© Nachmittagfilm, Ivan Markovic
"Ich war zuhause, aber": Nach dem Tod ihres Mannes findet Astrid (Maren Eggert), umgeben von Licht und Wasser, Trost und Ruhe in der Begegnung mit den Elementen der Natur.
"Ich war zuhause, aber": Nach dem Tod ihres Mannes findet Astrid (Maren Eggert), umgeben von Licht und Wasser, Trost und Ruhe in der Begegnung mit den Elementen der Natur.
3sat-Filme auf der Berlinale 2019
Ein Spielfilm im Wettbewerb und zwei Dokfilme im Forum junger Film
Im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2019 bewirbt sich auch eine ZDF/3sat-Koproduktion um den Goldenen Bären: der Spielfilm "Ich war zuhause, aber" von Angela Schanelec. Außerdem laufen in der Sektion Internationales Forum des jungen Films zwei Dokumentarfilme, die ebenfalls unter ZDF/3sat-Beteiligung entstanden sind: "Heimat ist ein Raum aus Zeit" von Thomas Heise sowie "Erde" von Nikolaus Geyrhalter.
Schwerpunkt
© alexander janetzko Die Berlinale in 3sat Spielfilmreihe "Arthouse Kino"
"Ich war zuhause, aber": Phillip lebt mit seiner Mutter und seiner achtjährigen Schwester Flo in bürgerlichen Verhältnissen. Der Film beginnt, als er nach einer Woche, in der er spurlos verschwunden war, zurück nach Hause kehrt. Was er gesucht hat - ein Ausgeliefertsein an die Natur oder eine Annäherung an den Tod, ausgelöst durch den Tod seines Vaters -, können die Mutter und seine Lehrer nur vermuten. Erzählt werden die ersten Wochen nach seiner Rückkehr, in denen die Normalität des täglichen Lebens, das stolpernd wieder in Gang kommt, in hartem Gegensatz zur Nähe des Todes steht, in die sich Phillip begeben hat.
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© Nachmittagfilm, Ivan Markovic Für Phillip (Jakob Lassalle) und seine kleine Schwester Flo (Clara Möller) wird die Natur zu einem Rückzugsraum, der es ihnen ermöglicht, ihrer Trauer über den Verlust des Vaters zu begegnen.
Für Phillip (Jakob Lassalle) und seine kleine Schwester Flo (Clara Möller) wird die Natur zu einem Rückzugsraum, der es ihnen ermöglicht, ihrer Trauer über den Verlust des Vaters zu begegnen.
Seine Mutter scheitert an der Notwendigkeit, akzeptieren zu müssen, dass ihr Sohn ein eigenes Leben führt, das sie nur begrenzt beeinflussen kann. Nachdem sie glaubte, sich zumindest um seine körperliche Unversehrtheit nicht mehr sorgen zu müssen, kommt Phillip mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus. Aufgerieben zwischen erneuter Sorge um das Kind, Versagensängsten und Schuldgefühlen, verliert die Mutter die Nerven. Aber die Kinder wenden sich nicht ab. Das Gefüge der Familie zerfällt, um sich neu zu bilden.

"Ich war zuhause, aber" ist eine Auseinandersetzung mit dem Überleben bzw. damit, was der Tod im Leben bedeutet. Die Annäherung an diese Frage geschieht auf einer zweiten Ebene durch die Theaterproben zu einer "Hamlet"-Aufführung in Philipps Schulklasse: Die Schüler proben Szenen, die indirekt auf die Konflikte der Protagonisten verweisen. Die Rollen und literarischen Texte, in die Phillip und seine Klassenkameraden eintauchen, interpretieren sie mit der ihnen gegebenen kindlich-jugendlichen Lebenserfahrung.
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© dpa Video Berlinale-Zoom
Kulturzeit über "Ich war zuhause, aber" (ab Min. 3:20)

Angela Schanelec, geboren 1962. Schauspielstudium in Frankfurt am Main, Engagements am Thalia Theater Hamburg und der Schaubühne Berlin. 1990 bis 1995 Regiestudium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin. Nach "Orly" (2010), der im Forum der Berlinale lief und den deutschen Filmkunstpreis Ludwigsburg erhielt, ist "Ich war zuhause, aber" die zweite Zusammenarbeit mit ZDF/3sat.

  • Credits: Ich war zuhause, aber (I Was at Home, But), Deutschland/Serbien 2019; Buch, Regie, Schnitt: Angela Schanelec; Kamera: Ivan Markovic; Ton: Andreas Mücke-Niesytka, Rainer Gerlach; Ausstattung: Reinhild Blaschke; Kostüm: Birgitt Kilian; Maske: Monika Münnich; Casting: Ulrike Müller; Ausführende Produzentin: Jana Cisar; Förderungen: BKM, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA, mit Unterstützung des Filmcenter Serbien; Produktion: Nachmittagfilm Angela Schanelec, Dartfilm in Koproduktion mit ZDF/3sat; Redaktion: Ingrid Gränz, Maik Platzen (ZDF/3sat)
  • Besetzung: Maren Eggert (Astrid), Jakob Lassalle (Phillip), Clara Möller (Flo), Franz Rogowski (Lars), Lilith Stangenberg (Claudia), Alan Williams (Herr Meissner), Jirka Zett (Astrids Freund), Dane Komljen (Junger Regisseur) u.a.

