Der Ätna ist durch unzählige Ausbrüche auf über 3.300 Meter gewachsen. So lange kein Ausbruch bevorsteht, dürfen Touristen in Begleitung von Bergführern zu seinen Gipfelkratern.
Der Ätna ist durch unzählige Ausbrüche auf über 3.300 Meter gewachsen. So lange kein Ausbruch bevorsteht, dürfen Touristen in Begleitung von Bergführern zu seinen Gipfelkratern.
ÄTNA - Höllenschlund im Mittelmeer
Porträt eines der faszinierendsten Naturwunder Europas
Der Ätna gehört zu den aktivsten Vulkane der Erde. Mit einer gewaltigen Höhe von über 3.300 Metern dominiert er Sizilien. Eindrucksvolle Bilder von Eruptionen dokumentieren, welche Urkraft in den Tiefen des Ätna schlummert. Wissenschaftler erklären, welche Gefahren von ihm ausgehen. Einheimische zeigen, wie sie gelernt haben, mit den Tücken von "Mama Ätna" zu leben.
So liebevoll bezeichnen die Sizilianer den Vulkan, der sie ständig bedroht: "Wie eine brummelige Landmama", die ihre eigene Suppe kocht und "sich ungern in die Karten schauen lässt", fasst Dr. Boris Behncke den Charakter des Ätna zusammen. Er ist Deutscher, arbeitet seit rund 20 Jahren als Vulkanologe im INGV, der staatlichen italienischen Überwachungszentrale in Catania. Er hat unzählige Ausbrüche miterlebt und erzählt in diesem Film vom durchaus tückischen Charakter des Vulkans.

Plötzlich explodierende, glühende Lava
Im März 2017 erlebte er die gefährlichste Situation seiner Laufbahn, als glühende Lavabrocken über einer Eisfläche plötzlich explodierten. Die Bilder der fliehenden Menschen, die in der Nähe waren, gingen durch die Nachrichten in aller Welt. Für Dr. Behncke indirekt auch ein Zeichen dafür, dass "Mama Ätna" ihren Charakter allmählich ändert: vom "gutmütigen" Vulkan zu einem eher explosiven Wesen. Fast jedes Jahr bricht er, respektive sie, einmal aus. Die Gefahren für die Anwohner halten sich zwar in Grenzen, seit der obere Teil des Ätna zum Nationalpark erklärt wurde, der nicht bebaut werden darf. Reißen jedoch Flanken in tieferen Regionen auf, gibt es fast nichts, was den Lavafluss stoppen kann.

Der Vulkan nimmt nicht nur, er gibt auch
Chiara Vigo und ihr Mann Ginaluca sind Winzer am Ätna. Die erstarrte Lava im Hintergrund erinnert sie immer wieder an den großen Ausbruch, der den Besitz der Familie einst bedrohte.
Chiara Vigo und ihr Mann Ginaluca sind Winzer am Ätna. Die erstarrte Lava im Hintergrund erinnert sie immer wieder an den großen Ausbruch, der den Besitz der Familie einst bedrohte.
Winzerin Chiara Vigo erinnert sich daran, wie sie als Kind miterleben musste, dass ein Ausbruch im Norden bei Randazzo fast alle Weinberge der Familie vernichtete: eine Katastrophe, denn versichern kann man sich am Ätna bis heute nicht dagegen. Dass der Lavastrom einen Rest der Habe übrig ließ und "wie durch ein Wunder" urplötzlich die Richtung änderte, wie Chiara im Film erzählt, wird sie nie vergessen.

Gemeinsam mit ihrem Mann Gianluca baut sie heute hier den "Nerello Mascalese" an, die typische rote Rebsorte der wenigen, etwa 130 Winzer am Ätna. Dass der Vulkan nicht nur nimmt, sondern auch gibt, weiß sie zu schätzen. Der fruchtbare und mineralreiche Vulkanboden ermöglicht den Anbau von Wein, Oliven, Pistazien und vielem, was die sizilianische Küche ausmacht.

Wann aber Mama Ätna das nächste Mal ihren Höllenschlund öffnen wird, vermag niemand genau zu sagen. Die Vulkanologen am INGV können zwar jedes Zittern der Gasblasen im Inneren des Berges messen und mit der Häufigkeit der Intervalle auch vage Prognosen treffen, ob ein Ausbruch wahrscheinlich ist. "Aber das Einzige, was wir wirklich mit Sicherheit ausschließen können, ist, dass der Ätna morgen erlischt", konstatiert Dr. Behncke. So beobachtet er weiter jede Regung des Vulkans - nicht nur während seiner Schichtarbeit in der Überwachungsstation in Catania. Für seine Familie und sich hat er eine Wohnung gemietet - mit freiem Blick auf die Hauptkrater des Ätna.

Sendedaten
Samstag, 21. Juli 2018, 6.20 Uhr
Info
Film von Michael Petsch
(Erstsendung: 30.03.2018)
ZDFmediathek
Sendung ansehen (15 Minuten)
Asche- und riesige Lavafelder dominieren die Welt um den Ätna. Durch Ausbrüche ändert sich ständig das Landschaftsbild.