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© ORF/Fischer Film Lupe
Einer von Joschis Stars: Karl Maria Brandauer
Joschi und die Stars
Ein Roadmovie
Für die einen ist Film das große Geschäft; für andere die große Kunst; und für wieder andere: das große Warten. Letzteres gilt vor allem für jene, die Film als Arbeitsalltag erleben. Joschi ist einer von ihnen. Joschi, der Filmfahrer; ein Mann den jeder und jede kennt in der heimischen Branche.
Er holt die Stars vom Flughafen ab, bringt sie zum Set, nach Drehschluss zum Hotel, am letzten Drehtag wieder zum Flughafen. Er hat Kontakt zu den Regisseuren und wird gerufen, wenn es gilt, die Schauspieler rechtzeitig zur Filmpremiere am roten Teppich abzuliefern.

Joschi und die Oscar-Preisträger
Stefan Ruzowitzky © ORF/Fischer FilmLupeStefan Ruzowitzky
Michael Haneke © ORF/Fischer FilmLupeMichael Haneke
Karl Markovics © ORF/Fischer FilmLupeKarl Markovics

Und dazwischen: warten, warten, warten - Zeit, sich Gedanken zu machen über dieses eigenartige Metier, das ständig changiert zwischen harter Arbeit und "Jahrmarkt der Eitelkeiten".

Joschi und die Comedy-Stars
Robert Palfrader © ORF/Fischer FilmLupeRobert Palfrader
Christoph Grissemann, Dirk Stermann © ORF/Fischer FilmLupeChristoph Grissemann, Dirk Stermann
"Frau Kottan" Bibiane Zeller © ORF/Fischer FilmLupe"Frau Kottan" Bibiane Zeller

Die Dokumentation begleitet Joschi über einen längeren Zeitraum, von den Dreharbeiten zu einer größeren Filmproduktion bis zu deren Premiere. Der Fahrer entwickelt dabei seine Sicht auf dieses konkrete Projekt, aber auch auf die Szene überhaupt. Aus den "G'schichterln" entwickeln sich Geschichten, aus den Geschichten eine - ganz subjektive - Geschichte des österreichischen Films.

Anlaufstelle für Stars
ORF-Kulturchef Martin Traxl: "Sie vertrauen ihm alle, sie legen ihm gleichermaßen ihr Leben in die Hände, ohne ihn gibt es kein Fortkommen in der Branche: Joschi Deininger ist Anlaufstelle für die Stars, Ansprechpartner für ihre Sorgen und ihre Freude, vor allem aber ist er eine Informationsdrehscheibe, was dieser Film sehr anschaulich zeigt. Entstanden ist eine ganz andere Annäherung an die österreichische Filmszene",

Projekt anfangs nicht ernst genommen
© ORF/Fischer Film Lupe
Und wieder einmal heißt es warten: dieses Mal auf Christiane Hörbiger!
"Die Idee zu diesem Film entstand 2007, doch es hat bis 2010 gedauert, Joschi zu überzeugen", erzählt Produzent Markus Fischer. "Wir brauchten oft Monate, um einen Gesprächstermin zustande zu bringen, denn oft war der einzige Ausweg, ihn für eine Fahrt zu buchen und bei der Gelegenheit das Projekt weiterzutreiben."

Eine Erklärung dazu liefert der Titelheld gleich selbst ab: "Am Anfang habe ich das Ganze nicht ernst genommen", gibt Joschi Deininger zu. "Aber dadurch, dass mich alle dazu ermutigt haben, habe ich es dann gemacht". Mit dem Ergebnis zeigt sich der bescheidene Filmfahrer, der, wie er selbst sagt, für viele Künstler auch Beichtvater ist, sehr zufrieden. "Ich bedanke mich bei allen, die mitgemacht haben, dass mir mit ihrer Hilfe etwas gelungen ist, das selbst Franz Antel nicht geschafft hat: und zwar so viele Schauspieler kostenlos vor die Kamera zu bekommen", so Deininger.

