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Frau J. (Mirjana Karanovic) hat ihre kleine Tochter (Danica Nedeljkovic) endlich wieder gefunden.
Frau J. (Mirjana Karanovic) hat ihre kleine Tochter (Danica Nedeljkovic) endlich wieder gefunden.
Requiem für Frau J.
Jelena plant, sich am Todestag ihres Mannes zu erschießen. Ohne Wissen ihrer Großfamilie trifft sie die letzten Vorbereitungen. Doch ihr Vorhaben wird von vielen Seiten behindert. Dazu gehören gleichgültige Mitmenschen, faule Bürokraten und ein schlitzohriger Grabsteinverkäufer. - Die serbische Tragikomödie voller Empathie und schwarzem Humor gewann beim Wiesbadener "goEast"-Festival 2017 den Hauptpreis für den besten Film.
Jelena bleiben nur wenige Tage, um letzte Vorbereitungen zu treffen. Sie lebt zwar in einer großen Familie, aber die Generationen leben nebeneinander her und kommunizieren überwiegend schimpfend und schreiend miteinander. Nur der etwas unbeholfene Schwiegersohn in spe ist freundlich und zuvorkommend. Das alles erreicht Jelena nicht mehr. Und doch gibt es Lichtblicke in der Hoffnungslosigkeit.

Der als internationale Co-Produktion entstandene serbische Spielfilm erzählt vom Preis, den die Seele zahlt, wenn alte Gesellschaftsstrukturen zusammengebrochen sind und die Menschen in der neuen Ordnung zu Randfiguren degradiert werden. Eine tragende Nebenrolle spielt in Bojan Vuletics Film die Architektur: triste Behördengebäude aus sozialistischen Zeiten, menschenleere, zugig-unheimliche Fabrikhallen und die global immer-gleichen Bau- und Supermarkt-Monstren. Allesamt keine menschenfreundlichen Habitate und unbelebte Zeugen eines Übergangs, der menschlich und ideologisch ins Leere führt. Deshalb könnte das "J." im Filmtitel auch für Jugoslawien stehen. "Requiem für Frau J." spricht von den "kleinen Leuten" und für diese sowie von und für die Frauen, die in den Zeiten des Umbruchs und der Not die Hauptlast tragen.

Regisseur Bojan Vuletic, 1977 in Belgrad geboren, studierte Film- und Fernsehregie an der Universität der Künste Belgrad (Fakultät der Dramatischen Künste). Als Koautor wirkte Vuletic mit Stefan Arsenijevic an dem Episodenfilm "Gesucht und gefunden" und an "Liebe und andere Verbrechen" mit, der auf der Berlinale 2008 Premiere hatte. Für seinen ersten Spielfilm "Reiseführer durch Belgrad mit Singen und Weinen", der bei "goEast" 2012 seine internationale Premiere feierte, gewann er mehrere nationale und internationale Preise. Mit "Requiem für Frau J.", seinem zweiten Spielfilm, gewann Vuletic beim Wiesbadener goEast-Festival 2017 den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis, die "Goldene Lilie für den Besten Film". Die Internationale Jury sagte: "Vielen Dank, Frau J., für die Hoffnung die Sie bringen."

Marcin Koszałka wurde 1970 in Krakau geboren. Er arbeitet als Kameramann und Regisseur. Seine Dokumentarfilme wurden auf vielen internationalen Filmfestivals gezeigt, unter anderem in Karlovy Vary, Jihlava, Krakau und Trient. Seine Filme behandeln immer wieder kontroverse Themen. In seinem Filmdebüt "So einen schönen Sohn habe ich geboren" (Takiego pieknego syna urodzilam) spielte seine Mutter die Hauptrolle.

Sendedaten
Donnerstag, 3. Mai 2018, 23.45 Uhr

Erstausstrahlung
Filmfestival
Neue Frauen bei goEast
Das Festival des mittel- und osteuropäischen Films in Wiesbaden ist sich auch für die 18. Ausgabe treu geblieben, indem es Tradition mit dauernder Innovation und Veränderung verbindet.
Info
3sat zeigt "Requiem für Frau J.", der 2017 bei "goEast" die "Goldene Lilie für den Besten Film" gewann, im Rahmen seiner langjährigen Medienpartnerschaft mit dem Wiesbadener Festival des mittel- und osteuropäischen Films.
Rückblick goEast 2017
Eine Goldene Lilie für Frau J.
Serbien und Georgien waren die großen Gewinner von goEast