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Nachhaltige Viehzucht bedeutet weniger Produktivität
Thema der hitec-Sendung "Bio für die Massen?"
Erst eine drastische Einschränkung der Tierhaltung könnte eine ökologische Umstellung möglich machen. Denn durch Futtermittelanbau und Weideflächen verbrauchen Tiere mehr Ressourcen als der pflanzliche Anbau. Wenn Tiere ins Spiel kommen, wird es weitaus komplexer mit "Bio".



Silage ist tabu
Seit einigen Jahren verkauft Lampert wieder Milch unter dem Label "Zurück zum Ursprung". Seine Milch erhält er von Klein-Bauern wie Peter Sabin aus der Steiermark. Bauer Sabin gibt seinen Kühen ausschließlich frisches Gras, Heu und ein wenig Kraftfutter aus heimischem Anbau. Fast das ganze Jahr grasen die Kühe draußen auf der Wiese. Silage, also gegorene Grasschlacke, ist genauso Tabu wie proteinhaltiges Soja aus dem Ausland.

Lampert würde Bauern, die sich nur an die allgemeine Bio-Norm halten, nicht ins Programm nehmen. Denn die europäische Bio-Norm ist nur ein Kompromiss, der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Mitgliedstaaten einigen konnten. Artgerechte Haltung, Auslauf und Futter sind zwar geregelt, aber mit weitaus größeren Spielräumen. Ausnahmen von der Norm sind die Regel.

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Um die Nachfrage an Bio-Milch zu bedienen, produzieren auch Biobetriebe oftmals auf Menge - hart an der Grenze zur industriell-konventionellen Produktion. Weidehaltung ist dabei nicht unbedingt Pflicht. Fast 40 Prozent Kraftfutterzusätze sind erlaubt, auch mit artfremden Futtermitteln wie Soja aus dem Ausland.

Dabei könnte die Kuh von ihrer natürlichen Anlage her weitestgehend auf zusätzliches Futter verzichten. So würde sie auch nicht in Nahrungskonkurrenz mit den Menschen gelangen, weil dann kein zusätzliches Futter auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden müsste.

Auf Hochleistung gezüchtet
Doch das Dilemma ist: Selbst wenn Bauern auf Kraftfutter verzichten wollten, die meisten Kühe sind genetisch auf Hochleistung gezüchtet und würden ohne Kraftfutter abmagern oder krank werden. Am schweizerischen Forschungsinstitut für biologischen Landbau ist man dieser Problematik auf der Spur.

Peter Klocke, Tierwissenschaftler, FiBL:
"Bislang müssen auch Biobetriebe auf die Genetik des konventionellen Landbaus zurückgreifen. Es gibt gewisse Programme, die es Biolandwirten ermöglicht, ihnen zu helfen, um die richtigen Kühe oder die richtige Genetik auszusuchen. Wir sind aber noch nicht soweit, dass wir eine spezielle Biomilchviehzucht haben im globalen Sinne. So, dass wir im Moment evaluieren müssen, welche Tiere überhaupt für unsere Fütterungssysteme, für unsere Systeme im Biolandbau geeignet sind."

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Tierarzt Peter Klocke erforscht, wie die Kühe auf eine Verringerung des Kraftfutteranteils reagieren. Die Ration, der in Pellets gepressten Proteine, wird für die Kuh individuell eingestellt. In einem Chip sind diese Daten gespeichert. Die Kuh bekommt nur so viel, wie die Wissenschaftler ihr zuteilen. Welche Kühe magern ab, weil sie energetisch nicht genug versorgt sind, welche kommen auch mit weniger Kraftfutter aus? Gelänge es, die Kühe genetisch umzuzüchten, wäre dies ein großer Schritt nach vorne.

Die Bauern könnten dabei die Einbußen durch geringere Milcherträge mit dem Einsparen von teurem Biofutter kompensieren. Doch wie immer man auch rechnet, global gesehen könnte so das hohe Niveau der derzeitigen Milchproduktion nicht gehalten werden. Denn nachhaltige Viehzucht bedeutet auch immer weniger Produktivität.

Sendedaten
22.09.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 04.10.2010
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