© Simon Bierwald, Duisburger Filmwoche
3sat-Koordinatorin Natalie Müller-Elmau (2.v.l.) übergibt den 3sat-Dokumentarfilmpreis 2018 an Regina Schilling (2.v.r.), flankiert von Festivalleiter Werner Ružicka (l.) und Jurymitglied Matthias Dell (r.).
3sat-Koordinatorin Natalie Müller-Elmau (2.v.l.) übergibt den 3sat-Dokumentarfilmpreis 2018 an Regina Schilling (2.v.r.), flankiert von Festivalleiter Werner Ružicka (l.) und Jurymitglied Matthias Dell (r.).
Der 3sat-Dokumentarfilmpreis 2018
Auszeichnung für "Kulenkampffs Schuhe"
Der Film "Kulenkampffs Schuhe" von Regina Schilling (DE 2018, 92 Min.) hat auf der 42. Duisburger Filmwoche den mit 6000 Euro dotierten 3sat-Dokumentarfilmpreis 2018 für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm gewonnen.
Samstagabend mit vom Wirtschaftswunder ermatteten Eltern vor den Empfängern: Kulenkampff, Alexander und Rosenthal sind so alt wie Papa. Sie bieten neuartige Zerstreuung, kleinbürgerliche Selbstvergewisserung, Therapie für ein Land in Amnesie - das war Spitze! In Versprechern, Unbeholfenheiten, Subtilitäten wiegt die beschwiegene Vergangenheit gleichwohl schwer auf der leichten Unterhaltung und ihren Zuschauern.

In der Jurybegründung von Matthias Dell, Tereza Fischer und Lena Stölzl heißt es:

  • "'Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen', heißt es bei William Faulkner. Was das für die deutsche Geschichte heißt, zeigt dieser Film. Er öffnet einen neuen Blick auf die NS-Zeit und ihre Nachwirkungen, die vor einem Begriff wie 'Stunde Null' eben nicht Halt gemacht haben. Der Film tut das mit alten Bildern: mit privaten Aufnahmen vom scheinbaren Familienidyll der Wiederaufbaujahre und Fernsehmaterial aus jener Zeit. Die Geschichte eines Vaters, der bei Kriegsende ein junger Mann war, wird übergeblendet in eine Mediengeschichte der Bundesrepublik, in der die Generationsgenossen Hans Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal und Peter Alexander zu Ersatzautoritäten werden. In seiner Revision des populären Bewegtbilds der ersten Nachkriegsjahrzehnte legt der künstlerisch konsequente und erzählerisch präzise Film frei, was immer nur am Rande gesagt werden kann, weil alle von dem Gleichen schweigen: Schuld und Trauma. Nicht zuletzt ist diese Arbeit ein unbedingtes Plädoyer für die Öffnung der öffentlich-rechtlichen Archive: Was dort an Schätzen gehoben werden kann, zeigt 'Kulenkampffs Schuhe'. Und wenn die ARD den Überraschungserfolg in ihrem Sommerprogramm wirklich verstanden hat, dann muss sie einen anderen Zugriff auf solches Material möglich machen als bislang - auch um zu verhindern, dass dieser Film nach Ablauf irgendwelcher Rechte wieder verschwindet."

Der alljährlich vergebene 3sat-Dokumentarfilmpreis wird von den vier Partnersendern - ZDF, ORF, SRG und ARD - gestiftet. In der Jury sitzen namhafte Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Duisburger Filmwoche
3sat-Begleitprogramm zum Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms
12. und 13. November 2018
Links