VideoVideo
Wolfgang S., ehemaliger Polizist aus Baden-Württemberg, lebt seit fast sechs Jahren als Rentner in Thailand und möchte auf keinen Fall mehr nach Deutschland zurück.
37°: Rente unter Palmen
Thailand und die Suche nach dem Glück
Sonne und Wärme das ganze Jahr: Immer mehr deutsche Rentner träumen vom Umzug nach Thailand. "37°" begleitet Menschen, die diesen Schritt gewagt haben oder gerade ihre Koffer packen.
Welche Vorteile hat das Leben in Thailand? Wie kommen Deutsche im Alter dort zurecht - ohne Sprachkenntnisse, mit der völlig anderen Kultur? Rentner erzählen, wie sie in Thailand zurück zum Glück finden. Aber auch, welche großen Probleme es in der Ferne geben kann.

Laut Statistischem Bundesamt gehört Thailand inzwischen zu den beliebtesten Zielen für deutsche Auswanderer außerhalb der EU. Doch es gibt vieles zu bedenken, damit nicht plötzlich ein böses Erwachen droht. "Wer glaubt, mit Mini-Rente in Thailand ein Leben in Saus und Braus führen zu können, der irrt sich gewaltig", warnt Wolfgang Leuschner, Pastor der deutschen Gemeinde in Pattaya. Leuschner hat schon einige unbedachte Auswanderer abstürzen sehen. "Thailand hat kein soziales Netz wie Deutschland. Da gibt es null Unterstützung seitens des Staates."

Wenn es nach Norbert ginge, würden er und seine Frau Marianne längst in Thailand leben. Er kennt und liebt das Land. Doch Marianne hat so ihre Bedenken. Beide sind 68 Jahre alt und haben schon viel von der Welt gesehen. Aber jetzt im Alter merkt Marianne: "Ich habe drei große Probleme in Thailand: Im Sommer macht mir die starke Hitze zu schaffen. Der Verkehr und die Infrastruktur sind chaotisch. Und es liegt viel Müll herum." Sie erkenne ihren Mann nicht wieder, der daheim in Böblingen so ordnungsliebend und penibel sei. "Entspannt", sagt Norbert und findet alles "spitze". Seine Frau kommt da noch nicht so ganz mit.

Fast 40 Jahre sind sie verheiratet. "Wir müssen uns natürlich irgendwie einigen", sagt Norbert, "trennen möchten wir uns jetzt nicht deswegen." Aber Marianne müsse erst einmal hören, was ihr Herz sage. Also machen sie zwei Monate Probewohnen in einer Altenresidenz in Hua Hin, am Westufer des Golfs von Thailand. "Ob ich da Kompromisse machen möchte und wirklich in Thailand leben kann, werde ich herausfinden müssen." Marianne verspricht ihrem Mann, sich zu bemühen, denn - das steht für beide absolut fest: Deutschland ist für den Rest ihres Lebens keine Option. "Die Situation in deutschen Heimen finde ich beängstigend", sagt Marianne. "Und wir sind uns absolut sicher, dass wir nicht durch unsere Kinder gepflegt werden möchten." Welche Lösung werden die beiden finden?

Christa kommt 1943 in Oberhausen zur Welt, wächst im Ruhrgebiet in einfachen Verhältnissen auf. Sie ist fast 40 Jahre mit ihrem Mann verheiratet, als der im Oktober 2010 absolut überraschend nach kurzer, schwerer Krankheit stirbt. "Ich konnte einfach nicht in unserem Haus bleiben, es hat mich alles an ihn erinnert", sagt Christa. Also beschließt sie, möglichst weit weg zu ziehen. Auch die Trennung von ihren Kindern nimmt sie in Kauf.

Im kalten Winter zu Hause konnte sie sich durch ihr Rheuma oft kaum bewegen. Und in Thailand? "Es ist alles weg! Ich bin topfit", freut sich die 74-Jährige. Um ihren Alltag zu bewältigen, fürs Autofahren und für den möglichen Pflegefall hat sie Unterstützung gefunden. Lek, eine Thailänderin, ist an sechs Tagen in der Woche bei ihr. Beide betonen, es sei wie ein Mutter-Tochter-Verhältnis. Lek ist ihre engste Vertraute, und sie ist erfahren in der Pflege. "Ich bleibe bei Christa bis zum Ende", verspricht Lek. Doch es soll alles ganz anders kommen.

In Thailand, da ist sich Wolfgang ganz sicher, hat er wieder zurück zum Glück gefunden. Vor zehn Jahren noch Polizist in Deutschland, musste er aufgrund von Gesundheitsproblemen frühzeitig in Rente gehen. Er wanderte nach Thailand aus, wo die Ganzjahressonne ganz entscheidend für sein Wohlbefinden sorgt. Er muss jeden Monat akribisch seine Finanzen im Blick halten. "Ich lebe von rund 900 Euro im Monat", sagt der 55-Jährige. "In Deutschland müsste ich zur Tafel gehen. Hier in Thailand kann ich gut leben, wenn ich nicht über die Stränge schlage, und kann mir auch mal was gönnen." Wolfgang hat erlebt, wie sein bester Freund im vergangenen Jahr erkrankte und starb. Seitdem macht er sich Sorgen: "Ich schaue mich um, welche Pflege ich mir in Thailand leisten könnte, wenn ich plötzlich erkranke oder einen Schlaganfall oder Unfall habe." Er zahlt zwar noch in die deutsche Pflegekasse ein und hätte dadurch auch einen Anspruch auf Pflege in Deutschland. Doch das wäre für ihn ein Albtraum. "Ich will auf keinen Fall zurück nach Deutschland. Thailand ist meine Heimat."

"37°" begleitet die Rentner ein halbes Jahr lang und erlebt ihr Auf und Ab der Gefühle, feiert mit Wolfgang das ganz andere Weihnachten in Thailand bei gleißender Hitze und thailändischen Weihnachtsmännern, schaut bei Marianne zu Hause in Böblingen, was es ist, das sie so schwer loslassen kann, und fragt nach: Was sagen denn eigentlich die Kinder, wenn die Eltern plötzlich nach Thailand auswandern möchten?


Sendedaten
Montag, 8. April 2019, 0.00 Uhr
(Nacht Mo/Di)
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
Info
Film von Jule Sommer
(Erstsendung: 02.04.2019)
Info
LupeWenn es nach Norbert ginge, würden sie längst in Thailand leben. Seine Frau Marianne ist sich noch nicht ganz so sicher.
Info
LupeAls 2010 ganz überraschend Christas Mann verstarb, wanderte sie nach Thailand aus. Hier baute sie sich ein neues Leben auf und ist heute sehr glücklich.
Info
LupeDas Meer vor der Haustür: Nur ein paar Meter muss Christa laufen, dann ist sie am Strand. Seitdem sie in Thailand lebt, spürt sie von ihrem Rheuma nahezu nichts mehr - ein großer Gewinn an Lebensqualität für sie.