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Der avantgardistische Schneider Leonid Sladkevich lässt sich von Gedichten zu außergewöhnlicher Mode inspirieren. Als seine Familie aus ihrer Stadt im Ural nach Deutschland auswandern wollte, wurde sie von Nachbarn gewarnt, dass die Deutschen wieder Juden einsammeln und vergasen wollten.
Mazel Tov
Als die UdSSR 1990 die Grenzen öffnete, verließen Hunderttausende Juden das Land. Viele gingen nach Deutschland. Sie haben die jüdischen Gemeinden neu belebt, denn sie kamen nicht als Holocaust-Überlebende, sondern im Bewusstsein, damals die Deutschen vom Faschismus befreit zu haben. - Dokumentarfilm über die zugewanderten russischen Juden in Deutschland.
Als russische Juden in den neunziger Jahren zu Hunderttausenden nach Deutschland übersiedelten, standen die jüdischen Gemeinden vor großen Problemen. Diejenigen, die sie nach 1945 wieder aufgebaut hatten, waren Holocaust-Überlebende, die häufig ihr Misstrauen den Deutschen, dem Tätervolk gegenüber nie ganz überwunden haben. Die "Russen" kamen mit dem Bewusstsein, mit dem Sieg über Hitlers Wehrmacht Deutschland von den Nazis befreit zu haben. Mentalitäten prallten aufeinander, zumal die Zuwanderer häufig atheistisch waren. In der UdSSR war ihre Religion verboten.

Die Kriegsveteranen und die Jungen
© ZDF, Jörg Jeshel Dalia Moneta kennt die Probleme bei der Integration der russischen Einwanderer ins Gemeindeleben.
Dalia Moneta kennt die Probleme bei der Integration der russischen Einwanderer ins Gemeindeleben.
Dalia Moneta, Leiterin der Sozialabteilung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main, hat sich unermüdlich für die Integration der Neuankömmlinge eingesetzt. Sie weiß von den Konflikten zu berichten und ist den "Russen" zugleich mit Interesse für deren bewegende Lebensgeschichten begegnet.

Da sind die Kriegsveteranen, für die der 9. Mai immer ein besonderer Tag ist: der Tag der Befreiung und des Sieges. Sie legen ihre Orden an und erzählen vom Kampf gegen Nazi-Deutschland. Die Band spielt "Mazel Tov": Glückwunsch, dass ihr gekämpft habt, Glückwunsch, dass ihr hier seid. Die Geschichte der jüdischen Kämpfer in der Roten Armee ist eine unterdrückte Geschichte, und die Alten erzählen sie mit Würde, ohne Hass.

Die jungen Einwanderer dagegen sprechen von anderen Erfahrungen: von Verlust und Neuanfang, von der Suche nach Identität und von der Neuentdeckung jüdischer Religion und Kultur. "Erst in Deutschland", sagt ein junger Einwanderer, "habe ich gelernt, was es heißt, Jude zu sein." Die russischen Juden, die Deutsche werden wollen, bringen Leben in die jüdischen Gemeinden. Und Leben in die deutsche Gesellschaft, denn viele Zuwanderer sind gut ausgebildet und hoch motiviert. Finden sie hier die erhoffte Heimat?

Neue Perspektive auf jüdisches Leben heute
Der Film des renommierten, vielfach ausgezeichneten Frankfurter Autorenpaars Mischka Popp und Thomas Bergmann vermittelt eine neue Perspektive auf jüdisches Leben heute und das Verhältnis von Russen zu Deutschland. "Mazel Tov" hat beim 16. Jewish Film Festival Berlin 2010 den Preis für den besten deutschen Dokumentarfilm mit jüdischer Thematik gewonnen.

Sendedaten
Sonntag, 13. August 2017, 10.05 Uhr
Credits
Mazel Tov
Dokumentarfilm von Mischka Popp und Thomas Bergmann
Deutschland 2009
90 Minuten
Redaktion: Udo Bremer
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Interview mit den Filmemachern Mischka Popp und Thomas Bergmann