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"Load and Go" - das Prinzip aus den USA
Thema der hitec-Sendung "60 Minuten zwischen Leben und Tod"
In Zukunft ist also mit mehr Notfällen zu rechnen. Werden Menschen mit Herzinfarkt oder Schlaganfall künftig auf einen Notarzt verzichten müssen? Was sich erschreckend anhört, ist in den USA der Normalfall. Wer in Manhattan einen Notfall erleidet, bekommt zunächst keinen Arzt zu Gesicht.
Das amerikanische Rettungskonzept ist einfach: "Load and Go" - einladen und losfahren. Auf eine längere Behandlung an der Einsatzstelle ist das System nicht ausgerichtet. Die Sanitäter verfügen nur über notfallmedizinische Grundkenntnisse. Auch für diesen Schlaganfall-Patienten beginnt die Therapie erst später, im Krankenhaus. Dieser Ansatz gilt in den USA als praktikabler und billiger. In den USA sind sich Praktiker und Wissenschaftler einig: Ärzte sollten ihre Arbeitszeit nicht in speziellen Notarztzentralen mit dem Warten auf Einsätze vergeuden.

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Lewis Goldfrank, Direktor, Bellevue Hospital, New York:
"Sicherlich wollen Sie doch auch in Deutschland gute Ärzte in der Notaufnahme haben. Wenn dann noch lauter gute Ärzte in Rettungswagen herumfahren, kostet das bestimmt eine Stange Geld. Aber wenn gute Ärzte im Krankenhaus fehlen, weil sie draußen herumfahren - dann ist die Sache nicht gut organisiert."

Viele gehen nicht zum Arzt
Das deutsche Rettungskonzept sei zu teuer, meinen also manche US-Experten. Die Schwächen des amerikanischen Systems sind jedoch unübersehbar. Obwohl man in den USA auf Notärzte verzichtet, ist für das Rettungswesen nicht genug Geld da. Ohne Freiwillige stünde es schlecht um den Rettungsdienst, vor allem in Vierteln, in denen ethnische Minderheiten leben. Jeder fünfte Schwarze hat keine Krankenversicherung. Wegen der Kosten gehen viele nicht zum Arzt - bis eines Tages der Notfall eintritt.

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Der Vietnamkrieg zwischen 1965 und 1975 gilt als der Ursprung des heutigen amerikanischen Rettungssystems. Meist kämpften kleine Trupps mitten im Busch, fernab von ihren Einheiten. Bei Schussverletzungen gab es nur eine Chance: Load and go - den Verwundeten aufsammeln und wegschaffen. Diese Strategie bewährte sich in Vietnam.

Lewis Goldfrank, Direktor, Bellevue Hospital, New York:
"Wir sind da nicht mit einer Art Mini-Krankenhaus auf Rädern im Schlachtfeld herumgefahren, wie Deutsche oder Franzosen es vielleicht versuchen würden. Unser Ansatz ist: Ein echtes Feldhospital in der Nähe der Front. Das muss gar nicht schick aussehen. Aber es muss voll ausgestattet sein und jede Operation möglich machen. Das ist unsere Lehre aus dem Krieg."

Eingesparte Zeit geht wieder verloren
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Mit "Load and Go" werden die Patienten in den USA zwar rasch in die Notaufnahme gebracht. Doch hier geht die eingesparte Zeit häufig wieder verloren. Die Notaufnahmen sind regelmäßig vollkommen überlastet. Ärzte sind Mangelware und sie sind teuer. Würden sie auch noch wie in Deutschland in Rettungswagen mitfahren, würde das US-System zusammenbrechen.

Lewis Goldfrank, Direktor, Bellevue Hospital, New York:
"Mit Load and Go kriegen wir Patienten, denen es sehr schlecht geht, schnell ins Krankenhaus. Da gehören sie hin. Wenn man sich zu lange am Unfallort mit Stabilisierungsmaßnahmen aufhält, verhindert das eine gute Versorgung der Patienten. Es gibt nun mal nicht genug Ärzte, deshalb sollten sie da eingesetzt werden, wo sie von Nutzen sind. Manchmal ist die einfache Methode die bessere."

Sendedaten
28.04.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 31.01.2011
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