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© ORF/Yellow Bird Pictures /Lotus Film/Meng-San Lin Video
Im Bild: Jimmy Taenaka (Ya Ru)
Der Chinese
Seine Bücher - darunter auch die beliebten Wallander-Krimis - wurden in 36 Sprachen übersetzt und sind in gut 100 Ländern erschienen. In der Verfilmung von Henning Mankells Weltbestseller "Der Chinese" dreht sich alles um einen Massenmord, eine Richterin und Tagebuchaufzeichnungen einer scheinbar vergangenen Zeit.
Inhalt:
An einem frostigen Jännertag macht die Polizei von Hudiksvall in Schweden eine grausige Entdeckung. In einem kleinen Dorf ist ein Massaker begangen worden, neunzehn Menschen wurden auf bestialische Weise getötet. Einzige Spur ist ein rotes Seidenband. Die Polizei vermutet die Tat eines Wahnsinnigen. Als Richterin Birgitta Roslin (Suzanne von Borsody) von der Tat liest, wird ihr sofort klar, dass ihre Eltern unter den Mordopfern sind. Und mehr noch: So gut wie alle Ermordeten tragen den Namen Andrén. Als Brigitta im Internet auf einen Mehrfachmord in den USA stößt, bei dem auch nur Andréns getötet wurden, ist ihr klar: Hier ist jemand davon besessen, eine Familie auszulöschen. Und Brigitta schwebt in größter Gefahr.

Birgitta (Suzanne von Borsody) sucht in den Straßen Kantons nach Antworten. © ORF/Yellow Bird Pictures /Lotus Film/Meng-San LinLupeBirgitta (Suzanne von Borsody) sucht in den Straßen Kantons nach Antworten.
Welche Rolle spielt die geheimnisvolle Qui Hong (Amy J. Cheng)? © ORF/Yellow Bird Pictures /Lotus Film/Meng-San LinLupeWelche Rolle spielt die geheimnisvolle Qui Hong (Amy J. Cheng)?

Sie ist überzeugt, dass die Polizei nicht den richtigen Täter verhaftet hat, also sucht sie auf eigene Faust den Verantwortlichen für das Massaker an ihrer Familie. Mehrere Spuren führen sie nach China. Aus Briefen und Tagebüchern eines längst verstorbenen Verwandten, der in Nevada zur Zeit des Eisenbahnbaus chinesische Arbeiter unterdrückt und misshandelt hat, wird ihr klar, dass hier ein Zusammenhang mit den Morden bestehen muss. In Kanton kommt es zu einem gefährlichen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Brigitta, dem Mörder ihrer Familie und einer geheimnisvollen Chinesin.

Preisgekröntes Produktionsteam
Der österreichische Regisseur Peter Keglevic ("Ken Folletts Eisfieber") wurde vom mehrfach preisgekrönten Kameramann Alexander Fischerkoesen unterstützt, der 2008 und 2010 den Adolf-Grimme-Preis für "Süden und der Luftgitarrist" und "Eine Stadt wird erpresst" erhielt und 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis "Beste Kamera" für "Die dunkle Seite" und "Tarragona" ausgezeichnet wurde. Für das Szenenbild zeichnete Christoph Kanter verantwortlich, der 2010 für seine Arbeit bei "Das weiße Band" den Deutschen Filmpreis erhielt. Bei "Der Chinese" verwandelte er nicht nur einen Weiler in Niederösterreich perfekt in das schwedische Dörfchen Hesjövallen, sondern transferierte auch den historischen Eisenbahnbau in Nevada an den österreichischen Drehort. Das Drehbuch nach der Romanvorlage schrieb das Vater-Tochter-Gespann Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer.

Suzanne von Borsody als Jägerin und Gejagte
© ORF/Yellow Bird Pictures /Lotus Film/Meng-San Lin Lupe
Richterin Birgitta Roslin verliert bei einem Massaker ihre ganze Familie
Die in München geborene Schauspielerin Suzanne von Borsody, die zuletzt in Osttirol unter der Regie von Sepp Vilsmaier für den aufwendig inszenierten ORF/ARD-Fernsehfilm "Der Meineidbauer" als Hauptfigur Anna vor der Kamera stand, schlüpft in die Rolle von Richterin Birgitta Roslin. Ihre Ehe mit Staffan (Michael Nyqvist) steht kurz vor der Scheidung, als sie durch das Massaker in Hejsövallen ihre ganze Familie verliert. Doch für Brigitta zählt nur eins: "Ich will Gerechtigkeit, das bin ich meinen Eltern schuldig!" Und so begibt sie sich selbst auf Verbrecherjagd. Ihre Ermittlungen führen sie dabei an die Grenzen des Erlaubten. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit - und da ist Brigitta nicht nur auf Verbrecherjagd, sondern auch selbst auf der Flucht, schließlich ist sie die einzige Überlebende ihrer Familie.

Ob eine so grauenvolle Szenerie nicht sogar in dem Bewusstsein, dass es sich um einen Filmdreh handelt, sehr nahe geht? "Man muss sich schon in die Situation hineinversetzen, darf das Geschehen aber auch nicht zu sehr an sich heranlassen. Sonst wird es filmisch langweilig. Es ist die Kunst, beides zu nutzen: Das Gefühl zuzulassen, aber es auch lenken zu können."

