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Vierfacher Oscar-Gewinner: Für "Erbarmungslos" (1993) und "Million Dollar Baby" (2005) erhielt Clint Eastwood den Preis für die beste Regie und den besten Film.
Vierfacher Oscar-Gewinner: Für "Erbarmungslos" (1993) und "Million Dollar Baby" (2005) erhielt Clint Eastwood den Preis für die beste Regie und den besten Film.
Hollywood-Veteran vor und hinter der Kamera
Clint Eastwoods Schauspiel- und Regiekarriere
Clinton "Clint" Eastwood wurde am 31. Mai 1930 im kalifornischen San Francisco geboren. Der Durchbruch als Schauspieler gelang ihm zunächst im europäischen Kino mit einer Hauptrolle in Sergio Leones Italo-Western "Für eine Handvoll Dollar" (1964). Seit 1971 betätigte er sich auch als Regisseur, in diesem Metier feierte er später seine größten Erfolge.
Nach der High School jobbte Eastwood unter anderem als Holzfäller, Stahlarbeiter und Bar-Pianist. In Los Angeles brachte ihn ein befreundeter Kameramann in Kontakt mit den Universal Studios, für die er viele winzige Nebenrollen in B-Movies wie "Tarantula" (1955) spielte. Von Hollywood enttäuscht, versuchte sich Eastwood ab 1958 beim Fernsehen. In den Folgejahren sah man ihn in rund 250 TV-Produktionen, unter anderem mit einer Hauptrolle in der CBS-Western-Serie "Rawhide" (1959-1965). Nach dem Durchbruch mit "Für eine Handvoll Dollar" folgten die nicht minder erfolgreichen Filme "Für ein paar Dollar mehr" (1965) und "Zwei glorreiche Halunken" (1966). Eastwood gab in dieser Trilogie, die das Subgenre des Italo-Western populär machte, den wortkargen Antihelden und avancierte nach dem US-Kinostart bald zum Weltstar, dessen Name Kassenerfolge garantierte. Bereits 1967 gründete er mit einem Finanzberater in Kalifornien die Filmgesellschaft "Malpaso Productions".

© ap, warner bros Clint Eastwood als "Dirty Harry"
Clint Eastwood als "Dirty Harry"
Eastwoods Schauspielkarriere in den USA kam entscheidend voran durch die mehrjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Don Siegel, mit dem er unter anderem den Polizeifilm "Dirty Harry" (1971) drehte. Als Inspektor Harry Callahan wurde der 1,93 Meter große, athletische Eastwood, der mehrfach zum populärsten US-Schauspieler gewählt wurde, endgültig zur Kultfigur als personifizierte Coolness schlechthin. Den einsamen, unerbittlichen "Bad Cop" Callahan spielte er unter anderen Regisseuren in drei Fortsetzungen (1973, 1976 und 1988) und einmal unter eigener Regie in "Sudden Impact" (Dirty Harry kommt zurück; 1983). Die Actionkomödie "Every Which Way But Loose" (Der Mann aus San Fernando; 1978), ein Kassenhit, der in der Kritik durchfiel, zeigte Eastwood an der Seite eines Orang-Utans.

Der Gefängnisthriller "Escape from Alcatraz" (1979) war der letzte Film, den er mit Siegel drehte. Mit Wolfgang Petersens Psychothriller "In the Line of Fire" (Die zweite Chance; 1993) landete Eastwood wieder einen großen Kinoerfolg in der Rolle eines alternden Agenten, der beim Kennedy-Attentat versagt hat und sich nicht in das übliche Held/Antiheld-Schema einordnen lässt. Seither trat Eastwood fast nur noch unter eigener Regie auf und produzierte die meisten seiner Filme selbst.

Anfänge als Regisseur
Sein Debüt im Regiefach gab Eastwood 1971 mit dem Psychothriller "Play Misty for Me" (Sadistico). Mehr Erfolg hatte er mit Westernfilmen wie den Genreklassikern "The Outlaw Josey Wales" (Der Texaner; 1976) oder "Pale Rider" (1985) und mit Action- oder Kriegsfilmen wie "Heartbreak Ridge" (1986), in denen er als Hauptdarsteller seinem Image als Macho-Ikone und Meister der Lakonie treu blieb. Als Regisseur nahm er sich indes auch die Freiheit, künstlerisch ambitionierte Werke zu drehen, darunter Porträtfilme wie "Honkytonk Man" (1982), der melancholische Abgesang auf einen todkranken Country-Sänger, und "Bird" (1988), ein Zeitmosaik über den Jazz-Saxofonisten Charlie Parker, gespielt von Forest Whitaker. "Bird" erreichte kein großes Publikum, trug Eastwood aber 1989 den ersten Golden Globe als Regisseur ein.

