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Video online ab 6.8.2018, 22.25 UhrVideo online ab 6.8.2018, 22.25 Uhr
Erwin - vom glücklosen in ein glückliches Leben
Das Haus der Solidarität
Das Haus über der Stadt liegt etwas heruntergekommen, aber erhaben am Waldrand in Brixen. Vierzig, fünfzig Menschen leben hier. Diebe, Obdachlose und Arbeitslose, Suchtkranke und ehemalige Flüchtlinge. Unbeaufsichtigt und freiwillig.
Der Film erzählt die Geschichte eines einzigartigen und freiwilligen Form des Zusammenlebens und der disziplinierten Selbstorganisation von Menschen, die üblicherweise durch das soziale Raster fallen: Diebe, Obdachlose und Arbeitslose, Suchtkranke und ehemalige Flüchtlinge.
Unbeaufsichtigt, nur am Tag betreut von drei Mitarbeitern, einer Sozialarbeiterin und zwei Quereinsteigern ohne soziale Ausbildung. Und freiwillig, jeder einzelne der Bewohner könnte juristisch betrachtet jederzeit gehen und woanders leben.

Platz für Gestrandete und Ausgestoßene
© ORF/Elemagpictures Sumi findet hier Kraft für ein neues Leben
Sumi findet hier Kraft für ein neues Leben
Erwin, fast 70, saß immer wieder viele Jahre im Gefängnis. Schon als Kind ungewollt und misshandelt, später selbst gewalttätig, alkoholkrank, verkrüppelt. Seiner glücklosen Kindheit folgte ein glückloses Leben: Bis Erwin vor zwei Jahren ins "Haus der Solidarität" in Südtirol zog.
Sumi ist eine bildschöne junge Frau Ende 20, deren einzige Flucht vor ihrem ihr nachstellenden Freund das Frauenhaus war: bis sie im "Haus der Solidarität" Mut und Kraft fand, sich ein eigenes Leben aufzubauen.
Ouzman musste als politischer Flüchtling seine Familie in Afrika zurücklassen und hat anfangs in Europa sehr unter Einsamkeit gelitten, im "Haus der Solidarität" fand er eine unterstützende Gemeinschaft.
Erwin, Sumi und Ouzman sind nur drei jener Menschen, die selten einen Platz in der Gesellschaft finden und eigentlich fast immer in irgendeiner Form als problematisch, manchmal sogar ganz und gar als unerwünscht gelten.

Eigenverantwortung und Selbstorganisation
© ORF/Elemagpictures Gelungenes Integrationsprojekt - das "Haus der Solidarität"
Gelungenes Integrationsprojekt - das "Haus der Solidarität"
Die Bewohner im "Haus der Solidarität" zahlen eine bescheidene Miete und arbeiten mit beim gemeinsamen Kochen, Putzen, Einkaufen und im Garten. Das Zusammenleben wird in Eigenverantwortung und Selbstorganisation gestaltet, niemand kann sich dem entziehen. Das Haus ist für sie eine vorübergehende Bleibe, meistens für ein Jahr, bis sie es wieder zurück ins normale Leben schaffen. Einige wenige bleiben länger und werden dann zu so etwas wie Fixsterne in diesem bunten menschlichen Kosmos.

Das kann nicht gutgehen, sagten sich die besorgten Anrainer vor mehr als zehn Jahren, als das Projekt startete, doch sie irrten. In Brixen ist ein beeindruckendes soziales Experiment gelungen, das Impulse geben kann für die großen Fragen wie die der Integration der verschiedensten Menschen in unserer Gesellschaft. Der Weg dahin ist alles andere als einfach, die Hausbewohner und die Mitarbeiter spüren mitunter tagtäglich die Herausforderungen.
Als dann noch der Umzug in ein neues Gebäude ansteht, können nicht alle mit. Plötzlich ist es wieder da, das Gefühl, ausgestoßen zu sein, so wird der Umzug für alle zur Zerreißprobe.

Der Dokumentarfilm taucht tief in die Geschichten der Bewohner ein und folgt ihnen auf leisen Spuren durch Monate ihres gemeinsamen Lebens und versucht so, modellhaft ein Bild unserer Gesellschaft zu zeichnen, indem er denen folgt, die den gängigen sozialen Mustern nicht entsprechen.

Sendedaten
Montag, 6. August 2018
um 22.25 Uhr
Dolby Digital 5.1, 16:9 LB, Videotext-UT
Credits
Dokumentarfilm von Andreas Pichler, Italien/Österreich 2017
Sendeplatz
Dokumentarfilmzeit
Montags um 22.25 Uhr
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