Suzanne von Borsody ist selbst ein großer Krimifan: "Bei Mankell finde ich toll, dass er immer politisch korrekt ist und jeder noch so bösen Figur einen Grund für das böse Handeln gibt - auch wenn er anzeigt und den Finger in die Wunde legt." Die Dreharbeiten führten das Team neben Schweden und Taiwan auch nach Österreich. Schließlich entstand u. a. das schwedische Dorf im niederösterreichischen Waldviertel. "Für mich als Schauspielerin ist die Arbeit in Österreich sehr angenehm. Die Österreicher sind höflich und charmant, und selbst, wenn etwas nicht geht, wird einem das mit Stil vermittelt. Es ist ein anderer Umgang mit der Kultur. Und das gefällt mir sehr", so von Borsody, deren Wurzeln auch nach Österreich reichen, kommt ihr Vater doch aus Wien.

Peter Keglevic: "Es ist kein Dokumentarfilm, es ist ein Film"
© ORF/Yellow Bird Pictures /Lotus Film/Meng-San Lin Lupe
Birgitta versucht auf eigene Faust die Hintergründe des Massakers aufzudecken - u.a. in Kanton bei Professor Lund (Joachim Bißmeier)
"Mankell weiß, dass Film eine eigene Sprache braucht und eigenen Gesetzen folgt, aber er verbittet es sich, dass die Sozialkomponente ausgeblendet wird und die Verfilmung nur zu einem spannenden Thriller wird. Denn er hat den Thriller geschrieben, weil er das andere erzählen will. Das sind seine Referenzen, die er behandelt haben will", beschreibt Regisseur Peter Keglevic die Zusammenarbeit mit Bestsellerautor Henning Mankell.

Mankell war es wichtig, dass die Verfilmung bestimmte Fakten - Afrika, China, Kolonialisierung und Todesstrafe - nicht außer Acht lässt. Denn neben dem starken Plot, der seinen Ausgang bei einem Massaker in einem schwedischen Dorf nimmt, erzählt dieser Thriller auch von dem dramatischen Wandel eines Jahrhunderte unterdrückten und ausgebeuteten Reiches: Auf den Trümmern des gescheiterten Maoismus wird China auf einmal zur wirtschaftlichen Supermacht, während im Inneren ein System politischer Unterdrückung herrscht.

Darüber hinaus waren der Kreativität des Produktionsteams aber keine Grenzen gesetzt. "Was Henning Mankell und auch uns besonders wichtig ist, ist die gesellschaftliche und politische Botschaft. Das ist der Motor der Geschichte, Action steht nicht im Vordergrund. Wir haben uns sehr genau an die Romanvorlage gehalten", so Keglevic, der sich selbst nicht als Krimifan bezeichnen würde. Doch ganze ohne Gewalt kommt die atmosphärisch dichte Filmadaption nicht aus: "Aber ich habe versucht, Mankell zu entschärfen. Es ist immer auch ein Für und Wider, ein Abwägen. Warum hat er das so geschrieben? Warum legt er so viel Wert darauf, dass das in einer derartigen Massivität und Brutalität, die noch ungleich stärker sind als in der Filmadaption, gezeigt wird? Wir zeigen das Resultat, bei ihm sind wir Zeuge der Vorkommnisse, der Schlächterei. Ich glaube, das braucht man, um die Balance herzustellen, warum etwas in einer derartigen Brutalität endet. Was muss vorher vorgefallen sein, damit Rache oder eine Reaktion so ungemein sein kann? Ich glaube, es braucht dieses Spiegelbild der Gewalt, das die Vergangenheit, um die es dann geht, beweist und belegt. Und: Es ist kein Dokumentarfilm, es ist ein Film. Es ist unverwechselbar, dass es kein Abbild der Wirklichkeit ist, sondern eine gestaltete Wirklichkeit. Das ist Kino, das ist Film und Fiktion, die auch als solche erkennbar und nicht verwechselbar mit einem authentischen Augenblick ist. Und es wirkt wie eine alte chinesische Legende - ein Signal, dass es um eine Sage, etwas Überliefertes geht und Vergangenheit eine Rolle spielt. Es ist nicht unbedingt ein Dokument der Gegenwart."

Und weiter über besondere Herausforderungen bei den Dreharbeiten: "Wenn man nach Pürbach kommt und dort kein schwedisches Dorf steht oder in Taiwan 120 Chinesen aufgeregt durcheinander laufen, als wären sie auf einem Ausflug - all das sind Herausforderungen. Und die Fragen, die man sich ununterbrochen stellt, wenn man so etwas wie eine Bibel überreicht bekommt: Schafft man es, der Idee, die der Roman erzählt, gerecht zu werden? Hat man eine gewisse Tiefe erreicht?"

Sendedaten
Dienstag, 29. März 2016
um 20.15 Uhr
Wiederholung:
30./31. März 2016, 1.35 Uhr
Hörfilm, 16:9, Videotext-UT
Credits
Thriller, Deutschland/Österreich 2011

Nach dem gleichnamigen Roman von Henning Mankell
Regie: Peter Keglevic
Drehbuch: Léonie-Claire Breinersdorfer und Fred Breinersdorfer

Mit Suzanne von Borsody (Brigitta Roslin), Michael Nyqvist (Staffan), Claudia Michelsen (Vivi Sundberg), Amy J. Cheng (Qui Hong), Jimmy Taenaka (Ya Ru), August Schmölzer (Sture Hermansson), Roeland Wiesnekker (Jan Andrén), Karlheinz Hackl (Mats Nyström), Franziska Weisz (Maja), Joachim Bißmeier (Professor Lund), Peter Benedict (Tom Valfriedson), u.a.
Nachruf
Zwischen den Welten
Seine Krimis über den Ermittler Kurt Wallander machten ihn weltberühmt: Henning Mankell. Doch der schwedische Bestsellerautor schrieb auch Romane, führte am Theater Regie und engagierte sich gegen Armut und Analphabetismus in Afrika. 2014 machte er seine Krebserkrankung öffentlich. Am 5. Oktober 2015 ist er im Alter von 67 Jahren zuhause in Göteborg gestorben.