Als Regisseur und Hauptdarsteller im Spätwestern "Unforgiven" (Erbarmungslos; 1992) hat Eastwood nach Kritikermeinung sein Leinwand-Image als unbesiegbarer Shoot-'em-up-Typ endgültig demontiert und alle ungeschriebenen Gesetze des Genres gebrochen. Der Film, in dem Prostituierte eine Kollegin rächen wollen und Killer anheuern, schildert eine Welt ohne Mitleid, in der auf Gewalt stets noch mehr Gewalt folgt. Der phänomenale Kassenschlager räumte erwartungsgemäß die wichtigen Preise ab, darunter einen Golden Globe (Regie) und zwei Oscars für Eastwood (Bester Film und Regie), wobei er erstmals auch für einen Darsteller-Oscar nominiert wurde.

Wechsel ins romantische Fach
Einen Flop landete er 1993 mit dem Roadmovie "A Perfect World", in dem Kevin Costner die Hauptrolle spielte. Nachdem er die Heldenverherrlichung in der US-Kultur gründlich auseinandergenommen hatte, stellte sich das notorische "Stoneface" Eastwood mit 65 Jahren der "in Wahrheit größten Herausforderung", wie der "Spiegel" schrieb, als er nach einem Bestseller die Romanze "The Bridges of Madison County" (Die Brücken am Fluss; 1995) drehte, die Kritiker in Erstaunen versetzte. Eastwood gab darin einen Landschaftsfotografen, dessen zarte und zugleich leidenschaftliche Liebesbeziehung zu einer vereinsamten Farmersfrau (Meryl Streep) nur vier Tage währen darf.

Mit "Absolute Power" (1997), einem Politthriller um Machtmissbrauch und Sex-and-Crime im Weißen Haus mit Gene Hackman in der Präsidentenrolle, bespielte Eastwood als alternder Meisterdieb erneut den Mythos des unbeugsamen Einzelgängers. Diese Regiearbeit wurde ebenso als souveräne Leistung gefeiert wie seine Verfilmung des exzentrischen Südstaaten-Dramas nach John Berendts Bestseller "Midnight in the Garden of Good and Evil", in dem Eastwood nicht mitspielte, aber seiner Tochter Alison eine Rolle einräumte. "True Crime" (1999), ein Thriller zum Thema Todesstrafe, gehörte dagegen zu seinen größeren Kassenflops.

Mit dem komödiantischen Film "Space Cowboys" um ein Senioren-Quartett von NASA-Flugveteranen reüssierte Eastwood bei den Filmfestspielen 2000 in Venedig. Seine Kriminaltragödie "Mystic River" (2003), die Geschichte dreier Jugendfreunde und eines Verbrechens, das sie nach 25 Jahren wieder zusammenführt, wurde als sein bis dahin "düsterster, schmerzlichster" Film zu Eastwood Meisterwerken gezählt (Süddeutsche Zeitung). Generell lobten Kritiker die klassische Machart seiner Werke und die gradlinige, zurückhaltende Handschrift des Regisseurs, der meist ohne spektakuläre Effekte auskam. Bekannt war Eastwood überdies für seine effektive Arbeitsweise, die kurze Produktionszeiten und Budgetdisziplin erlaubte.

© reuters, warner bros, handout Clint Eastwood und Hilary Swank in "Million Dollar Baby"
Clint Eastwood und Hilary Swank in "Million Dollar Baby"
Seinen zweiten Regie-Oscar (auch Bester Film) gewann der Hollywood-Veteran mit dem Sportfilm "Million Dollar Baby" (2004), in dem er als abgehalfterter Boxtrainer eine Außenseiterin (gespielt von Hilary Swank) zum Titelkampf führt, wobei der Plot eine ungewöhnliche Wendung nimmt und sich zu einem Drama über Leben und Tod entwickelt. Der Film wurde auch kommerziell ein Erfolg, obwohl er zunächst keine Geldgeber fand, da er Figuren vom äußersten Rand der Gesellschaft zeigt und gängigen Erfolgsrezepten des Hollywood-Kinos zu widersprechen schien.

