Chamissos Schatten
Die Beringsee: gigantische Flächen unberührter Natur, faszinierende Kulturen unterschiedlicher Ethnien, erlebbar in dem filmischen Logbuch "Chamissos Schatten" von Ulrike Ottinger. "Chamissos Schatten" dokumentiert die Reise der Filmemacherin nach Alaska und zu der Inselkette der Aleuten und entführt mit künstlerisch-ethnologischem Blick, angeregt von historischen Berichten berühmter Reisender, in eine andere Welt.
Ulrike Ottinger, bekannt als avantgardistische Filmemacherin, Malerin und Fotografin, führt den Zuschauer auf eine Erkundungsreise weit in den Norden, wo der eurasische und der amerikanische Kontinent aufeinanderstoßen.

Hier finden sich spektakuläre Meeres- und Vulkanlandschaften, hier besucht Ottinger Menschen, deren Ethnien und Kulturen von einer langen Geschichte kolonialer Zwänge geprägt sind, die aber dennoch Teile ihrer indigenen Sprache und ihres alten Wissens bewahrt haben. Und hier kollidieren die wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen der Einwohner und der globalen Politik.

Ulrike Ottingers filmisches Logbuch verbindet faszinierende Naturaufnahmen, Exkurse in die Geschichte der indigenen Völker, die sie besucht, und die Erzählungen der früheren Reisenden, zu denen man die Landschaften sieht, auf die sich ihre Schilderungen beziehen.

In Adelbert von Chamissos "Peter Schlehmils wundersame Geschichte" muss Schlehmil seinen Schatten wiederfinden, er muss zur Gegenwart die Vergangenheit hinzufügen, beides gehört untrennbar zusammen.

Ottinger, Jahrgang 1942, lebte eine Zeit lang als Malerin in München und Paris, bevor sie 1972 nach West-Berlin zog, wo sie zusammen mit der Schauspielerin und Szene-Künstlerin Tabea Blumenschein zahlreiche Filme in bizarr-surrealistischem Stil schuf, darunter "Bildnis einer Trinkerin" (1979) und "Freak Orlando" (1981). In späteren Dokumentar- und Spielfilmproduktionen widmete sie sich ihrer Leidenschaft für fremde Kulturen und bereiste unter anderem China ("China - die Künste - der Alltag", 1985), die Mongolei ("Taiga", 1992), Osteuropa ("Südostpassage", 2002), Korea ("Die koreanische Hochzeitstruhe", 2008) und Japan ("Unter Schnee", 2011).

Die Regisseurin wurde für ihre Fotografien und Filme mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und dokumentiert ihre Reisen in Ausstellungen mit Fotos, Filmen und Objekten.

Director's Statement - Ulrike Ottinger über "Chamissos Schatten"
  • "Was war – Was ist. Zwischen diesen zeitlichen Polen bewegten sich die Fragestellungen meiner Reise. Sie führten uns auch räumlich in ferne Gegenden, wohin der Wind, die Wellen, die Freundschaften mit Menschen uns leiteten. Die großen unbekannten Länder haben uns Vieles offenbart, aber Einiges blieb wie hinter einer dichten Nebelwand verborgen - tatsächlich ist die Beringsee mit ihren angrenzenden Küsten für ihre ausdauernden Nebel berühmt. Aus dem Gesammelten, Erfahrenen, Gesehenen und Gesprochenen habe ich versucht, wie bei dem dort verwendeten Feuermacher Funken zu schlagen, um diese ungewöhnliche und unbekannte Welt zu erhellen, sie filmisch festzuhalten.

    Wie alle Weltreisenden, so habe auch ich bei meinen Reisen zu Wasser und zu Lande ein Tagebuch geführt. Der Dramaturgie eines Logbuchs folgt auch der Film. Sie treten in einen vielschichtigen Dialog mit den literarisch formulierten, gleichwohl naturwissenschaftlich präzisen Erzählungen Adelbert von Chamissos und der an Dramatik nicht zu überbietenden Schilderung der Beringschen Expedition durch den ihn begleitenden Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller.

    Aus dem Logbuch der Imagination, das mich auf meiner Reise begleitete, und dem Logbuch der Wirklichkeit, auf die ich traf, wird so eine Neuschöpfung: eine räumliche, eine poetische, eine filmische Realität. Die Schriften meiner "Vorfahrer" lesen sich für mich daher wie Schauspiele einer Vergangenheit, die in der Gegenwart immer wieder aufgeführt werden, aber auch ins Repertoire des Vergessens versunken oder der unwiederbringlichen Zerstörung anheimgefallen sind."

Sendedaten
Montag, 31. Juli 2017, 22.25 Uhr

Erstausstrahlung

"Chamissos Schatten" hat insgesamt eine Dauer von zwölf Stunden. 3sat zeigt den ersten Teil des Films über Alaska und die Aleuten (183 Minuten).
Credits
Chamissos Schatten
Dokumentarfilm von Ulrike Ottinger
Deutschland 2016
Redaktion ZDF/3sat: Udo Bremer
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Sendeplatz
Dokumentarfilmzeit
Montags um 22.25 Uhr