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Die "Iuventa" fuhr bis August 2017 durch das Mittelmeer, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten.
Iuventa
Ein italienscher Filmemacher begleitete Missionen der NGO "Jugend Rettet", die seit Mitte 2016 mit dem Schiff "Iuventa" im Mittelmeer unterwegs war, um Flüchtlinge aus Seenot zu retten. Im August 2017 wurde die NGO verdächtigt, mit Schleusern zusammenzuarbeiten und ihr Schiff festgesetzt. - Ein authentisches Zeitdokument, in dem der Autor bei aller Nähe zu den Protagonisten eine unabhängige Position in der Darstellung der Ereignisse einnimmt.
Drei Auszeichnungen für "Iuventa" beim Filmfestival in Bologna

"Iuventa" hat im Juni 2018 auf dem Biografilm-Festival in Bologna mit drei Auszeichnungen auf sich aufmerksam gemacht. Der Dokumentarfilm erhielt den "Guerilla Staff Award" als "most loved film"; außerdem sprachen ihm die Jurys zweier Festivalsektionen jeweils eine lobende Erwähnung zu.

Die Jury des Ucca-Awards begründete ihre lobende Erwähnung des Films mit dessen "starker Botschaft, die lehrt, wie neue Generationen mit Mut und Verantwortung handeln können, um sich einer der größten Herausforderungen der Zeitgeschichte zu stellen".


"Jugend Rettet" ist eine in Berlin ansässige Nichtregierungsorganisation, die seit 2016 im Mittelmeer Rettungsaktionen mit ihrem, durch Spendengelder finanziertem Schiff "Iuventa" für in Seenot geratene Flüchtlinge durchführte. Die "Iuventa" wurde im August 2017 von den italienischen Behörden festgesetzt. Es gab Berichte über eine Zusammenarbeit der Crew mit Menschenschmugglern auf dem Meer.

Italienische Behörden hatten schon längere Zeit gegen die Aktivitäten von "Jugend Rettet" ermittelt. Weltweit berichteten Medien kontrovers über die Festsetzung des Schiffes, die Vorwürfe und die Arbeit des Vereins. Die Besatzungsmitglieder weisen die Vorwürfe von sich. Zwei gegensätzliche Versionen über die Arbeit von "Jugend Rettet" sind in der Welt. Der "Spiegel" veröffentlichte in seiner Ausgabe vom 22. Januar 2018 nach eigener Recherche einen Bericht über Geschehnisse und kommt zu der Einschätzung: "Die Belege (die "Jugend Rettet" für ihre Darstellung der Ereignisse dem "Spiegel" vorgelegt hat) lassen an den Behauptungen der italienischen Behörden erhebliche Zweifel aufkommen."

Ohne Klage beschlagnahmt
Die freiwilligen Helfer von "Jugend Rettet" sind weiterhin in einer juristischen Auseinandersetzung mit den italienischen Behörden, um das Schiff zurück zu erhalten. Am 24. April 2018 wies das oberste Gericht in Italien jedoch die Aufhebung des Beschlusses zur Beschlagnahmung ab, obwohl bis heute keine Klage gegen die Organisation oder einen ihrer Repräsentanten erhoben worden ist. Deshalb ist es für die Berliner Hilfsorganisation fast unmöglich, ihre Arbeit fortzusetzen.

© ZDF, Michele Cinque_Cesar Dezfuli
Auf der Suche nach Möglichkeiten
Der Filmemacher Michele Cinque hatte vor zwei Jahren von der ersten Mission der NGO "Jugend Rettet" erfahren und war mit den Mitgliedern in See gestochen. Er hat mehrere Missionen 2016 und 2017 bis zur Konfiszierung des Schiffs mit der Kamera beobachtet und einzelne Team-Mitglieder auch vorher und nachher in Berlin, auf Lampedusa und auf Malta begleitet. Aus dem umfangreichen Material entstand das Bild einer Gruppe engagierter junger Leute, die aus Empörung über das Schicksal von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer ihr gewohntes Leben aussetzten, um sich einer für vordringlich erachteten Aufgabe zu widmen, die ihrer Meinung nach von den europäischen Regierungen ignoriert wurde.

Mit der konkreten Erfahrung der Rettung von Flüchtlingen aus Seenot und mit dem Verlauf der öffentlichen Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika in Europa begann allerdings innerhalb der Organisation ein auch selbstkritischer Reflexionsprozess über Sinn und Nutzen ihrer Aktionen. Während "Jugend Rettet" für die Freigabe des Schiffes kämpft, erkannten die Aktivisten, dass sich die Rahmenbedingungen auf dem Mittelmeer durch Maßnahmen der europäischen Staaten zur Verhinderung von Überfahrten weiterer Flüchtlinge verändert haben.

Wichtiger Beitrag, die Situation neu sehen zu lernen
In seinem packenden Dokumentarfilm, einer ZDF/3sat-Koproduktion, gelingt es dem Autor, das ungewöhnliche, spontane Engagement der Gründer von "Jugend Rettet" zu vermitteln. Er zeigt aber auch deren Unerfahrenheit und, auf welche Grenzen sie gestoßen sind. Michele Cinque ist ein junger talentierter italienischer Regisseur, der drei Dokumentarfilme realisierte, bis er für den italienischen Fernsehsender RAI in Südamerika arbeitete. Seine Filme sind auf Festivals in Italien gezeigt und ausgezeichnet worden. "Iuventa" ist seine erste internationale Produktion.

"Ein Film wie 'Iuventa' leistet einen wichtigen Beitrag, die Situation neu sehen zu lernen", schreibt Siliva Bahl im Netzportal "Filmdienst": "Vielleicht gelingt dem Film, was den jungen Aktivisten von 'Jugend rettet' (bislang) schmerzhaft versagt geblieben ist: den politischen Handlungsträgern, aber auch der Gesellschaft ein umfangreicheres Bild der Situation rund ums Mittelmeer zu vermitteln. Denn nur ein Bewusstsein, das sowohl die Vielschichtigkeit der Perspektiven wie auch die unmittelbare Gefährdung des Lebens in den Blick bekommt, wird letztlich etwas verändern können."

Sendedaten
Montag, 13. August 2018, 22.25 Uhr

Erstausstrahlung
Credits
Iuventa
Dokumentarfilm von Michele Cinque
Italien/Deutschland 2018
88 Minuten
Sendeplatz
Dokumentarfilmzeit
Montags um 22.25 Uhr
ZDF-Mediathek
© ZDFVideo-Beiträge über die Iuventa
ARD-Mediathek
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