Stammgast Erni Mangold
© ORF/Fischer Film Lupe
Kammerschauspielerin Erni Mangold
Als eine seiner Stamm-Beifahrerinnen hat auch Erni Mangold das Doku-Projekt sehr unterstützt: "Joschi hat uns heimlich alle gefragt, was wir davon halten, wenn er da mitmacht. Und es haben alle - weil sie dich mögen (in Richtung Joschi) - gesagt: selbstverständlich! Für dich machen wir das." Offensichtlich scheute keiner der angesprochenen Stars davor zurück, vor die Kameras in Joschis Taxi zu steigen - insgesamt 14 Künstler lässt Regisseur Wolfgang Beyer im Film vorkommen. Bereiterklärt hatten sich jedoch weitaus mehr. Die überwältigende Sympathie für Joschi Deininger ist für Erni Mangold leicht erklärt: "Es ist sehr angenehm, wenn man sich gestreichelt fühlt, ohne es spüren zu müssen. Er rückt einem nicht auf die Pelle, und er dient sich auch nicht an. Joschi bleibt immer seine eigene Persönlichkeit - und das mögen alle. Außerdem ist er ein guter Zuhörer, man merkt bei ihm, dass er wirklich zuhört. Er ist sehr angenehmen und kommunikativ." Doch bei all dem Lob muss auch ein Tadel erwähnt sein: "Leider telefoniert er auch oft, das geht mir persönlich auf die Nerven", neckt Mangold ihren "Leibfahrer". "Ja, weil du dann nicht zu Wort kommst", ist dieser um keine augenzwinkernde Antwort verlegen.

Dass Joschi auch anders kann, weiß Autor und Regisseur Wolfgang Beyer: "Wenn Joschi grantig ist, ist nicht gut Kirschen essen mit ihm. Da ist er selbst die größte Diva." Zum Glück attestieren dem Filmemacher alle Beteiligten größte Sensibilität - ohne diese wäre ein solches Projekt gar nicht möglich gewesen.

Die Welt des Joschi D.
© ORF/Fischer Film Lupe
Tobias Moretti - noch mit Krücken nach seinem Unfall - und natürlich: Joschi
Auf der Suche nach dem idealen Beruf verdingte sich Josef Deininger Anfang der achtziger Jahre als Vertreter und Taxifahrer - und seit 1985 hat er sich immer mehr auf das Film- und Musikbusiness konzentriert. Den idealen Job, sagt er, habe er noch immer nicht gefunden, aber sein derzeitiger bietet zumindest jede Menge interessanter Begegnungen, die über das reine Chauffieren weit hinausgehen. Bei Erni Mangold bedeutete das beispielsweise ihren Papagei zu betreuen, während sie am Set arbeitete; im Fall von Tobias Moretti den Einbau eines Bettes, damit sich der Schauspieler während der langen Fahrten zum und vom Set ausruhen kann. Auch internationale Stars wie Christoph Waltz, John Malkovich und Isabelle Huppert hatte Joschi bereits in seinem Auto sitzen - und weiß auch darüber interessante Geschichten zu erzählen.

Über die Jahre ist der Filmfahrer für manche aber auch zu einer Art "Beichtvater" geworden, zu einem persönlichen Betreuer, dem sich viele gerne anvertrauen. Als etwa Tobias Moretti 2007 einen Motorradunfall hatte, wusste Joschi genauer über die Genesungsfortschritte des Schauspielstars Bescheid als sein Management. Er weiß, wann man Stars wie Christiane Hörbiger oder Klaus Maria Brandauer ansprechen kann und wann man es besser lassen sollte, er hat ein Gespür entwickelt für die Stimmungslagen von Regisseuren wie Michael Haneke und Götz Spielmann.

Sendedaten
Samstag, 9. Februar 2013
um 22.15 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Dokumentarfilm von Wolfgang Beyer nach einer Idee von Markus Fischer, Österreich 2012
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