© ORF/Werner Zips
Video online ab 26.6.2018, 6.00 UhrVideo online ab 26.6.2018, 6.00 Uhr
The Big Five - Löwe, Nashorn, afrikanischer Büffel, Elefant und Leopard - man findet sie hier alle wieder!
Zurück zur Wildnis - Das Madikwe Wildreservat
Eines der schönsten Wildreservate im südlichen Afrika ist noch nicht einmal drei Jahrzehnte alt. Madikwe folgt dem Motto: "Zurück zur Wildnis!" Heute gilt es als ein Modell der erfolgreichen Renaturalisierung und Wiederansiedlung aller Tierarten, die in der Region jemals gelebt haben könnten.
Nach der relativ kurzen Zeitspanne seit der Gründung im Jahr 1991 leben die aus allen Teilen des Südlichen Afrikas und sogar aus Europa eingeführten Tiere wieder so, als wären sie ohne Unterbrechung von rund einem Jahrhundert hier ansässig gewesen.

Geparde mit ihrer soeben gerissenen Beute. © ORF/Werner Zips Geparde mit ihrer soeben gerissenen Beute.
Ein Löwe in Drohposition... © ORF/Werner Zips Ein Löwe in Drohposition...
...und auch das Nashorn sieht nicht ganz friedlich aus. © ORF/Werner Zips ...und auch das Nashorn sieht nicht ganz friedlich aus.

Doch die Schaffung eines beeindruckenden Naturschutzprojektes war die Idee von Ökonomen und hatte vor allem die Armutsverringerung der lokalen Bevölkerung zum Ziel. Wie viele Grenzregionen war Madikwe im Norden Südafrikas bis in die 1990er Jahre ein dünn besiedeltes Farmland für Viehzucht und Maisanbau, das kaum seine wenigen Bewohner ernähren konnte.
Es gehört zu den vielen Verdiensten der Nelson Mandela Regierung, die dringend gebotene Landreform nach der Apartheid mit fortschrittlichen Konzepten des Umweltschutzes und der Erneuerung natürlicher Ressourcen verbunden zu haben. Ein Beschluss der Regierung auf der Basis einer Machbarkeitsstudie schuf die Grundlage, um eine afrikanische "Phönix aus der Asche"-Geschichte zu schaffen. Wo brach liegendes, praktisch wertloses Land war, entstand mit der kräftigen Beteiligung der umliegenden lokalen Gemeinschaften und entsprechenden Investitionen des privaten Sektors ein Modell für zukünftige Landschaftsnutzung und Wiedergewinnung von Biodiversität.

Ein Zebra mit perfekt gestreiftem Nachwuchs. © ORF/Werner Zips Ein Zebra mit perfekt gestreiftem Nachwuchs.
Über alle hinaus ragt die Giraffe. © ORF/Werner Zips Über alle hinaus ragt die Giraffe.
Eine Nashornfamilie am Wasserloch. © ORF/Werner Zips Eine Nashornfamilie am Wasserloch.

Wie in der biblischen Arche Noah Geschichte wurden fast alle im südlichen Afrika vorkommenden Wildtierarten neu angesiedelt, so sie nicht ohnehin schon auf dem Land lebten. Darunter befanden sich nicht nur die Big Five, sondern auch seltene und bedrohte Tierarten, die anderswo kaum mehr Überlebenschancen besaßen. Wildhunde beispielsweise sind als eine der gefährdetsten Tierarten Südafrikas selbst in Wildreservaten alles andere als beliebt, weil sie sich kaum an Parkgrenzen halten und daher auf umliegenden Farmen jagen, was zu Entschädigungsansprüchen gegenüber den Reservatbetreibern führt. Durch das umsichtige ökologische Wildlife-Management haben sie auf der 75.000 Hektar (750 Quadratkilometer) großen Fläche Madikwes ein nachhaltiges Zuhause gefunden.
Madikwe wird als beispielhaftes Modell des Naturschutzes und der Gemeinschafts-basierenden Entwicklung (Community-based Natural Resource Management) gefeiert. Die vorliegende Dokumentation möchte zum einen hinterfragen, ob dieser Anspruch berechtigt ist, zum anderen die historischen Leistungen jener Persönlichkeiten beleuchten, die für den erstaunlichen Neuzeit-"Arche Noah" Plan und dessen zunächst utopisch anmutende Umsetzung verantwortlich waren und drittens die menschlichen Eingriffe des ökologischen Monitoring erheben, die zur Erhaltung eines quasi-ökologischen Gleichgewichts auf beschränktem Raum nötig sind.

© ORF/Werner Zips Selten kommen Fotosafariteilnehmer so nahe ran an Elefanten in ihrem ursprünglichen Lebensraum.
Selten kommen Fotosafariteilnehmer so nahe ran an Elefanten in ihrem ursprünglichen Lebensraum.
Der Film soll die umliegenden Gemeinschaften und ihre Zufriedenheit mit den Resultaten hinterfragen. Zu Wort kommen lokale Chiefs, Lodge-Eigner, in der Region aufgewachsene Ranger und Tracker ebenso, wie etwa eine deutsche Head-Rangerin, die sich die volle Anerkennung ihrer zumeist männlichen Kollegen erworben hat. Wie oft bei derartigen Projekten steht die Frage im Raum, ob es nicht doch mehr die privaten Investoren sind, die von einem Öko-Projekt profitieren, oder ob der Ökotourismus tatsächlich zur Armutsverringerung und zum Empowerment bei den eigentlich betroffenen Gemeinschaften beiträgt. Konnte die Operation Phönix - wie die Wiederansiedlung von rund 10.000 Wildtieren werbewirksam genannt wurde - wirklich zum Aufschwung der lokalen Ökonomie beitragen und waren die großen Hoffnungen berechtigt?

Sendedaten
Dienstag, 26. Juni 2018
um 16.10 Uhr
Wiederholung:
26./27. Juni 2018, 5.25 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Dokumentation von Werner Zips und Manuela Zips-Mairitsch, Österreich 2015
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