© S.U.M.O. Film, Markus Winterbauer
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Leola (links) und Lisa haben ihren Sohn und Bruder vor Jahren durch Schüsse von einem Bekannten von ihm nach einem Streit verloren. Noch immer lässt ihnen die Tat keine Ruhe, da der Täter den Mord nicht zugibt und den Kontakt für ein Gespräch verweigert, zu dem sie bereit wären.
Beyond Punishment
Drei Tötungsdelikte, drei Länder, drei Strafsysteme: Regisseur Hubertus Siegert trifft in den USA, in Norwegen und Deutschland Täter sowie Opferangehörige und stellt die Frage nach Vergebung. "Beyond Punishment" ist Siegerts dritter Kinodokumentarfilm und wurde mit dem Max-Ophüls-Preis und dem Deutschen Regiepreis Metropolis ausgezeichnet.
Stiva und Erik leben in Norwegen. Stiva hat Eriks 16-jährige Tochter Ingrid-Elisabeth aus Eifersucht getötet und kehrt nach wenigen Jahren Gefängnis zurück in den kleinen Ort, in die Nachbarschaft der Familie der Getöteten. Lisa und Leola sind in den USA, in der New Yorker Bronx, zu Hause. Sie warten seit inzwischen elf Jahren darauf, dass der zu 40 Jahren Gefängnis verurteilte Sean zugibt, ihren Bruder und Sohn im Zorn getötet zu haben. Patrick lebt in Deutschland. Sein Vater Gero von Braunmühl, ein hoher Beamter im Außenministerium, wurde 1986 von der linksmilitanten RAF-Gruppe (Rote Armee Fraktion) getötet. Es gibt ein Bekennerschreiben, doch die Täter bleiben weiterhin unbekannt. Gleichwohl wird Patrick im Film ein Gegenüber finden: Manfred, einen anderen Mann, der im Namen der RAF getötet hat.

Liegt in "Restorative Justice" eine Chance?
In allen Fällen begleitet der Film die Protagonisten über einen längeren Zeitraum, geleitet von der Frage, ob der Schmerz über den Verlust geringer wird, wenn nicht Vergeltung und Strafe ihr Verhältnis bestimmt, sondern die Bereitschaft zu einer, wenn auch indirekten, Begegnung. Dabei orientiert sich Regisseur Hubertus Siegert am Konzept der "Restorative Justice", das davon ausgeht, dass es hilfreich sei, die andere Seite zu verstehen, also auf Opferseite zu erfahren, was den anderen bewogen hat, die Tat zu begehen. Oft wird behauptet, dass eine tatsächliche Begegnung zwischen den beteiligten Menschen machbar und hilfreich sei. Liegt darin tatsächlich eine Chance?

Hubertus Siegert über seinen Film: "In Hinblick auf den modernen Strafvollzug beschäftigt mich der Umgang mit der emotionalen Seite, mit jenem tief sitzenden Schmerz und Hass, den ich unter der Oberfläche spüre und beobachte, wenn ich ein Gefängnis besuche oder ein Strafurteil lese. In 'Beyond Punishment' interessieren mich all jene Gefühle und Bedürfnisse, die im modernen Justizapparat und Strafvollzug keinen ausreichenden Raum haben."

Sendedaten
Montag, 3. April 2017, 22.30 Uhr

Erstausstrahlung
Credits
Beyond Punishment
Dokumentarfilm von Hubertus Siegert
Deutschland 2014
99 Minuten
Redaktion ZDF/3sat: Udo Bremer
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"Was bedeutet Strafe bei Mord?"
Interview mit Filmemacher Hubertus Siegert
ZDF-Mediathek
Markus Lanz vom 29. März 2017
Patrick von Braunmühl, Protagonist aus "Beyond Punishment", spricht in der Talkshow über den Film und das Attentat auf seinen Vater (ab Min. 46:55)
Sendereihe
Dokumentarfilmzeit
Montags um 22.25 Uhr