Große Beachtung in der Filmkritik fand Eastwood auch für seine ambitionierten Kriegsdramen "Flags of Our Fathers" und "Letters From Iwo Jima" (2006), an denen Steven Spielberg als Produzent beteiligt war. Der erste Film erzählt von einer Schlacht im Pazifikkrieg des Zweiten Weltkrieges aus amerikanischer Perspektive, der zweite schildert die Ereignisse aus der Sicht der Japaner. Mit dem Thriller "Changeling" (Der fremde Sohn; 2008) nach einer wahren Geschichte tauchte Eastwood mit langsamen, bewegenden Bildern in die Düsternis der Depressionsära ein, in der eine alleinstehende Mutter gegen die Gleichgültigkeit eines korrupten Polizeiapparats um ihr spurlos verschwundenes Kind kämpft. Von der Kritik als "verstörendes Meisterwerk" (Frankfurter Rundschau) gewürdigt und prominent besetzt mit Angelina Jolie und John Malkovich, wurde auch dieses Spätwerk ein Kassenerfolg.

© ap, Anthony Michael Rivetti Clint Eastwood in  "Gran Torino"
Clint Eastwood in "Gran Torino"
Das bis dahin beste Einspielergebnis seiner Regiekarriere fuhr Eastwood mit dem Filmepos "Gran Torino" (2008) ein. Darin verkörpert er als Hauptdarsteller einen Koreakriegsveteranen in einer Detroiter Immigrantensiedlung, der vom verbitterten Rassisten zum Beschützer seiner asiatischen Nachbarn mutiert. Der film-dienst bezeichnete den Streifen als "eigenwilliges, sehr persönliches Alterswerk" mit zahlreichen Zwischentönen "bis zur Selbstparodie".

Bereits mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet (darunter Goldener Löwe 2000, Goldene Palme 2009), stand der unvermindert aktive Regisseur und Produzent Eastwood im Ruf, seine besten Filme im fortgeschrittenen Alter zu machen. Sein Politdrama "Invictus - Unbezwungen" (2009) erzählt, wie der gerade zum Staatspräsidenten Südafrikas gewählte Nelson Mandela (Morgan Freeman) die Rugby-Weltmeisterschaft 1995 nutzt, um sein von der Apartheid-Vergangenheit zerrissenes Volk zu vereinen. In der Kritik hieß es, man müsse kein Rugby-Fan sein, um den Film zu genießen, der vor allem von "einem mentalen Kampf und einer politischen Vision" handle (Neue Zürcher Zeitung).

ln Eastwoods Film "Hereafter - Das Leben danach" (2010; mit Matt Damon) geht es um drei Menschen, die mit der Frage konfrontiert werden, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Dabei bleibt der Regisseur "so nüchtern, wie es eben seine Art ist" (Frankfurter Allgemeine Zeitung), was in der Kritik je nach Erwartungshaltung bei diesem Thema unterschiedliche Resonanzen hervorrief.

Biopic über FBI-Chef Hoover
Seine "bislang riskanteste", aber dennoch gelungene Regiearbeit (FAZ) realisierte Eastwood mit dem Biopic "J. Edgar" (2011) über den berüchtigten FBI-Chef John Edgar Hoover, den Gründer der US-Ermittlungsbehörde, der 1935-1972 im Amt war und vor allem für seine rigorose Kommunistenjagd bekannt war. Die "Zeit" sah den Film mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle als "ein kleines Stück Traumabewältigung der Bush-Jahre" 2001-2009, in denen die Terroristenjagd zur Paranoia wurde. Einige Kritiker merkten jedoch an, dass Eastwood sich mehr für das verkorkste Gefühlsleben des "Muttersöhnchens" Hoover als für dessen politische Rolle interessiere.

2012 trat Eastwood wieder selbst als Schauspieler auf und zudem erstmals seit langem unter fremder Regie (Robert Lorenz): Im Familiendrama "Back in the Game" mimte er einen ruppigen alten Baseball-Scout, der mit seiner Tochter durch die Südstaaten-Provinz tourt.

Ende 2014 legte der Regie-Altmeister mit "American Sniper" ein heftig umstrittenes Werk über den hochdekorierten US-Scharfschützen und Irakkriegsveteran Chris Kyle (Bradley Cooper) vor, das von manchen heftig dafür kritisiert wurde, den Antiterrorkrieg patriotisch zu überhöhen, von Eastwood selbst aber eher als "Antikriegsfilm" verstanden wurde, der zeigen sollte, was der Krieg aus einem Menschen macht. Der Film spielte in den USA Rekordsummen ein und war 2015 für sechs Oscars nominiert, erhielt aber letztlich nur die Auszeichnung für den besten Tonschnitt.

Spielfilm
Flucht von Alcatraz
Freitag, 5. Mai 2017, 22.35 Uhr