© ZDF, Matthias Schellenberg, Daniela Knapp
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Peter (Stipe Erceg, links), seine Freundin Jule (Julia Jentsch) und ihr gemeinsamer Freund Jan (Daniel Brühl) verstehen sich als Berliner Großstadtrevolutionäre.
Die fetten Jahre sind vorbei
Jan und Peter finden, dass die Güter dieser Welt ungerecht verteilt sind. Die beiden Freunde haben ihren eigenen Weg gefunden, gegen das Establishment zu aufzubegehren. Sie brechen nachts in Villen ein - nicht, um zu klauen, sondern um das Mobiliar auf den Kopf zu stellen. - Hans Weingartners Film präsentiert auf mitreißende Weise die viel diskutierten Gegenwartsthemen Ungleichheit und Primat der Ökonomie.
Jan und Peter hinterlassen in den Villen Botschaften, die lauten: "Die fetten Jahre sind vorbei" oder "Sie haben zu viel Geld" - unterzeichnet mit "Die Erziehungsberechtigten". Jule, die eigentlich mit Peter liiert ist, und Jan verlieben sich ineinander. Im Überschwang der Gefühle steigen sie zu zweit in eine Villa ein und werden dabei vom Besitzer Hardenberg überrascht. Dafür haben die selbst ernannten Erziehungsberechtigten keinen Plan.

Sie schlagen Hardenberg nieder, rufen Peter zu Hilfe - und unversehens werden sie zu Entführern. Auf einer einsamen Berghütte tauchen die drei mit ihrem Opfer erst mal unter. Bei den Diskussionen über ihre Motive, ihre Ziele und ihre Lebensentwürfe nimmt die Konfrontation mit Hardenberg eine erstaunliche Wendung.

Wunsch nach einem freien, wilden Leben
Mit entwaffnender Ehrlichkeit trifft der Film den Nerv junger Leute mit ihrem Wunsch nach einem freien, wilden Leben nach dem Motto: Rebellion ist sexy! Der krassen Realität zwischen Geldmangel, politischem Aufbegehren, Verzweiflung und Verbrechen wird auf höchst emotionale Weise die erste Grenzüberschreitung in Sachen Liebe gegenübergestellt.

Der Film erzählt, was aus dem naiven, aber nachvollziehbaren Drang nach politischem Aufbegehren plus der verzwickten Verkettung von Umständen entstehen kann. Gerade diese Erzählhaltung, die auch politisch Unausgegorenes, nicht zu Ende Gedachtes mitdenken lässt, ist die Stärke des Films, der furios inszeniert sowie erfrischend und glänzend gespielt ist.

"Die fetten Jahre sind vorbei" war 2004 der erste deutsche Film, der nach elf Jahren bei den Filmfestspielen Cannes minutenlang mit Standing Ovations gefeiert wurde. Julia Jentsch wurde als beste Nachwuchsschauspielerin 2004 der Bayerische Filmpreis verliehen. 2005 folgte der Deutsche Filmpreis in Silber für den besten Spielfilm.

Sendedaten
Mittwoch, 11. April 2018, 22.35 Uhr
Credits
Die fetten Jahre sind vorbei
Spielfilm, Deutschland 2004
120 Minuten
Regie: Hans Weingartner
Mit Daniel Brühl (Jan), Julia Jentsch (Jule Bergmann), Stipe Erceg (Peter), Burghart Klaußner (Justus Hardenberg)
Themenwoche
Visionäre und Utopien
8. bis 14. April 2018