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Video online ab 17.4.2018, 22.25 UhrVideo online ab 17.4.2018, 22.25 Uhr
Allein in der Fremde ist das Heimweh oft groß - aber auch die Hoffnung auf Heilung durch österreichische Ärzte
Kleine Helden - Zwischen Hoffnung und Heimweh
Die Hilfsorganisation "Allianz für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten" bringt jährlich mehr als 60 schwer kranke Kinder im Alter zwischen einem Monat und 16 Jahren, die nach genauen Kriterien ausgesucht werden, nach Österreich. Hier erhalten sie lebensrettende medizinische Versorgung, die sich ihre unterhalb der Armutsgrenze lebenden Familien in Herkunftsländern wie Albanien nicht leisten können. Ohne entsprechende Behandlung wären diese Kinder in ihrer Heimat zum Sterben verurteilt.
Die österreichische Regisseurin Marion Priglinger begleitet in ihrem Dokumentarfilm "Kleine Helden - Zwischen Hoffnung und Heimweh" drei albanische Kinder auf ihrer lebensverändernden Reise in ein unbekanntes Land. Mit viel Empathie, behutsam und respektvoll, filmt sie eine Welt voller Hoffnung und Heimweh, in der Kinder wie Helfer immer wieder an Grenzen stoßen. Sie zeigt aber auch eindrucksvoll das große Vertrauen, das diese Eltern und Kinder in das österreichische Medizin- und Sozialsystem haben. Priglingers Film wirft daher auch die Frage auf, ob es unserer Gesellschaft gelingt, diese Errungenschaften würdevoll zu teilen.

Kinderschicksale mitten in Europa
Florenc ist 14 Jahre alt, Viola erst sieben und Aidan gar noch ein Baby. Was ihnen gemeinsam ist: Sie kommen aus Albanien, einem der ärmsten Länder Europas, und leiden an komplizierten körperlichen Missbildungen. Wegen der mangelnden medizinischen Versorgung in ihrer Heimat und der großen Armut der Eltern ist es unmöglich, die Kinder dort zu behandeln. Politische Unruhen, Korruption und hohe Arbeitslosigkeit setzen den Menschen des Landes bis heute schwer zu. Um wenigstens den Kindern eine Chance auf Heilung zu ermöglichen, bringt die österreichische NGO "Allianz für Kinder" jedes Jahr 30 bis 50 dieser Kinder nach Österreich, wo sie von engagierten Ärztinnen, Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern medizinisch betreut werden. Das Gelingen der humanitären Hilfsaktion ist für sie die vielleicht einzige Chance auf ein Leben ohne körperliche Beeinträchtigung.

Florenc (14 Jahre) wusste vor der Reise nicht, was auf ihn zukommt - im Orthopädischen Spital Wien Speising kümmert man sich um ihn  © ORF/Geyrhalter Film Florenc (14 Jahre) wusste vor der Reise nicht, was auf ihn zukommt - im Orthopädischen Spital Wien Speising kümmert man sich um ihn
Viola (7 Jahre) liegt mit Luna im Krankenhausbett und telefoniert mit ihrer Mutter in Albanien, Landeskrankenhaus Steyr © ORF/Geyrhalter Film Viola (7 Jahre) liegt mit Luna im Krankenhausbett und telefoniert mit ihrer Mutter in Albanien, Landeskrankenhaus Steyr
Aidan (7 Monate) hat eine Gaumenspalte - im Kepler Universitätsklinikum Linz sucht man nach einer Behandlungsmöglichkeit © ORF/Geyrhalter Film Aidan (7 Monate) hat eine Gaumenspalte - im Kepler Universitätsklinikum Linz sucht man nach einer Behandlungsmöglichkeit

Zu Beginn ihrer Reise haben die Kinder meist keine Vorstellung von Österreich oder dem, was sie dort im Spital erwartet. So wurde etwa Florenc im Vorhinein von den Eltern nicht mitgeteilt, dass es geplant ist, seine Knochenwucherung am Bein zu operieren. Als er im Krankenhaus davon erfährt, ist nicht nur die Überraschung groß, sondern auch die Angst. In Albanien wurde dem 14-jährigen, der wegen seiner Schmerzen kaum mehr zur Schule gehen kann, von den Ärzten Schlimmstes prophezeit: "Mal hieß es, das Bein muss amputiert werden, dann wieder, du wirst nach einer Operation nicht mehr gehen können. Jeder Arzt hat etwas anderes gesagt."

Lange Zeit bei Gastfamilien
Die siebenjährige Viola lebt als jüngstes Kind einer Großfamilie, nahe der ehemaligen Industriestadt Elbasan, in einem viel zu kleinen Haus, ohne Heizung und ohne Küche. Die Menschen der Region sind in den vergangenen Jahren verarmt, denn mit der Schließung des staatlichen Stahlwerks verloren viele Familien ihr Einkommen. Warum Viola ihr Bein nicht ausstrecken kann, konnten sich die Ärzte in Albanien nicht erklären. Ihre Freude darüber, endlich nach Österreich zu kommen und behandelt zu werden, war daher anfangs groß. Unerwartet schwierig jedoch gestalten sich die ersten Tage und Wochen im Spital, denn die Suche nach einer Diagnose stellt auch die Ärzte hier vor Herausforderungen. Seither verbringt Viola viele Wochen nur mit Warten, während ihre Zimmerkollegin bereits dreimal operiert wurde.

Aidan, der kleinste Patient aus Albanien, kam mit einer Gaumenspalte zur Welt. In der Schwangerschaft haben seine Eltern bereits nach einer medizinischen Lösung gesucht, wie der Vater, ein junger Englischlehrer, berichtet: "Die Ärzte sagten, unser Sohn bräuchte eine Prothese oder einen Kleber an der Lippe." Aidan scheint sich nach der Reise rasch bei den ehrenamtlichen Gasteltern eingewöhnt zu haben. Sie verstehen es gut, dem Baby vor und nach der Operation die Zuneigung und Liebe zu geben, die ein Kind in dieser schwierigen Phase dringend braucht.

Sendedaten
Dienstag, 17. April 2018
um 22.25 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Dokumentarfilm von Marion Priglinger, Österreich 2017