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© Schiwago Film GmbH Lupe
Mux (Jan Henrik Stahlberg. links) und sein stoischer Mitarbeiter, der Langzeitarbeitslose Gerd (Fritz Roth).
Muxmäuschenstill
Preisgekrönte Satire
Der Berliner Mux ist Anfang 30, adrett gekleidet und ordentlich frisiert - und er hat eine Mission: Er will seinen Mitmenschen Verantwortungsbewusstsein beibringen. Ordnungswidrigkeiten wie Schwarzfahren, Ladendiebstahl und überhöhte Geschwindigkeit sind für ihn keine Kavaliersdelikte, und mit teils rabiaten Methoden versucht er, die "Täter" zur "Vernunft" zu bringen.
Was Mux nach eigenem Bekunden "ankotzt", ist das mangelnde Rechtsbewusstsein, aus dem heraus jeden Tag Bagatelldelikte begangen werden. Daran muss sich etwas ändern. Begleitet von dem stoischen Langzeitarbeitslosen Gerd, der die Einsätze mit einer Videokamera dokumentiert, streift Mux durch Berlin, stets auf der Suche nach Schwarzfahrern, Graffitisprayern und Schwimmbad-Pinklern.

Einem Raser schraubt der Hobby-Sheriff kurzerhand das Lenkrad ab, den Kopf eines uneinsichtigen Hundebesitzer drückt er mitten auf der Straße in den Kothaufen seines vierbeinigen Lieblings, eine Ladendiebin muss sich in der Umkleidekabine vor Mux entblößen.

"Gesellschaft für Gemeinsinnpflege"
Die "Rückfallquote" der von ihm überführten Straftäter liege unter zehn Prozent, rechtfertigt Mux seine rabiate Vorgehensweise. Angespornt von diesen Erfolgen gründet er schließlich die "Gesellschaft für Gemeinsinnpflege", stellt Mitarbeiter ein und ermutigt die Berliner Bürger in einem Werbespot, ihre Mitmenschen zu denunzieren.

Alles läuft genau "nach Plan". In der Provinzkellnerin Kira scheint Mux schließlich auch privat sein Glück zu finden. Als er jedoch versucht, die lebenslustige junge Frau nach seinen strengen moralischen Prinzipien zu formen, beschwört Mux eine Tragödie herauf.

Weltverbesserer oder Spießbürger?
"Muxmäuschenstill", das bitterböse Kinodebüt von Marcus Mittermeier, wurde bei seiner Premiere von Kritik, Publikum und Filmpreisjurys gleichermaßen begeistert aufgenommen. Das Clevere an dem Film ist die Ambivalenz, mit der Regisseur Mittermeier und sein großartiger Hauptdarsteller und Drehbuchautor Jan Henrik Stahlberg ("Tatort - Herzversagen") ihre Hauptfigur porträtieren. Man stellt sich immer wieder die Frage, ob Mux nun ein idealistischer Weltverbesserer oder ein reaktionärer Spießbürger ist.

Sendedaten
In der Nacht vom 23. auf den
24. April 2013, um 2.35 Uhr
Credits
Spielfilm, Deutschland 2004
Regie: Marcus Mittermeier
Mit Jan Henrik Stahlberg, Fritz Roth, Wanda Perdelwitz, Joachim Kretzer u.a.