© ORF/giczymedia
Video online ab 12.12.18, 20.15 UhrVideo online ab 12.12.18, 20.15 Uhr
Begrüntes Dach auf einem Hochhaus in Singapur - Platz für eine Grün-Auszeit!
Heißes Pflaster Stadt - Warum wir mehr Pflanzen brauchen
Lärm, Feinstaub, CO2 und Hitze - besonders die Sommermonate machen das Leben in der Stadt oft unerträglich. Pflanzen kühlen, reinigen und wirken sich positiv auf die Psyche aus.
Üppig wuchernde Pflanzen umhüllen ganze Gebäude. Mitten in der Großstadt wird Gemüse angebaut und auf Hochhäusern ranken sich Wälder. Was eher nach Zukunftsversion klingt ist in vielen Großstädten, wie etwa Wien, Singapur oder Los Angeles, bereits Wirklichkeit.

Die "Grüne Schule" in der Wiener Innenstadt
© ORF/giczymedia Die Fassade der "Grünen Schule" in der Wiener Kandlgasse!
Die Fassade der "Grünen Schule" in der Wiener Kandlgasse!
Doch wie effektiv sind begrünte Gebäude in Mitteleuropa? Können sie auch hier die Auswirkungen von Urbanisierung und Klimawandel mildern? Genau das wollen die Bauingenieure der Technischen Universität Wien in einem Pilotprojekt erforschen. Sie haben Versuchsflächen angelegt, mitten in der Großstadt, in einer Schule: Lehrer und Schüler des Gymnasiums Kandlgasse in der dichtverbauten Wiener Innenstadt haben sich an die Forscher gewöhnt. Alle paar Tage marschieren die Wissenschaftler durch das Klassenzimmer und klettern auf das Dach der Schule. Hier haben sie ihre Messstationen aufgebaut, gleich neben ihren grünen Versuchsfeldern.

Die Schule liegt in einem innerstädtischen Gebiet, wo der Grünanteil nicht einmal drei Prozent ausmacht. Doch vom Grau der Stadt ist hier nichts zu bemerken. Das Schulgebäude ist üppig bewachsen, eine grüne Oase in der Großstadt. Die Forscher haben Dach, Fassaden und Klassenräume bepflanzt. Nun testen sie die unterschiedlichen Begrünungssysteme. Sensoren nehmen in 5-Minuten-Intervallen die wichtigsten Daten auf, um begrünte und nicht-begrünte Gebäudeteile zu vergleichen.
Gemessen und analysiert werden Wärmeströme und Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lärmminderung, Energiesparpotentiale und Wärmeinseleffekte sowie verschiedene Pflanzenarten und Substrate.

Mit wissenschaftlicher Präzision wird die Gebäudebegrünung erforscht
An heißen Sommertagen ist es jetzt hier um fünf Grad kühler als früher. Das Mikroklima im Schulhof hat sich durch die Bepflanzung verändert. Gleichzeitig dämmen die Begrünungssysteme auch das Schulhaus. Sie temperieren die Klassenräume - im Sommer ebenso wie im Winter. Strom zum Heizen und Kühlen wird eingespart.

So sehen die Fassaden der "Grünen Schule" im Detail aus... © ORF/giczymedia So sehen die Fassaden der "Grünen Schule" im Detail aus...
... und auch in den Klassenzimmern grünt es und schafft so besseres Raumklima. © ORF/giczymedia ... und auch in den Klassenzimmern grünt es und schafft so besseres Raumklima.

Wichtig ein Netz kleiner Grünoasen
2050 werden mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Derzeit sind Städte für 80 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich und verbrauchen 75 Prozent der Energie. Forscherinnen und Forscher weltweit machen sich Gedanken, wie die hochverdichteten Metropolen der Zukunft funktionieren können. Pflanzen sollen die Auswirkungen von Urbanisierung und Klimawandel mildern. Der österreichische Umweltmediziner Hans-Peter Hutter meint, dass für die Erholung der Stadtbewohner ein Netz an kleinen Grünoasen extrem wichtig ist. "Dadurch hat man mehrere Vorteile. Auf der einen Seite die ganze Problematik mit der Hitze. Auf der anderen Seite kann man dadurch Erholungsräume für die Bevölkerung schaffen", so Hutter.

