© ORF/Sarah Rogaunig
Video online ab 7.7.2018, 9.30 UhrVideo online ab 7.7.2018, 9.30 Uhr
Die 89-jährige Kärntner Slowenin Pepca Rogaunig gibt Einblicke in ihre schwere Kindheit während des Zweiten Weltkrieges.
Babi erzähl...
Zwei Schwestern auf der Suche nach der verbotenen Sprache
Die heute 88-jährige Kärntner Slowenin Josefine Rogaunig, von ihren Enkelinnen nicht Großmutter, sondern slowenisch "Babi" genannt, hat nie aufgehört ihre Muttersprache zu sprechen und weiterzugeben, selbst als Slowenisch 1938 von den Nationalsozialisten verboten wurde.
Eine Politik, die tiefe Spuren in der Gesellschaft und Familien hinterlassen hat. Viele Angehörige der autochthonen Minderheit, die im Süden Österreichs entlang der Grenze zu Slowenien und Italien angesiedelt ist, legten ihre Muttersprache ab. Gemeinsam mit ihrer "Babi", so lautet die slowenische Bezeichnung für Großmutter, machen sich zwei Schwestern auf, um das Leiserwerden des Slowenischen innerhalb ihrer eigenen Familie zu ergründen.

© ORF/Sarah Rogaunig Spuren einer Kindheit
Spuren einer Kindheit
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Südkärntens beherrschten vor dem Zweiten Weltkrieg nur eine Sprache und zwar Slowenisch. Im Jahr 1938 wurde diese in Folge des sogenannten "Anschlusses" verboten. Wer es dennoch wagte weiterhin Slowenisch zu sprechen, wurde bestraft.

Die grausamste Strafe, die drohte, war die Deportation in ein Konzentrationslager. Das bedeutete für viele ein Leben unter großem Druck und in entsetzlicher Angst. Die Folgen dieser Zeit sind noch heute sichtbar und hörbar: Dem Slowenischen in Kärnten nahm der Krieg seine Selbstverständlichkeit.

Pepca Rogaunig war sieben Jahre alt, als der Krieg begann. Ihre Herzlichkeit und Lebensfreude hat sie trotz der tragischen Erlebnisse während des Krieges behalten. © ORF/Sarah Rogaunig Pepca Rogaunig war sieben Jahre alt, als der Krieg begann. Ihre Herzlichkeit und Lebensfreude hat sie trotz der tragischen Erlebnisse während des Krieges behalten.
Die Journalistinnen Tanja und Sarah Rogaunig mit ihrer "Babi" Pepca Rogaunig und deren Schwester Marica Ora¸e. © ORF/Sarah Rogaunig Die Journalistinnen Tanja und Sarah Rogaunig mit ihrer "Babi" Pepca Rogaunig und deren Schwester Marica Ora¸e.

Die zweisprachig in Südkärnten aufgewachsenen Journalistinnen Sarah und Tanja Rogaunig beschäftigen sich mit diesem Thema seit ihrer Kindheit. Gemeinsam mit ihrer 88-Jährigen Großmutter, Pepca Rogaunig, begeben sie sich in vorliegendem Film auf die Suche nach den Gründen für das Leiserwerden des Slowenischen in ihrer engsten Umgebung.

Am Beispiel von drei Generationen einer Familie erzählt die berührende TV-Dokumentation eine Geschichte, die für viele kärntner-slowenische Schicksale steht. Ohne zu verurteilen versucht sie nachzuvollziehen, warum viele slowenischsprachig aufgewachsene Kärntnerinnen und Kärntner ihre Muttersprache ablegten oder sogar ablehnten. Im Zentrum des Filmes stehen die Menschen selbst - wie sie die damalige Zeit erlebten und damit umgingen, dass ihre Muttersprache zu einem Politikum wurde.

Die Kärntner Slowenen mussten in der Vergangenheit und auch noch heute um ihre Rechte kämpfen, die ihnen laut Österreichischem Staatsvertrag als autochthone Minderheit zustehen: das Recht auf eigene Organisationen, Medien, Schulen sowie zweisprachige Ortstafeln. Erst 2011 wurde der mehr als fünf Jahrzehnte andauernde Ortstafelstreit gelöst. Seitdem stehen in 164 Kärntner Ortschaften zweisprachige Tafeln, die der slowenischen Volksgruppe in Kärnten ihre Sichtbarkeit geben.

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Samstag, 7. Juli 2018
um 9.30 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Eine Dokumentation von Sarah und Tanja Rogaunig, Österreich 2018