© ap/Thibault Camus
Mads Mikkelsen beim Filmfestival in Cannes 2015. Der Schauspieler wurde am 22. November 1965 in Kopenhagen geboren.
Armenarzt und Erzbösewicht
Die Filmkarriere von Mads Mikkelsen
Der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen wurde in den 1990er Jahren durch die ersten Filme seines Landsmanns Nicolas Winding Refn bekannt. Seine internationale Karriere führte ihn schließlich an die Seite des neuen James-Bond-Darstellers Daniel Craig als dessen Gegenspieler. Doch Mikkelsen blieb dem europäischen und dem dänischen Kinos treu und zeigte seine Intensität und Wandlungsfähigkeit in sehr unterschiedlichen Charakterrollen.
Mikkelsen startete seine Schauspielerkarriere in Dänemark: Nach ersten Nebenrollen in Kurzfilmen engagierte ihn Nicolas Winding Refn für sein Regiedebüt "Pusher" (1996), ein Actiondrama, worin Mikkelsen eindrucksvoll den kahlköpfigen Drogendealer Tonny spielte. Für seinen Auftritt im Sequel "Pusher II" (2004) erhielt er die dänischen Preise Bodil und Robert als bester Darsteller. Mit Winding Refn drehte Mikkelsen zwei weitere Filme, den Thriller "Bleeder" (1999) und die düstere Kreuzzugs-Odyssee "Walhalla Rising" (2009).

© ZDF/Ulla Voigt TV-Krimiserie "Rejseholdet": Mads Mikkelsen in der Rolle des "Unit One"-Ermittlers Allan Fischer
TV-Krimiserie "Rejseholdet": Mads Mikkelsen in der Rolle des "Unit One"-Ermittlers Allan Fischer
Einem breiteren Publikum bekannt wurde er durch seine Ermittlerrolle in der preisgekrönten dänischen TV-Krimiserie "Rejseholdet" (2000-2004; "Unit One: Die Spezialisten", im ZDF). Auch die Medien wurden jetzt auf ihn aufmerksam und feierten den Schauspieler mit den filigranen, aber dennoch markanten Gesichtszügen als dänisches Sexsymbol. Weitere Hauptrollen folgten, zum Beispiel in Thomas Anders Jensens Actionkomödie "Flickering Lights" (2000) und der Romantikkomödie "Shake It All About" (2001). In dem mit zahlreichen Preisen bedachten Beziehungsdrama "Open Hearts" (2002; "Für immer und ewig") der dänischen "Dogma"-Regisseurin Susanne Bier spielte Mikkelsen einen verheirateten Chefarzt, der sich auf eine Affäre mit der Verlobten eines Unfallpatienten einlässt.

"Eine Aura von beunruhigender Gefährlichkeit"
2002 sah man Mikkelsen auch als Bauernsohn an der Seite von Gérard Depardieu in der internationalen Koproduktion "I am Dina" ("Dina: Meine Geschichte"), 2003 dann in der spanischen Komödie "Torremolinos 73" und 2004 in Antoine Fuquas erfolgreichem Historienfilm "King Arthur" als Ritter der Tafelrunde mit Clive Owen in der Titelrolle. Der inzwischen zu den bekanntesten Akteuren des dänischen Kinos zählende Charakterdarsteller, dessen Spiel laut kino.de (7.1.2010) "eine Aura von beunruhigender Gefährlichkeit zugrunde liegt, jene Doppelbödigkeit, die Abgründe vermuten lässt", wirkte jedoch weiterhin in heimischen Produktionen mit, wobei er sich gerne auch gegen seinen Typ besetzen ließ.

So verkörperte er den debilen, ewig schwitzenden Metzger in Jensens schwarzer Komödie "Dänische Delikatessen" (2003), unter dem gleichen Regisseur einen verschrobenen Dorfpfarrer in der Groteske "Adams Äpfel" (2005) oder einen idealistischen indischen Waisenhausleiter in Susanne Biers Oscar-nominiertem Familiendrama "Nach der Hochzeit" (2006).

© ZDF/ARD/Degeto/Wüste Film/Senator Mysterythriller "Die Tür": Maler David Andernach (Mads Mikkelsen) entdeckt einen geheimen Pfad, der zurück in seine eigene Vergangenheit führt.
Mysterythriller "Die Tür": Maler David Andernach (Mads Mikkelsen) entdeckt einen geheimen Pfad, der zurück in seine eigene Vergangenheit führt.
2006 schaffte Mikkelsen endgültig den internationalen Durchbruch, als er gegen den neuen James-Bond-Darsteller Daniel Craig in "Casino Royale" als Erzbösewicht und Pokerspieler Le Chiffre antrat. Obwohl weitere Abstecher nach Hollywood folgten, zum Beispiel mit einer Nebenrolle im Fantasy-Abenteuer "Clash of the Titans" (2010; "Kampf der Titanen"), konzentrierte sich Mikkelsen auf den europäischen Film. So spielte er in Ole Christian Madsens Historiendrama "Tage des Zorns" (2008) einen Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg.

2009 sah man ihn neben Heike Makatsch und Jessica Schwarz im deutschsprachigen Mysterythriller "Die Tür" als Maler, der die Chance bekommt, den Tod seiner Tochter rückgängig zu machen. Im gleichen Jahr gab er die männliche Titelrolle im Biopic "Coco Chanel & Igor Stravinsky", das von der Beziehung der französischen Modedesignerin zu dem russischen Komponisten erzählt.

© dpa/Jiri Hanzl/mfa film Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt": die dänische Regentin Caroline Mathilde (Alicia Vikander, rechts) und der Armenarzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen)
Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt": die dänische Regentin Caroline Mathilde (Alicia Vikander, rechts) und der Armenarzt Johann Friedrich Struensee (Mads Mikkelsen)
Schließlich wurde die Europäische Filmakademie auf Mikkelsen aufmerksam, die ihn 2011 für seinen "Europäischen Beitrag zum Weltkino" auszeichnete. Die Jury sah in ihm einen Schauspieler, der immer wieder Figuren verkörpere, "die uns anziehen und zugleich das Fürchten lehren".

Nach seiner vielbeachteten Titelrolle als Arzt und zeitweiliger Regent Johann Friedrich, Graf von Struensee im dänischen Historiendrama "Die Königin und der Leibarzt" (2012) konnte Mikkelsen im gleichen Jahr seinen zweiten großen Preis in Empfang nehmen: Beim Filmfestival in Cannes 2012 erhielt er die Goldene Palme als bester Darsteller in Thomas Vinterbergs Filmdrama "Die Jagd". Darin ist Mikkelsen als Pädagoge in einem dänischen Dorf zu sehen, der aufgrund der Lüge eines Kindes der Pädophilie verdächtigt wird und daraufhin einer Welle der Agression ausgesetzt ist, die seine bisherige Existenz unter sich begräbt.

Spielfilm
Walhalla Rising
Samstag, 9. Dezember 2017, 3.50 Uhr
(Nacht Sa/So)