© ORF/WEGA - Film/Mario Hopfgartner
Video online ab 30.7.2018, 6.00 UhrVideo online ab 30.7.2018, 6.00 Uhr
Einzigartige Moorlandschaft bei Chalupa Slat (Tschechien
Böhmerwald - Wildnis im Herzen Europas
Heimat für Luchse, Wölfe und Elche
Im Herzen Europas liegt das weitläufige Gebiet des Böhmerwaldes. Über Jahrzehnte durchschnitt der Todesstreifen des Eisernen Vorhangs dieses Gebiet. Was für die Menschen oft Verlust der Heimat und großes Leid bedeutete, war für Flora und Fauna eine ausgedehnte Erholungspause.


Einzigartige Fauna und Flora
    "Meine ganze Seele hängt an dieser Gegend"
schrieb Adalbert Stifter vor 150 Jahren. Er setzte dem Böhmerwald mit seinen Landschaftsbeschreibungen ein - wenn auch romantisch überhöhtes - so doch Jahrhunderte überdauerndes Denkmal. Vieles hat sich seither im Böhmerwald verändert, doch verglichen mit anderen Naturregionen Europas konnte dieses Gebiet im Nordwesten des Mühlviertels seine Originalität bewahren. Die speziellen geologischen und klimatischen Bedingungen - Granituntergrund, dünner Humusboden, raues Klima, urtümliche Moorlandschaften - tragen dazu bei, dass in dieser Gegend eine einzigartige Fauna und Flora anzutreffen ist.

Holz - wesentlicher wirtschaftlicher Faktor der Gegend
© ORF/WEGA-Film/Mario Hopfgartner Luchse findet man immer häufiger in den ausgedehnten Wäldern
Luchse findet man immer häufiger in den ausgedehnten Wäldern
Unter den Blumen stechen das Holunderknabenkraut und der böhmische Enzian hervor. Die Moore beherbergen seltene Pflanzen bis hin zum Fleisch fressenden Sonnentau, in den Bächen lebt heute noch die Flussperlmuschel, deren glitzernde Produkte nicht nur die österreichische Kaiserkrone schmücken, sondern vor allem auch in das Kulturgut der Gegend eingebunden wurden, wie ein prächtiges Messgewand im Stift Schlägl beweist.
Heute tummeln sich Fischotter in den Resten des Schwarzenbergischen Schwemmkanals und genießen den vorhandenen Fischreichtum der Gewässer. Im frühen 19. Jahrhundert aber stellte dieser Kanal eine herausragende Ingenieursleistung dar, gelang es doch den Erbauern, die Wasserscheide des Böhmerwaldes zu überwinden und somit eine Wasserstraße für den Transport des Holzes aus dem Böhmerwald bis zur Donau zu bauen. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Holz über diesen Wasserweg zur Donau geschwemmt. Das Holz des Böhmerwaldes war und ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor der Gegend. Bis heute wird der Holzreichtum der Gegend von Köhlern zur Herstellung von Holzkohle genutzt, auch wenn die Holzkohle schon lange nicht mehr dazu dient, Energie für die Herstellung eines der schönsten Produkte des Böhmerwaldes zu liefern - des berühmten böhmischen Glases. Der Quarzreichtum der Urgesteingegend führte im Verbund mit dem Holzreichtum zu einer blühenden Glasindustrie, die bis heute noch - vor allem im bayerischen Teil - erfolgreich betrieben wird.

Dem Team wurde bei den Dreharbeiten im Jahr 2000 von tschechischer Seite erlaubt, das Kerngebiet des Böhmerwaldes ohne Einschränkung zu filmen - sogar Tiefflugaufnahmen waren möglich, was zu seltenen Tierbegegnungen in einem Gebiet führte, das 40 Jahre lang vom Menschen unbehelligt blieb und wo bis heute Luchse, aber auch Elche wieder eine Heimat gefunden haben und sich in den schneereichen Wintern sogar vereinzelt Wölfe bis zu den besiedelten Gebieten wagen. Der Böhmerwald ist bis heute eine der interessantesten und naturbelassensten Regionen Europas geblieben.

Sendedaten
Montag, 30. Juli 2018
um 18.15 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Alfred Vendl, Österreich 2000
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