© ZDF/Donata Wenders
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Lana (Michelle Williams) reist nach Los Angeles, um den einzig noch lebenden Verwandten, ihren Onkel Paul, einen Kriegsveteran, zu finden und sich um ihn zu kümmern.
Land of Plenty
Ein Vietnam-Veteran in Los Angeles, der unter den Nachwirkungen seines Kriegsdienstes leidet, erhält eine neue Perspektive durch seine 20-jährige Nichte, die ihn aus seiner Deckung lockt. Gemeinsam begeben sie sich auf Spurensuche, wenngleich aus unterschiedlichen Motiven. - Wim Wenders wirft in seinem Road Movie einen kritischen und zugleich zärtlichen Blick auf ein in sich zerrissenes Amerika voller Angst und Armut.
Paul, ehemals Soldat der "US Special Forces", wurde als 18-Jähriger in einem Gefecht in der Nähe von Long Thanh verletzt und leidet heute noch unter den Nachwirkungen des Giftes Dioxin (Agent Orange), dem er vor mehr als 30 Jahren ausgesetzt war. Die Ereignisse des 11. September haben sein Kriegstrauma und damit die Geister seiner Vergangenheit erneut zum Leben erweckt. Er ist von der Idee besessen, sein Land gegen mögliche Inlandsangriffe zu beschützen und engagiert sich im "Krieg gegen den Terror" als selbsternannter Vaterlandsverteidiger.

Lana ist eine Idealistin auf der Suche nach ihrer Aufgabe in dieser Welt. Dabei erkennt und versteht sie ihren christlichen Glauben mehr und mehr in frappierendem Gegensatz zu den Prinzipien der amtierenden amerikanischen Regierung. Lana und Paul werden zufällig Zeugen eines Mordes. Ein Obdachloser wird im Vorbeifahren erschossen, ein scheinbar willkürlicher Akt. Für Paul eine heiße Spur in einer Verschwörungstheorie, für Lana nur eine weitere traurige Episode in einer aus den Fugen geratenen Welt. Die Geschichte endet für Lana und Paul an dem Ort, an dem die amerikanische Geschichte im 21. Jahrhundert so eine dramatische Wende genommen hat: in New York am Ground Zero.

Politischer Essay und Familiengeschichte
"Land of Plenty" erzählt eine Geschichte im heutigen Amerika, aber zeigt es von seiner Kehrseite: Los Angeles ist nicht nur die Hauptstadt der Unterhaltungsindustrie, es ist auch die "Hauptstadt des Hungers" der USA. Der Film ist ein politischer Essay, aber auch eine sehr emotionale Familiengeschichte, voll schwarzem Humor. Der Zuschauer erlebt das Land aus höchst unterschiedlichen Perspektiven: Auf der einen Seite sieht er es mit den Augen eines patriotischen Vietnamkriegs-Veteranen, auf der anderen aus der Sicht von dessen Nichte, einer aufgeklärten jungen Frau.

Sendedaten
Dienstag, 26. September 2017, 2.05 Uhr
(Nacht Di/Mi)
Credits
Land of Plenty
Spielfilm, Deutschland/USA 2003
119 Minuten
Regie: Wim Wenders
Mit Richard Edson (Jimmy), Michelle Williams (Lana), John Diehl (Paul), Shaun Toub (Hassan), Wendell Pierce (Henry), Bert Young (Sherman)
Mediathek
VideoWim Wenders im Kennwort-Kino-Interview
Der Regisseur spricht 2015 in einem langen Interview auch über seinen zornigen Film "Land of Plenty" (ab Min. 41:00)
Mediathek
VideoZDF-Interview 2004
Anlässlich seines damals aktuellen Spielfilms "Land of Plenty" äußert sich Wim Wenders bemerkenswert kritisch gegenüber der amerikanischen Politik.