten sehnsüchtig darauf, dass die Satelliten für den Betrieb ins All gebracht werden - obwohl man, auch in den EU-Ländern, seit über 10 Jahren GPS nutzen kann.

Sendedaten
20.01.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 16.01.2012
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