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Buddhistische Tempelanlage in Borobodur mit fast fünf Kilometer langen Reliefs an den Tempelwänden, die Szenen aus den Leben Buddhas und der Erbauer erzählen.
Superbauten 2 - Säulen für die Ewigkeit
mit Christian Berkel
Seit die Menschen Häuser bauen, bauen sie auch Gotteshäuser - überall auf der Welt. Die Dokumentation "Superbauten 2 - Säulen für die Ewigkeit" erzählt, worin sich die Baustile und Gotteshäuser der verschiedenen Religionen unterscheiden.
Ob Stonehenge, der Petersdom, die Moschee Hassan II. oder die südostasiatischen Tempelanlagen - die Erbauer sakraler Bauten schrecken vor Außergewöhnlichkeit und Gigantismus nicht zurück. Inwieweit ist Architektur auch ein Abbild der jeweiligen Religion, und was sagt sie über die jeweilige Glaubensrichtung aus? Die Dokumentation erzählt, worin sich die Baustile und Gotteshäuser der verschiedenen Religionen unterscheiden.

Allein in Deutschland gibt es rund 45.000 Kirchen, das sind in etwa so viele, wie es Schulen gibt. Ein wahrer Kirchen-Superbau steht in Ulm: Der Turm des Ulmer Münsters misst stolze 161,53 Meter. Jahrhundertelang war er allerdings nicht mehr als eine Bauruine. Erst wurde die Kirche wegen Geldmangels nicht fertig, dann bremste die Reformation, schließlich war die Gotik out, und am Ende bauten die Kölner auch noch höher. 1880 wird dort Einweihung gefeiert - mit Kaiserbesuch. Der Dom ist damals das höchste Gebäude der Welt. Doch Ulm zieht nach. Anders als in Köln orientieren sich die Architekten nicht an den mittelalterlichen Plänen, sondern bauen munter immer höher. Bis heute ist das Ulmer Münster die höchste Kirche der Welt.

Hightech-Gotteshaus in Casablanca
Moschee Hassan II.: Hightech-Gotteshaus luxuriösen Ausmaßes in Casablanca.
Moschee Hassan II.: Hightech-Gotteshaus luxuriösen Ausmaßes in Casablanca.
Übertroffen allein von einem Hightech-Gotteshaus luxuriösen Ausmaßes, der Moschee Hassan II. in Casablanca. Nicht nur, dass ihr Minarett alle anderen sakralen Bauten der Welt überragt, sie ist auch flächenmäßig die eindeutige Nummer eins unter den Gotteshäusern - den Petersdom in Rom schluckt sie problemlos. Der besondere Clou ist das verschiebbare Dach: Auf Knopfdruck setzen sich die 1100 Tonnen in Bewegung und öffnen sich lautlos in fünf Minuten. Damit nicht genug, schießt nachts ein Laserstrahl aus der Spitze des Minaretts und strahlt 30 Kilometer weit gen Mekka.

Doch wann hat das alles angefangen, das Bauen für die Götter? Einer der ältesten und bekanntesten Kultbauten steht in England. Stonehenge, errichtet vor circa 5.000 Jahren aus Sarsenstein, einem der schwersten Gesteine der Welt. Die Steinzeitmenschen, die vor allem Sonne und Mond verehrten, fanden einmal im Jahr zu Tausenden in Stonehenge zusammen, um das wichtigste Ereignis des Jahres zu feiern: die Sommersonnenwende. Im Unterschied zu den Naturgottheiten der alten Briten verehren Ägypter, Römer und Griechen Tausende von verschiedenen Göttern. Mit dem Judentum und dem daraus entstehenden Christentum kommt ein neuer Glaube in die Welt, der Glaube an einen einzigen Gott.

Felsenkirchen von Lalibela: 15.000 Tonnen Stein aus Berg gemeißelt
Für den einen Gott wurden glanzvolle Kirchen, majestätische Kathedralen und Moscheen erschaffen. Die Felsenkirchen von Lalibela gehören zu den ungewöhnlichsten Bauwerken der Erde. Im 12. Jahrhundert ließ sie der König Lalibela in Äthiopien buchstäblich aus dem Fels herausschneiden. Nicht weniger als 15.000 Tonnen Stein wurden aus dem Berg gemeißelt. Die so entstandenen elf Kirchen gehören zu den größten von Menschen geschaffenen monolithischen Strukturen der Welt.

Szene von der Baustelle des Petersdoms in Rom: 40 Jahre nach Baubeginn wird Michelangelo Buonarroti die Leitung übertragen.
Szene von der Baustelle des Petersdoms in Rom: 40 Jahre nach Baubeginn wird Michelangelo Buonarroti die Leitung übertragen.
Die größte und wichtigste Kirche der Welt ist der Petersdom in Rom. Und einer hatte an seinem Bau bedeutenden Anteil - ein menschenscheuer, ständig schlecht gelaunter Künstler: Michelangelo Buonarroti. Zunächst wird Michelangelo jedoch mit den Malerarbeiten in einer Kapelle abgespeist, eigentlich "gar nicht sein Metier", wie er meint. Der ungeliebte Nebenjob, die Sixtinische Kapelle, wird trotzdem zum Meisterwerk. Und dann, 40 Jahre nach Baubeginn, Michelangelo ist bereits 71 Jahre alt, überträgt man ihm die Leitung für die ewige Baustelle der Ewigen Stadt. Die im Durchmesser 42 Meter große Kuppel wird die Krönung seines Werks.

Buddhistische Tempelanlage mit der längsten Bildergeschichte der Welt
Aber auch Buddhisten und Hindus haben ihren Göttern die prächtigsten Bauten erstellt. Mitten im indonesischen Dschungel findet sich die vielleicht längste Bildergeschichte - an der größten buddhistischen Tempelanlage der Welt in Borobodur. Über fast fünf Kilometer erstrecken sich die Reliefs an den Tempelwänden, die Szenen aus den Leben Buddhas und der Erbauer erzählen.

Der größte Tempelkomplex allerdings ist Angkor in Kambodscha. Mit mehr als 1.000 Heiligtümern auf 350 Quadratkilometern Fläche bietet sie die größte "Tempeldichte" der Erde. Die bekannteste Anlage ist Angkor Wat, das größte religiöse Bauwerk der Welt mit seinem Tempelberg und fünf gewaltigen Türmen. Doch auch dieser Superbau scheint schlagbar, wenngleich er dabei gegen sich selbst verlöre: Ein Inder plant, Angkor Wat nachzubauen - nur größer.

Sendedaten
10. September 2018, 17.00 Uhr
Info
Dreiteilige Dokumentarreihe mit Christian Berkel
Film von Cristina Trebbi, Christian Twente
(aus der ZDF-Reihe "Terra X")
(Erstsendung: 16.12.2012)
Doku-Reihe
LupeSuperbauten 2