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© Johannes Praus Lupe
Regisseur Daniel Abma, 1978 in den Niederlanden geboren, hat auch Erfahrung als Medienpädagoge in einer JVA.
"Imo ist der perfekte Protagonist"
Interview mit Filmemacher Daniel Abma
Daniel Abma studiert Regie mit Schwerpunkt Dokumentarfilm an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf". Im Mittelpunkt seines Films "Vorwärtsgang" für die Reihe "Ab 18!" steht der junge Erwachsene Imo, den er von 2009 bis 2012 begleitet hat.

"Vorwärtsgang" ist die Auskopplung eines Erzählstranges Ihres Kino-Dokumentarfilms "Nach Wriezen", der drei junge Männer nach deren Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt begleitet. Wie entstand die Idee, einen Film über die Resozialisierung jugendlicher Straftäter zu drehen?

Ich habe selber in der JVA gearbeitet als Medienpädagoge, ich habe dort Videoprojekte mit Jugendlichen gemacht. Die jungen Männer in meiner Gruppe waren wirklich offen und freundlich, hatten einen Beruf gelernt im Gefängnis, hatten Pläne und Ziele – kurz gesagt: Ich war sicher, dass sie alle es schaffen würden, einen guten Anschluss zu finden in der Gesellschaft. Aber jedes Mal, wenn jemand entlassen wurde, erzählten mir die Mitarbeiter der JVA: "Na ja, der wird in einem halben Jahr wieder hier zurück sein." Das fand ich eine recht negative Einstellung – und wollte es nicht glauben. Die Statistiken mit Rückfallquoten zeigten aber, dass es stimmt. Dann kam die Idee, mit der Kamera festzuhalten, wie dieser Übergang in die Gesellschaft wirklich verläuft, die Resozialisierung zu beobachten und so vielleicht auch herauszufinden, warum es so oft schiefgeht.

Wie haben Sie Imo davon überzeugt, Teil Ihres Filmprojektes zu werden?

Das war gar nicht schwierig, weil ich ihn schon seit etwa zwei Jahren durch meine Arbeit in der JVA kannte und wir deshalb bereits eine Beziehung zueinander hatten. Als ich ihn nach den ersten Probeaufnahmen im Knast fragte, ob ich seine Entlassung und die Zeit danach filmen darf, hat er sofort eingestimmt. Natürlich konnten wir beiden nicht ahnen, was das konkret bedeuten würde. Letztendlich haben wir ihn fast drei Jahre seines Lebens begleitet. Dass es so lange gehen würde und auch so intensiv war, hatten wir beide vorher nicht erwartet.

Was hat Sie daran gereizt, Imo im Rahmen der Reihe "Ab 18!" ein Einzelporträt zu widmen?

Imo ist der perfekte Protagonist für einen Dokumentarfilm. Man kann ihm jede Emotion von seinem Gesicht ablesen, und er war uns gegenüber immer sehr ehrlich und offen. Auch sind jedes Mal, wenn wir bei ihm angekommen sind zum Drehen, wieder spannende und verrückte Sachen passiert – ideal für ein Filmteam! Nachdem wir etwa ein Jahr mit ihm gefilmt hatten und die Beziehung zwischen uns immer stärker und vertrauter wurde, hat Imo uns auch zugelassen bei unangenehmen oder schwierigen Momenten. Er vertraut uns. Dass seine Geschichte so beeindruckend wurde, konnten wir vorher nicht ahnen.

Sie haben Imo in einer schwierigen Phase begleitet. Wie war seine Reaktion auf den fertigen Film?

Ich habe den Film Imo und seiner Freundin Steffi gemeinsam gezeigt. Das war für die beiden einerseits sehr schön, es wurde viel gelacht, und gute und schöne Erinnerungen kamen hoch. Anderseits war es selbstverständlich sehr traurig für beide. Es findet in dem Film ein großer Eingriff in ihr Privatleben statt, und alle unangenehmen Erinnerungen und Gefühle von damals kamen durch das Anschauen des Films wieder hoch. Das war eine harte Konfrontation, sie haben aber zum Glück Rückhalt aneinander, schauen vorwärts und machen Pläne für die Zukunft.

Die Fragen stellte Malin Koch.


Schwerpunkt
Dokumentarfilmreihe Ab 18!
5. bis 7. Oktober 2014
Mehr zum Thema
Ab 18! - Vorwärtsgang
Dienstag, 7. Oktober, 22.25 Uhr
Erstausstrahlung