"Heimat ist ein Raum aus Zeit": Thomas Heise geht den Spuren seiner eigenen deutsch-jüdischen Familiengeschichte nach, die seit dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende der DDR von oppositionellem Geist und erlittener Verfolgung geprägt war. Dabei stellt er drei prägende Erfahrungen heraus: die Opposition des Großvaters Wilhelm gegen den Ersten Weltkrieg, die Verfolgung, der Wilhelm als engagierter Kommunist und seine Frau, eine Jüdin aus Wien, in der Zeit des Dritten Reichs ausgesetzt waren, und das zwiespältige Verhältnis der DDR-Intellektuellen zur Obrigkeit am Beispiel von Heises Eltern.
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© Ma.jade Filmproduktions Gmb Trauriger Soldat als Sphinx
Trauriger Soldat als Sphinx
Heise zeigt, wie sich Zeitgeschichte auf seine Familien ausgewirkt hat und wie sich unabhängig von den Systemen Herrschaftsverhältnisse wiederholen. Dadurch weisen die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen über das individuelle Schicksal hinaus und werden als Merkmale der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts sinnfällig. Heise verwendet Materialien seines Familienarchivs (Berichte, Aufsätze, Fotos, Briefe, Tagebücher) sowie Aufnahmen von Transitorten, über die Reisende wie Flüchtlinge damals wie heute ankommen und weiterziehen.

Thomas Heise ist einer der angesehensten Dokumentarfilmregisseure Deutschlands. Seine frühen Dokumentarfilme konnten in der DDR nicht gezeigt werden. Mit seinen kontroversen Filmen über die Neo-Naziszene in Ostdeutschland ("Stau", "Neustadt") erregte er in den 1990er Jahren Aufsehen. Heises vielfach preisgekrönte Filme spüren immer das Politische im Privaten auf.

  • Credits: Heimat ist ein Raum aus Zeit, Dokumentarfilm, Deutschland /Österreich 2019; Buch und Regie: Thomas Heise; Kamera: Stefan Neuberger; Ton: Johannes Schmelzer-Ziringer; Tonbearbeitung: Markus Krohn; Sprecher: Thomas Heise; Mischung: Martin Steyer; Montage: Chris Wright; Produktionsleitung: Prisca Beyer, Hanne Lassl; Herstellungsleitung: Tina Börner, Katharina Mosser; Ko-Produzenten: Johannes Holzhausen, Johannes Rosenberger, Constantin Wulff; Produzent: Heino Deckert; Förderungen: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Bundeskanzleramt Österreich, Sektion für Kunst und Kultur, Mitteldeutsche Medienförderung, FISA - Filmstandort Austria, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Wien Kultur; Produktion: Ma.ja.de Heino Deckert, Navigator Film in Koproduktion mit ZDF/3sat; Redaktion: Udo Bremer

"Erde": Die Oberfläche der Erde ist seit jeher Veränderungen unterworfen. Wind und Wasser, Feuer und Eis modifizieren permanent ihr Aussehen. Der wichtigste geologische Faktor ist inzwischen aber der Mensch: Mehrere Milliarden Tonnen Erde, weitaus mehr als durch natürliche Phänomene, werden jedes Jahr durch menschliche Eingriffe bewegt - mit Schaufeln, Baggern, Bohrern oder, wenn das alles nicht ausreicht, mit Dynamit. Dabei stoßen die Arbeiter und Ingenieure immer wieder auch auf Zeugnisse der Erd- und der Menschheitsgeschichte.
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© Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion Schichtwechsel in Ungarn
Schichtwechsel in Ungarn
Nikolaus Geyrhalter filmt in Minen, Steinbrüchen und Großbaustellen über- und untertage in Europa, Amerika und Kanada und zeigt den Menschen bei seinem Bestreben, sich den Planeten in einem ständigen Kampf anzueignen. Wie bei allen seinen vorherigen Filmen (darunter "Unser täglich Brot", 2005, "Abendland", 2011) fungiert Geyrhalter auch hier als Produzent, Regisseur und Kameramann.

Geyrhalter dringt gerne in sonst unbeachtete Bereiche vor und schafft Bilder von großer Intensität, die er kommentarlos für sich selbst sprechen lässt. Dabei dokumentiert er komplexe Themen, indem er durch die Montage der Bilder und der eindringlichen Porträts seiner Protagonisten einen größeren Zusammenhang entwirft. Er lässt dem Zuschauer den Raum, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Diese konsequente Haltung und seine einzigartige Bildsprache machen Geyrhalters Filme zu Kinoerlebnissen.

  • Credits: Erde, Dokumentarfilm, Österreich/Deutschland 2019; Regie/Kamera: Nikolaus Geyrhalter; Ton: Pavel Cuzuioc, Simon Graf, Lenka Mikulová, Hjalti Bager-Jonathansson, Nora Czamler; Schnitt: Niki Mossböck; Sound Design: Florian Kindlinger; Mischung: Alexander Koller; Produktionsleitung: Katharina Posch; Herstellungsleitung: Michael Kitzberger; Produzenten: Michael Kitzberger, Markus Glaser, Wolfgang Widerhofer, Nikolaus Geyrhalter; Förderungen: Österreichisches Filminstitut, Film Fonds Wien, ORF Film/Fernsehabkommen; Produktion: Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion in Koproduktion mit ZDF/3sat; Redaktion: Udo Bremer