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Ist unser Ich nur eine Erfindung?
Thema der hitec-Sendung "Löcher im Netz"
Normalerweise identifizieren wir unseren Körper mit dem selbstverständlich gefühlten Ich. Aber diese Verbindung ist alles andere als solide. Ein einfaches Experiment zeigt die Fähigkeiten des Gehirns, praktisch jedes beliebige Objekt als körpereigen zu adaptieren.


Identifikation mit Raumzeitpunkt
Aus Sicht der Verhaltens-Psychologie mag das Ich-Empfinden durchaus raumgreifend sein - aus Sicht der experimentellen Neurologie ist es dagegen ausgesprochen anspruchslos.


Probanden beschreiben, was passiert, wenn sie die ersten Stadien meditativer Entspannung passiert haben.

Reinhold Guthier, Proband:
"Dann kommt man in eine Instanz, die völlig zeitlos ist und raumlos und die gefühlt außerhalb des Universum liegt. Und das ist eine sehr stabile Position, wo eigentlich gar nichts mehr passiert, wo nur noch Wahrnehmen ist. Aber den zu beschreiben, der aus dieser Position sieht, das ist unmöglich."

Ulrich Ott, Psychologe:
"Die Frage kommt auf, weil wir durch die grammatikalische Struktur unserer Sprache glauben, da muss einer sein. Aber das gilt in diesem Fall nicht, weil da nur der Prozess ist, ohne ein Zweites. Das löst sich alles auf: die Relation von Subjekt, Objekt und Wahrnehmung."

Ein Filter des Gehirns
Lupe
Was in solchen Momenten geschieht, wissen die Forscher nicht. Möglicherweise ist das Ich ein Filter des Gehirns, um Aufmerksamkeit zu steuern. Hat ein Organismus aber die Möglichkeit, Aufmerksamkeit auch anders, etwa durch intensives Training, aufrecht zu erhalten - dann könnte das Ich obsolet werden. Ein Zustand, den man im Experiment nur schwer untersuchen kann.

Ulrich Ott, Psychologe:
"Gefühle von Einssein und Verwobenheit sind experimentell schwer herzustellen. Und auch einen Meditierenden aufzufordern:Jetzt drück´ auf diesen Knopf, wenn Du da Gefühl hast, dass Du eins mit dem Universum bist? Das bringt den in die Bredoullie, weil immer ein Teil in ihm dann prüft: Ich muss ja die Instruktion erfüllen - bin ich jetzt schon eins mit allem? Und schon ist ein Beobachter da, der genau das verhindert."

Wir sind Teil einer Geschichte
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Trotzdem glauben die Wissenschaftler, irgendwann den Zusammenhang zwischen mystischer Schau und neuronaler Aktivität zu begreifen. Der Organismus kommt offenbar auch ohne ein Ich aus. Also sind wir keineswegs Schöpfer der Welt. Alle Forschungen und Erfahrungen deuten darauf hin, dass nicht nur das, was wir Welt nennen, sondern auch unser Ich eine Erfindung ist. Eine Erfindung von etwas, dass wir eben als Gehirn bezeichnen. Und wir sind Charaktere in dieser Erfindung. Teil einer Geschichte.

Thomas Metzinger, Philosoph:
"Da entsteht, wenn Sie so wollen, ein gewisses Märchen: Was wir sehen, wird von einem Selbst gesehen, was gewusst wird, wird von einem Selbst gewusst, was geschieht, wird zumindest teilweise von einem Selbst kontrolliert. In Wirklichkeit sind das Darstellungen, von denen wir uns nicht lösen können und wir glauben, wir sind in direktem Kontakt mit der Wirklichkeit. Aber wir denken auch, wir sind in direktem, unmittelbarem Kontakt mit uns selbst."

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Gesteuert von der DNA entwickeln sich Gehirne, die ein Selbst erzeugen und eine Geschichte von Raum und Zeit dazu. Ein Programm, das sogar Bilder von seinen eigenen Bausteinen erzeugt, von komplexen Molekülen. Eine endlose Schleife, in dem sich Erkennen und Erkanntes widerspiegeln.

Ulrich Ott, Psychologe:
"Die objektive Realität ist ein Teil unserer subjektiven Wirklichkeit und gleichzeitig, von der anderen Seite betrachtet, ist die Subjektivität Teil einer physikalischen Welt. Das ist miteinander verwoben und da kommen wir auch nicht heraus, aus diesem Widerspiegelungsprozess."

Sendedaten
19.08.2012, 15.30 Uhr

Erstsendung: 08.11.2010
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