© Börres Weiffenbach
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Jagd und Fischfang sichern den Wayúu ihr "gutes Leben", doch der Kohleabbau der Mine frisst sich immer näher an ihr Dorf Tamaquito heran.
La Buena Vida - Das gute Leben
Eine Dorfgemeinschaft aus dem indigenen Volk der Wayúu im kolumbianischen Regenwald widersetzt sich der Umsiedlung für den größten Kohletagebau der Welt. Die Kohle wird für Kraftwerke in Europa gebraucht. - Filmemacher Jens Schanze erzählt in seinem vielfach preisgekrönten Dokumentarfilm die Geschichte des Dorfes Tamaquito, das in den Sog der Globalisierung gerät.
Jairo Fuentes, der junge Anführer der Wayúu-Gemeinschaft Tamaquito, lebt in den Wäldern im Norden Kolumbiens. Bisher gab die Natur den Menschen hier alles, was sie zum Leben brauchten. Doch die gewaltige Cerrejón-Mine, mit 700 Quadratkilometern der größte Kohletagebau der Welt, rückt Tag für Tag näher an Tamaquito heran. Die Steinkohle ist für Europa bestimmt. In Deutschland, Holland und Großbritannien produzieren die Kohlekraftwerke damit den Strom, der dort den Wohlstand sichert. Jairo und seine Leute müssen ihr Dorf in den Bergen aufgeben und ihr natürliches, "gutes" Leben hinter sich lassen. In Zukunft hat das Leben für sie einen Preis, der mit Geld zu bezahlen ist.

Der Film erzählt vom Widerstand der Dorfgemeinschaft von Tamaquito, ihrer letztlich nicht zu verhindernden Umsiedlung und den unerfüllten Versprechungen der Konzernvertreter für ihr neues, "modernes" Leben. Um die Folgen der Umsiedlung für sie kümmern sich weder die Stromkonsumenten in Europa noch die Aktionäre der Cerrejón-Mine, die ihren Gewinn steigern können.

Eine Dorfgemeinschaft will sich nicht alles gefallen lassen
Der renommierte Dokumentarfilmer Jens Schanze, der für seine Werke schon zahlreiche Auszeichnungen wie den Adolf-Grimme-Preis und den Bayerischen Filmpreis erhielt, hat mit "Otzenrather Sprung" (2001) schon einmal eine Dorfumsiedlung, damals im rheinischen Braunkohlerevier, filmisch begleitet. Mit "La Buena Vida - Das gute Leben" zeichnet er nun das berührende Porträt einer indigenen Dorfgemeinschaft, die entschlossen ist, sich nicht alles gefallen zu lassen, was ihr der Kohlekonzern diktieren will. Schanze verzichtet dabei auf jeglichen wertenden Kommentar oder Interviews, lässt vielmehr seine Bilder und seine Protagonisten sprechen. Dadurch werden die Szenen für den Betrachter eindringlich erlebbar und nachempfindbar.

Und so ist "La Buena Vida - Das gute Leben" nicht nur das Dokument eines Betrugs - schließlich werden die Bewohner von Tamaquito unter falschen Versprechungen aus ihrem Dorf fortgelockt -, sondern auch eine Verneigung vor einer starken Gemeinschaft, die sich um keinen Preis der Welt ihre Integrität abkaufen lässt.

Der Film wurde auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals gezeigt und vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Grand Prix beim 14. Danziger Dokumentarfilmfestival, dem Bayerischen Filmpreis 2015, dem Dekalog-Filmpreis der Guardini Stiftung sowie als bester Dokumentarfilm beim 14. Boston Latino International Film Festival (ex aequo). Außerdem erhielt der Film das "Prädikat besonders wertvoll", den Preis für den besten langen Dokumentarfilm beim Golden Tree International Documentary Film Festival in Frankfurt am Main und den renommierten Geisendörfer-Preis in der Kategorie Fernsehen.

Sendedaten
Mittwoch, 15. November 2017, 1.55 Uhr
(Nacht Mi/Do)
Credits
La Buena Vida - Das gute Leben
Dokumentarfilm von Jens Schanze
Deutschland/Schweiz 2015
92 Minuten
Redaktion: Margrit Schreiber, Udo Bremer
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