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Video online ab 8.7.2018, 6.00 UhrVideo online ab 8.7.2018, 6.00 Uhr
Dieses Buch aus dem Bestand von Abraham Frank wurde in einem Bücherpaket an eine Wiener Schulklasse verschickt.
Mit Büchern auf der Flucht
Was nimmt man mit, wenn man plötzlich gezwungen ist, in ein fremdes Land auszuwandern? Für viele Juden, die Deutschland und Österreich in den 1930er Jahren noch rechtzeitig verlassen konnten, war die Antwort auf diese Frage klar: Bücher. Es hätten auch feste Schuhe, eine gute Jacke oder praktische Gegenstände sein können. Doch viele der jüdischen Emigranten wählten deutschsprachige Kultur- und Geistesgeschichte: Goethe, Schiller, Heine, Schnitzler, Rilke und natürlich Theodor Herzl.
In Israel wurden die neuen Einwanderer belächelt, doch die Entscheidung für ihre Bücher war von großer Ernsthaftigkeit: Sie trugen die deutsche Sprache und Kultur im Herzen und konnten nicht von ihr lassen, obwohl ihre Heimat sie mit Füßen getreten hatte. Was stellten die aus Berlin und Wien vertriebenen Juden mit ihrem Goethe in der Wüste an?

Und was geschieht mit den Büchern heute? Von der Generation, die ihre Bibliotheken unter großen Entbehrungen mit sich auf die Reise nahm, wird bald niemand mehr am Leben sein. Ihre Kinder und Enkel haben keinen Bezug mehr zur Literatur der Länder, die ihre Eltern ausrotten wollten. Und doch leben die Bücher fort, manche treten gar den Rückweg in die alte Heimat an - und landen zum Beispiel in einer Wiener Schule.

Abraham Frank aus Flacht in Hessen-Nassau füllte sein Jerusalemer Haus mit einer riesigen Bibliothek mit Tausenden von deutschen Büchern. © ORF/© Film und Kontext Abraham Frank aus Flacht in Hessen-Nassau füllte sein Jerusalemer Haus mit einer riesigen Bibliothek mit Tausenden von deutschen Büchern.
Schülerinnen und Schüler des Döblinger-Gymnasiums / G19 in Wien, die eine Bücherkiste von Abraham Frank aus Israel erhalten haben. © ORF/© Film und Kontext Schülerinnen und Schüler des Döblinger-Gymnasiums / G19 in Wien, die eine Bücherkiste von Abraham Frank aus Israel erhalten haben.

Bücher für Wiener Schüler
Der Film erzählt drei Bücher-Geschichten: Abraham Frank aus Flacht füllte sein Jerusalemer Haus mit einer riesigen Bibliothek mit Tausenden von Bänden. Doch was soll mit den wertvollen Büchern geschehen, nun, da er ins Altersheim umziehen muss? Frank schickt die Werke an Jugendliche in Deutschland und Österreich, wo sie Zeugnis ablegen über die Geschichte ihrer Besitzer - und bei Schülern des Döblinger Gymnasiums in Wien eine erstaunliche Resonanz auslösen.

Rückgabe an die Eigentümer - in Jordanien
Ury Eppstein aus Saarbrücken rettete 1948 als israelischer Soldat im Unabhängigkeitskrieg eine wertvolle vollständige Goethe-Ausgabe vor der sicheren Vernichtung. Ein ganzes Leben lang bewahrte er die kostbaren Bücher auf, bis er sich im hohen Alter entscheidet, sie den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Doch diese befinden sich in Jordanien - einem Land, gegen das er selbst noch kämpfte. Er bricht zu einer riskanten Reise auf.

Vollständige Goethe-Ausgabe "Letzter Hand", die von Ury Eppstein in Jerusalem gerettet und später den ursprünglichen Besitzern in Jordanien zurückgegeben wurde. © ORF/© Film und Kontext/Miriam Jakobs Vollständige Goethe-Ausgabe "Letzter Hand", die von Ury Eppstein in Jerusalem gerettet und später den ursprünglichen Besitzern in Jordanien zurückgegeben wurde.
Ein heute sehr wertvoller Band der vollständigen Goethe-Ausgabe "Letzter Hand" © ORF/© Film und Kontext Ein heute sehr wertvoller Band der vollständigen Goethe-Ausgabe "Letzter Hand"

Begegnung mit Goethe - bei einer Séance
Eva Avi-Jonah aus Wien spricht mit Goethes Geist. Bei einer Séance in Tel Aviv gab dieser sich der damals 52-jährigen Eva zu erkennen. Und nicht nur das, er machte ihr gleich Avancen - mit einem Liebesgedicht von Heine. Seitdem stehen die beidem in regem Austausch.

Sendedaten
Sonntag, 8. Juli 2018
um 10.05 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Dokumentation von Miriam Jakobs und Gerhard Schick, Österreich 2018