© Adnan Softic
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Prämiert mit dem 3sat-Förderpreis: Adnan Softićs dreißigminütiger Film "Bigger than Life"
3sat-Förderpreis für "Bigger than Life"
Preisverleihung bei den Kurzfilmtagen Oberhausen
Der essayistische Dokumentarfilm "Bigger Than Life" von Adnan Softić (Deutschland, Mazedonien, Italien, 2018, 31 Min.) hat bei den 64. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2018 den mit 2500 Euro dotierten 3sat-Förderpreis gewonnen.
Im Mittelpunkt von "Bigger Than Life" steht die Erfindung einer Nationalgeschichte durch Architektur und Stadtplanung. "Skopje 2014" heißt der monumentale Bauplan der mazedonischen Regierung. Die Oberhausener Jury des Deutschen Wettbewerbs begründete ihre Entscheidung für "Bigger Than Life" so:

  • "Die Musik macht den Ton dieses Films - einen äußerst humorvollen. Gleich der erste Text wird gesungen - kunstvoll, mit Wissen um Pathos und Sinn für Pausen, weshalb es dauert, bis sich der Satz endlich zum Johann-Joachim-Winckelmann-Zitat vervollständigt. Die Musik stiftet auch die spielerische Struktur dieser Vermessung eines kitschigen Stadtumbauprojekts, das Skopje neben Rom und Athen auf die vordersten Plätze in der europäischen Geschichte katapultieren soll. Dagegen wappnet sich der Film mit Ironie und dekliniert gleichzeitig die Monumentalsucht filmisch originell durch: Bauten und Statuen werden von der aufmerksamen Kamera zu verschiedenen Zeiten, aus verschiedenen Winkel, in verschiedenem Lichte angeschaut. Beredte Details stehen fürs Ganze wie die sich streitenden Tauben auf dem Kopf einer Statue vor dem Zimmer einer Betroffenen, weil Stadtbewohnerin."

Adnan Softić ist Autor, Bildender Künstler und Regisseur. Er studierte Film und Ästhetische Theorie an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, wo er auch als Professor für Film und zeitbezogene Medien unterrichtete. Softić lebte zuletzt als Stipendiat in der Villa Massimo in Rom.

Mit dem 3sat-Förderpreis wird seit 1999 im Rahmen der Medienpartnerschaft mit dem Festival jedes Jahr ein Film im Deutschen Wettbewerb ausgezeichnet, "der sich durch eine neue Sichtweise auszeichnet". Der Preis umfasst über das Preisgeld hinaus das Angebot, den Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm zu präsentieren. Die Jury des Deutschen Wettbewerbs, die über den Preis entscheidet, bestand 2018 aus dem deutschen Filmjournalisten und Autor Matthias Dell, der deutschen Filmwissenschaft-Professorin und Autorin Heike Klippel und der österreichischen Filmkuratorin und Übersetzerin Katja Wiederspahn.

"Valea Jiului - Notes" bester Film im Deutschen Wettbewerb
Den Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs (dotiert mit 5000 Euro) vergab die Jury an "Valea Jiului - Notes" von Alexandra Gulea (Deutschland 2018, 14 Min.), einen Dokumentarfilm über das Jiu-Tal, ein traditionelles rumänisches Industriegebiet, aus dem viele Bewohner zum Arbeiten in den Westen gegangen sind. "Der Abstand zwischen Bildebene und Tonspur", urteilt die Jury in ihrer Entscheidung, "ist einerseits die Distanz, um die es in dieser filmischen Erzählung geht: die ökonomisch motivierte Kluft zwischen Müttern, die anderswo arbeiten müssen, damit ihre Kinder hier aufwachsen können. Und andererseits schafft der Abstand zwischen den melancholischen Bildern von verfallener Industrielandschaft und den lakonischen Fragmenten der Verzweiflung im Voice-Over einen Raum, in dem sich nachdenken lässt."

Eine "Lobende Erwähnung" bekam der Kurzfilm "Three Casualties" von Jens Pecho, eine Untersuchung dreier Filmstuntszenen mit tödlichen Unfällen.

Großer Preis der Stadt Oberhausen
Die wichtigste Auszeichnung der Internationalen Kurzfilmtage, den mit 8000 Euro dotierten Großen Preis der Stadt Oberhausen, vergab die Internationale Jury an den dokumentarischen Experimentalfilm "Dėmės ir įbrė¸imai" (Flecken und Kratzer) von Deimantas Narkevičius (Litauen 2017, 8 Min.). Die Begründung der Internationalen Jury: "Eine stereoskopische und skulpturale Illusion dekonstruiert Ton und Bild, An- und Abwesenheit, und erweitert so die Projektionsfläche. Dieser Film ist eine einzigartige Erkundung dessen, was die Kinoerfahrung sein kann, und ist gleichzeitig eine brillante Antwort auf das Themenprogramm 'Abschied vom Kino' der diesjährigen Kurzfilmtage."

Der Hauptpreis im Internationalen Wettbewerb, dotiert mit 4000 Euro, ging an "Hirografo" (Manuskript) von Eva Stefani (Griechenland 2017, 12 Min.). Die Jurybegründung: "Eine ziellose Fahrt durch Athen verdichtet sich zu einer einzigartigen und atmosphärischen Vision der Stadt. Diese zeitgenössische Fabel findet einen einzigartigen Weg, Archivmaterial und subtilen poetischen Witz zu verbinden."

TV-Premieren
Internationale Kurzfilmtage Oberhausen - Programm 1
Zu den Kurzfilmtagen zeigt 3sat als Medienpartner wieder zwei Programme mit den TV-Premieren ausgewählter Oberhausen-Kurzfilme. Diesmal acht Animations-, Dokumentar-, Experimental- und Kurzspielfilme.
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