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© ZDF/Mal Bulloch Lupe
Sheriff Matt Morgan (Kirk Douglas, rechts) lässt sich bei der Ausübung seiner Pflicht, einen Mörder zu verhaften, nicht aufhalten.
Der letzte Zug von Gun Hill
Sheriff Matt Morgan will die Mörder seiner indianischen Frau dem Gericht zuführen. In Gun Hill erkennt er in einem der mutmaßlichen Täter den Sohn seines alten Freundes Craig Belden. - Klassischer, hervorragend besetzter und gespielter Starwestern, mit Spannung und Dramatik. Die psychologisch vertiefte Inszenierung von John Sturges gehört bis heute zu den besten Filmen dieses Genres.
Die Cowboys Rick Belden und Lee Smithers vergewaltigen und töten im Rausch die junge indianische Frau des Sheriffs Matt Morgan. Den silberbeschlagenen Sattel des Pferdes, mit dem sein kleiner Sohn den Mördern entkommen konnte, erkennt Morgan als Eigentum seines Freundes Craig Belden, den er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Mit dem Sattel als Beweisstück besteigt er den Zug nach Gun Hill, wo Belden der mächtigste Viehbaron der Region geworden ist, dessen Wort mehr gilt als das Gesetz.

Morgan liefert den Sattel bei seinem Freund ab und erklärt ihm, dass er auf der Suche nach einem Mann mit einer tiefen Schramme auf der rechten Wange sei, die, wie sein Junge ihm berichtete, von einem Peitschenhieb seiner Frau stammt. Erschüttert bittet Belden seinen alten Freund, das Leben seines einzigen Sohnes zu schonen. Morgan lehnt kategorisch ab und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder. Er spürt ihn in einer Bar auf, schlägt ihn nieder und fesselt ihn in einem Hotelzimmer mit Handschellen ans Bett.

© ZDF/Mal Bulloch Lupe
Matt Morgan (Kirk Douglas) gerät in eine gefährliche Auseinandersetzung mit einem alten Freund.
Belden reitet mit seinen Leuten in die Stadt und fordert die Herausgabe seines Sohnes. Morgan weigert sich, worauf es zu einer Schießerei kommt, die allerdings lediglich Beldens Männer dezimiert. Die Zeit der Abfahrt des letzten Zuges von Gun Hill naht. Rick Belden an sich gekettet und den Lauf seines Gewehrs unter dessen Kinn, verlässt Morgan das Hotel und bewegt sich in Richtung Bahnhof, wo sich ihnen Lee Smithers entgegenstellt, um Rick zu befreien. Lee zieht, erschießt aber, von Morgan tödlich getroffen, seinen Freund. Auf dem Bahnsteig von Gun Hill kommt es nun zum tödlichen Showdown zwischen zwei alten Freunden.

Gerechtigkeit um jeden Preis
"Hier wird niemand eingesperrt, wenn er 'nen Indianer totschlägt. Wir geben ihm sogar 'ne Belohnung." Dies sagt ein Bürger Gun Hills zu Sheriff Matt Morgan, worauf dieser den Mann kommentarlos niederschlägt. Eine der sympathischsten Sequenzen in einem der schönsten Filme des Genres. Das Anprangern von Indianerfeindlichkeit ist jedoch nur ein Randthema. Ein Hauptthema ist das Durchsetzen von Gerechtigkeit um jeden Preis - auch um des Verlustes einer bewährten Freundschaft und des eigenen Lebens, ein weiteres das Zerbrechen dieser Freundschaft durch widrige Umstände. Und dieser Antagonismus ist unausweichlich; Ähnlichkeiten mit einer griechischen Tragödie sind unübersehbar.

Nicht zuletzt das Spannungsfeld dieser beiden starken Charaktere, das Sturges sehr differenziert aufarbeitet, erzeugt die sich bis zum Showdown steigernde Dramatik des Films. Ein psychologischer Western also; und dies ist ein filmisches Terrain, dessen Klaviatur kaum einer so virtuos beherrscht wie Sturges. Als zwei berühmte Beispiele seien nur "Zwei rechnen ab" (Gunfight at the O. K. Corral", 1957) und "Die glorreichen Sieben" (The Magnificent Seven", 1960) genannt.

Perfekt inszenierte Actionpassagen
Ungeachtet der filigranen Auslotung der Psychogramme seiner Protagonisten und des sequenzweise bedeutungsschweren Dialogs vernachlässigt Sturges nicht den Unterhaltungswert des Genres. Auch "Der letzte Zug von Gun Hill" wartet mit perfekt und spannungsreich inszenierten Actionpassagen auf. In der vorletzten Sequenz arbeitet der Regisseur allerdings rigoros gegen die Klischees: Auf einem Pferdewagen stehend und den Mörder seiner Frau mit dem Gewehr bedrohend, fährt Morgan, verfolgt von einer Übermacht von Gegnern, fast im Zeitlupentempo zum Bahnhof. Gerade aus dieser Statik resultiert die enorme Spannung dieses Filmabschnitts, der den folgenden finalen Showdown fast entspannend wirken lässt.

Fazit: ein herrlicher Western, der sich durch vehemente Wucht, beklemmende Stringenz und starke Dynamik auszeichnet. In den Hollywood-Monumenten Kirk Douglas und Anthony Quinn hatte Sturges zwei geniale Darsteller, die die Konfliktgeschichte perfekt rüberbringen.

Sendedaten
Sonntag, 6. März 2016, 18.40 Uhr
Credits
Der letzte Zug von Gun Hill
(Last Train from Gun Hill)
Spielfilm, USA 1958
91 Minuten
Regie: John Sturges
Mit Kirk Douglas, Anthony Quinn, Carolyn Jones, Earl Holliman, Brad Dexter, Brian Hutton, Ziva Rodann
Thementag
Wilde Western
Sonntag, 6. März 2016, ab 6.20 Uhr