© SRF/fair & Ugly filmproduktion GmbH/Ulrich Grossenbacher
Messies
Ein schönes Chaos
Messies - eine Gratwanderung zwischen Genialität und Überforderung. Beherrschen sie das Chaos oder beherrscht das Chaos sie? In den Medien werden sie oft als zugemüllte Randständige dargestellt. Doch was ist normal, was krankhaft? Ein intimer Blick auf ein irritierendes wie faszinierendes Phänomen.
Ihre Wohnungen platzen aus allen Nähten. Kaum ein Zentimeter ist mehr frei und doch können sie sich von nichts trennen - sogenannte Messies. Wie wird man zum Messie? Kann man mit einem zwanghaften Chaoten die Wohnung teilen und gibt es Auswege aus dem Sammelwahn?

Wie fleißige Ameisen tragen sie immer neue Berge von Krimskrams zusammen. Familie und Freunde wenden sich nicht selten von den sammelwütigen Zeitgenossen ab, die Nachbarn ärgern sich. Aus Scham lassen Betroffene oft jahrelang niemanden mehr in ihre überfüllten Behausungen.

"Messies" sind Menschen, die aus einem Zwang heraus nichts wegwerfen können und alle möglichen Dinge sammeln. Ihre Wohnung und Häuser sind das reinste Chaos, sie treiben Angehörige und Nachbarn in den Wahnsinn. Sie entwickeln eine Leidenschaft für Dinge, die so stark ist, dass sie allmählich den Bezug zur Normalität verlieren. Durch das maßlose Überschätzen ihrer räumlichen und zeitlichen Möglichkeiten drohen sie unter Bergen von angeschlepptem Material unterzugehen. Die Öffentlichkeit spottet über ihr Horten von scheinbar wertlosem Material. In einem der saubersten und ordentlichsten Länder der Welt führen solche chaotischen Ansammlungen schnell zu sozialer Isolation.

Menschen, die ihrer eigenen Ordnungslogik folgen
Ein innerer Drang zwingt sie, auf diese Art zu leben. Sie finden sich bestens in ihrem Chaos zurecht. Doch Konflikte mit der Umwelt sind programmiert. Die "Messies" stehen in ständiger Spannung zwischen persönlichem Sammlerglück und ihrem Ringen um Anerkennung in der Gesellschaft. Was ist normal, was ist krankhaft?

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Arthur, ein lediger Bauer, bewohnt sein "Heimetli" auf seine Art. Nicht Geranien sind sein Stolz, sondern verrostende Traktoren, Bagger, Autos und Lastwagen. Seine Passion für schweres Gerät hält die Gemeindeverwaltung seit Jahren auf Trab.

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Elmira legt in ihrer Wohnung enorme Gelenkigkeit an den Tag. Meterhoch türmen sich die zu überquerenden Zeitungs- und Kassettenstapel, keine Kultursendung darf unaufgenommen bleiben.

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Karl und Trudi bewohnen ein großes Bauernhaus. Einer der letzten passierbaren Räume ist die Küche. Trudi beklagt das verlorene Sozialleben, nicht einmal mehr die eigenen Kinder besuchen sie. Ihr Ultimatum: Entweder schafft Karl Platz, oder sie zieht aus.

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Der Tüftler Thomas baut aus Schrott sinnige Apparate. Seine Werkstatt ist so übervoll wie seine Pläne.

Ulrich Grossenbacher versteht es, sich mit Respekt und visueller Poesie den Hauptpersonen zu nähern. Die dabei entstehende Situationskomik bringt den Zuschauer zwar zum Lachen, aber nie auf Kosten der Protagonisten.

Sendedaten
20. Juni 2017, um 22.25 Uhr
Credits
Regie: Ulrich Grossenbacher
Schweiz 2010

Etwa zwei Prozent der Schweizer Bevölkerung gelten als krankhafte "Messies". Der Filmautor begegnete vier Menschen, die mit ihrem Problem auf unterschiedliche Weise umgehen.
Themenwoche
19. bis 23. Juni 2017
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