Gerade dort, wo die Städte am dichtesten sind, ist die Sehnsucht nach Natur am größten.
Der japanische Ausdruck Shinrin Yoku bedeutet übersetzt "in die Atmosphäre des Waldes eintauchen" oder einfach Waldbaden, und findet auch bei uns immer mehr Anhänger.
In Japan wird der Waldluft traditionell eine natürliche Heilkraft zugeschrieben. Dass Ärzte ihre Patienten in den Wald schicken, ist nicht weiter ungewöhnlich. Was für manche etwas kurios erscheint ist dort eine anerkannte Therapie.

Der japanische Trend des Waldbadens erfreut sich inzwischen auch in Europa immer größerer Beliebtheit. Es gibt Heilwälder, Waldtherapeuten und Wald-Seminare. Stressgeplagte Großstädter setzen immer häufiger auf die positiven Effekte des Waldbadens

© ORF/giczymedia Freiluft-Supermarkt. Gärtnern in der Großstadt wird immer mehr zum Trend.
Freiluft-Supermarkt. Gärtnern in der Großstadt wird immer mehr zum Trend.
Die Zahl der Hitzetage - mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius - hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Waren es 1990 jährlich zehn, so sind es jetzt an die vierzig Hitzetage im Sommer. Pflanzen hingegen können heiße Städte abkühlen und die Gebäude angenehm temperieren. Sie reinigen die Stadtluft und binden das Wasser nach starken Regenfällen. Doch damit nicht genug: Natur in der Stadt tut nicht nur dem Klima gut, sondern auch Körper und Seele. Grün bietet Erholungsräume für müde Stadtmenschen, fördert Heilung und reduziert Aggression. Doch wie groß ist die positive Wirkung des Stadtgrüns tatsächlich? Und wie viel davon brauchen wir?

Die 3sat-Dokumentation zeigt, wie die Natur in die Großstädte zurückkehrt und ihre Wirkung auf die Städterinnen und Städter.

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Mittwoch, 12. Dezember 2018
um 20.15 Uhr
Wiederholung:
13./14. Dezember 2018, 5.15 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Claudia Giczy-Hefner und Peter Giczy, Österreich 2018
UN-Klimakonferenz 2018
UN-Klimakonferenz 2018
Anlässlich der UN-Klimakonferenz in Katowice/Polen beschäftigt sich 3sat ab Freitag, 30. November 2018, in Dokumentationen, Magazinen und Gesprächssendungen mit den Auswirkungen des Klimawandels und diskutiert die aktuellen Ergebnisse des Gipfels.
Programminfo
Vom 3. bis zum 14. Dezember findet in Katowice die 24. UN-Klimakonferenz statt.

Aus demselben Anlass folgt am 12. Dezember um 21.05 Uhr "Klimakiller Holzkohle". Am Donnerstag, 13. Dezember, um 18.30 Uhr berichtet eine Sondersendung des Wissenschaftsmagazins "nano" von der Klimakonferenz aus Polen und zieht eine erste Bilanz der Ergebnisse. "Wissenschaft am Donnerstag" widmet sich am 13. Dezember ebenfalls dem Thema "Klima": 3sat zeigt um 20.15 Uhr "Dürre in Deutschland", im Anschluss um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen in der Sendung "scobel - Landwirtschaft im Klimastress".
Info
Eine Vielzahl internationaler Studien belegt die gesundheitsfördernde Wirkung von Natur. Nicht nur die stundenlange Wanderung durch den Wald wirkt positiv - schon wenige Minuten in einem begrünten Stadtviertel genügen, um Stimmung und Herzrate zu beeinflussen - quasi einen Urlaubseffekt herbeizuführen.
Allein die Nähe zu Grünanlagen erhöht die Lebenszufriedenheit der Stadtbewohner, während das Risiko für Krankheiten wie Diabetes, Schlafstörungen oder Herz-Kreislauferkrankungen sinkt. Jedes bisschen Grün hilft dabei.