© ORF/Filmgut Thomas Zeller
Video online ab 22.10.2018, 22.25 UhrVideo online ab 22.10.2018, 22.25 Uhr
Ein amerikanisches Eigenheim - irgendwo in Montana
American Dream Stories
Diese filmische Reise führt die Dokumentar-FilmemacherInnen mehr als 45.000 km mit der Eisenbahn quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika und begibt sich dabei auf die Suche nach den verbliebenen Fragmenten des amerikanischen Traums - in einem Land, das sich heute politisch, wirtschaftlich und sozial am Scheideweg befindet.
Die Kamera beobachtet aus dem Zugfenster und gibt Einblicke in Hinterhöfe, Industriezonen und private Gärten, sie blickt hinter die Fassaden der größten Wirtschaftsmacht der Welt. Durchbrochen werden diese Ausblicke von Erzählungen der Zugpassagiere, die davon handeln, wie sehr sich ihre und die Situation ihrer Mitmenschen in den letzten Jahren verändert hat, was die Zukunft ihrer Nation bringen wird und davon, wie sehr sie noch an den amerikanischen Traum glauben. Oder auch nicht.

Land der Widersprüche
Diese Widersprüchlichkeit kommt in den Interviews zutage. So herrscht zum einen die Überzeugung vor, im besten Land der Welt zu leben, wie es David, ein Mann im Pensionsalter formuliert: "Hier in den Staaten zu leben ist einfach das Beste. Ich habe nie schlechte Erfahrungen gemacht, nichts Schlimmes, niemals. Es ist ein großartiger Ort. Tun, was man tun will, das ist genau meins. Das ist der amerikanische Traum." Dass die Besten der Welt hier leben, davon zeigt sich auch Roberta überzeugt, und das mache die Amerikaner zu dem, was sie heute sind. Unterstützt wird diese Ansicht nicht zuletzt von einer aus China zugewanderten jungen Frau, indem sie meint, die Welt brauche einen Weltführer wie die USA, weil nur dieser in der Lage wäre, die Verantwortung für die großen Fragen der Menschheit zu tragen, und die damit verbundenen Herausforderungen zu lösen.

© ORF/Filmgut Thomas Zeller Ein Farmhaus - der Traum vom Eigenheim sieht auch anders aus!
Ein Farmhaus - der Traum vom Eigenheim sieht auch anders aus!
Gleichzeitig ist seit Beginn der Finanz- und Bankenkrise 2008 das Einkommen der jüngeren Bevölkerung in fast allen Branchen gesunken, während die Preise für Bildung, Wohnen und Krankenversicherung kontinuierlich gestiegen sind. Nüchtern und resigniert zeigt sich der 30-jährige Carl und beantwortet die Frage nach dem amerikanischen Traum folgendermaßen: "Heute ist vom amerikanischen Traum nur geblieben, dass man versucht zu überleben." Der Mindestlohn reiche oft nicht aus, um sich eine Wohnung mieten zu können: "Wenn du im Bundesstaat New York nur den Mindestlohn verdienst, müsstest du mehr als 60 Stunden pro Woche arbeiten, um ein Apartment mieten zu können. Da sind kein Essen, Auto oder Treibstoff, um zur Arbeit zu kommen, mitgerechnet", erzählt Carl weiter. Schicksalsgeplagt ist auch der Vater von Darren: Obwohl er sein gesamtes Arbeitsleben lang in das Versicherungssystem einbezahlt hat, ist er im Alter verarmt und obdachlos - seine Krankheit und die damit verbundenen hohen Selbstbehalte haben ihn in die Armut getrieben.

Wir sind alle Amerikaner
© ORF/Filmgut Thomas Zeller Und wenn gar nichts mehr geht... dann muss das Haus halt mit!
Und wenn gar nichts mehr geht... dann muss das Haus halt mit!
Dass die eigenen Leute zuerst ordentlich versorgt werden müssen, bevor man Flüchtlinge ins Land holt, meint Travis, der in der Ölbranche tätig ist. Auch wenn die USA als Einwanderungsland gilt, beläuft sich die Zahl der jährlich aufgenommenen Flüchtlinge auf nur etwa 0,03% der Gesamtbevölkerung, die Ressentiments sind teilweise groß. Befürchtung großer Veränderungen durch den Zuzug erklärt Travis mit den Worten: "Wir sind alle Amerikaner. Mir ist es egal, wer ins Land kommt, ob Muslime oder sonst was. Es muss einem klar sein, dass man in die Vereinigten Staaten kommt. Hier herrschen unsere Regeln. Bringt nicht eure Überzeugungen herein und versucht nicht, unsere mehr als 200 Jahre alte Verfassung zu ändern!" Dabei bezieht er sich auf den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der es verbietet, das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen einzuschränken.

Beeindruckende Ausblicke und skurrile Durchsagen
Neben den beeindruckenden Blicken aus dem Zugfenster und den kurzweiligen Interviews lässt uns der Film an den teilweise skurril anmutenden Durchsagen des Zugpersonals teilhaben. So wird gebeten, zur eigenen Sicherheit im Zug immer Schuhe zu tragen. Diese Vorschrift trägt aber noch eine weitere Bitte in sich, wie uns ein Zugbegleiter wissen lässt: "Wir alle freuen uns, wenn Sie Ihre Schuhe anbehalten. Wir wollen Ihre stinkenden Füße nicht riechen müssen." Zum Abschluss verabschiedet er sich mit den Worten: "Schauen Sie sich um, vergessen Sie nicht, alle Ihre persönlichen Dinge mitzunehmen. Wir finden immer wieder Hüte, Brillen, Kameras, Geldbörsen, Stofftiere und kleine Kinder. Vergewissern Sie sich, dass Sie alles mitnehmen."

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Montag, 22. Oktober 2018
um 22.25 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Dokumentarfilm von Thomas Zeller und Christine Lechner, Österreich 2017