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© ZDF, Klaus Kastenholz Lupe
Unser Wald in 100 Jahren
Förster mit Weitblick
Forscher und Förster müssen sich bereits heute Gedanken darüber machen, welchen Anforderungen der deutsche Wald in 50, 100 oder sogar 300 Jahren gerecht werden muss. Gibt es aufgrund des erwarteten Klimawandels mehr Stürme? Wird es weniger regnen? Wie entwickeln sich die Böden?
Die Neupflanzung im Wald ist eine Wette auf die Zukunft, denn heute wird für das Klima des 22. Jahrhunderts gepflanzt. Wer die falschen Bäume pflanzt, kann die Wette verlieren. Immerhin hat der Wald im Vergleich zu anderen Vegetationsformen den höchsten Wasserverbrauch. An warmen Sommertagen verdunstet der Wald in Deutschland bis zu 60.000 Liter Wasser pro Hektar.

Bis heute weiß niemand genau, wie das komplexe Ökosystem eines Waldes im Detail wirklich funktioniert. Ein wesentliches Ergebnis der Forschung aber ist, dass vor allem die Baumart über die Höhe der Grundwasserneubildung im Boden unter dem Wald entscheidet. Die Zusammensetzung des Waldes lässt sich aber auch nicht radikal verändern - ergänzen doch die Neupflanzungen nur ein bestehendes Ökosystem. Zuerst muss also die Bestandsaufnahme stehen.


Eine Analyse von den Baumkronen bis in die Wurzelspitzen

Volkszählung im Forst
© dpa Lupe
Alle zehn Jahre findet eine Waldinventur statt. Hierfür sind 60 Trupps in ganz Deutschland unterwegs. Eine anspruchsvolle Aufgabe, denn es müssen die Bäume wiedergefunden werden, die vor zehn Jahren zuletzt besucht wurden. Dafür werden die genauen Standorte mit mobilen GPS-Geräten bestimmt.

Erfasst wird die Dicke der Stämme, die Höhe und der Zustand der Bäume. Die letzten Inventuren haben gezeigt, dass etwa ein Drittel Deutschlands bewaldet ist. Auf der Basis der Inventur-Daten treffen Förster, Forscher und Waldbesitzer wichtige Entscheidungen: Wie viel Holz darf geschlagen werden? Welche Baumarten sollen nachgepflanzt werden?

Wirtschaftwald durch Monokultur
© dpa Lupe
Der Deutsche Wald ist vor allem ein Wirtschaftswald. Es geht um Holzgewinnung und Ertrag. Bestimmt wird sein Bild noch heute von einem beinahe 200 Jahre alten Ideal der Monokultur - wirtschaftlich ertragreich, aber auch anfällig für Stürme und Schädlinge.

Ein Fichtenforst in Reinkultur ist für die Borkenkäfer eine Einladung zum Sattessen. Die Aktivität der Schädlinge muss ständig im Auge behalten werden. Der Nationalpark Harz beispielsweise ist fast 25.000 Hektar groß - die kritischen Stellen sind seine Ränder. In den Grenzgebieten müssen die Aufseher besonders wachsam kontrollieren: Gelangen die Schädlinge in die benachbarten Wirtschaftswälder, drohen dem Naturpark Millionenklagen.

Naturwald und Urwald
© dpa Lupe
In ausgesuchten Zonen des Nationalparks Harz aber wagen die Waldentwickler ein ungewöhnliches Experiment. Hier darf sich der Borkenkäfer nach Herzenslust austoben - mit verblüffendem Resultat: Unter den maroden Fichten entsteht plötzlich neues Leben.

Moose, Farne, Brombeeren und junge Laubbäume übernehmen das Revier. Ein Wald, wie er sein soll und in gewisser Weise macht der Borkenkäfer einen Neuanfang möglich. Die abgestorbenen Bäume werden nicht entfernt, sondern dürfen vermodern und bilden so den Nährboden für ihre Nachfolger. Allein die Natur bestimmt, was sie wachsen lässt.

Der Baumkronenforscher unterwegs
© ZDF, Klaus Kastenholz Lupe
Das Ziel ist letztlich: Die Produktion von Holz. Doch viele Umweltverbände fordern Urwaldzonen, die sich selbst überlassen bleiben. Auch um seltenen Tierarten einen Lebensraum zu bieten. So ist das, was sich in den Baumkronen tut, bis heute nahezu unbekannt.

Im Steigerwald wird seit Jahren erforscht, welche Tiere in den Kronen dieses Waldes ein- und ausgehen. Bisher sparen alle Öko-Analysen den Bereich der Baumkronen aus. Dabei sind sie ein riesiger Lebensraum für tausende kleiner Tiere. In natürlichen Wäldern entwickeln sich mehr räuberische Arten, die den Anteil an Schädlingen erheblich reduzieren.

Der Wald im Klimawandel
© dpa Lupe
Wachsen Fichten und Buchen nebeneinander steigert dies letztlich auch den Holzertrag, weil die Buchen mehr Niederschläge in den Boden lassen und ihren Partnern damit das wertvolle Wasser zur Verfügung stellen. Doch was passiert, wenn es trocken bleibt?

Bäume stecken bei anhaltender Trockenheit ihre Energie ins Wurzelwachstum. Manche Sorten besser als andere. Und weil die Wissenschaft nichts dem Zufall überlässt, gibt es in Eberswalde seit kurzem ein Dry-Lab, ein Trockenlabor im Freigelände. Zahlreiche Sensoren im Boden registrieren genau alle Zu- und Abflüsse. Die Versuchsbäume werden bewusst vor Regen abgeschirmt.

Doch wie dramatisch sind die Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringt? Kann der Wald den veränderten Bedingungen standhalten? Nun gilt es, diese Erkenntnisse umzusetzen: weg von den Monokulturen - hin zu naturnahen Mischwäldern mit robusten Bäumen, die der Trockenheit trotzen können.Wälder, in denen verschiedenste Bäume unterschiedlichen Alters stehen - Wälder, die sich selbst erneuern.

Sendedaten
21.04.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.05.2011
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