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Video verfügbar am 11. April 2018, ab 6.00 Uhr Video verfügbar am 11. April 2018, ab 6.00 Uhr
Dutschke
Zweiteilige Dokumentation
Er war das Gesicht der Generation 68 und wurde zur Ikone einer ganzen Bewegung: Am 11. April 2018 jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem Rudi Dutschke auf offener Straße niedergeschossen wurde. Das Attentat veränderte die Geschichte der Bundesrepublik.
© Thomas Bresinsky GRETCHEN DUTSCHKE-KLOTZ, geboren 1940, amerikanische Politaktivistin, verheiratet mit Rudi Dutschke.<br />"Er hatte keine Angst. Rudi hatte keine Angst. Er rechnete nicht damit, dass jemand mit einer Waffe auf ihn schießt."
GRETCHEN DUTSCHKE-KLOTZ, geboren 1940, amerikanische Politaktivistin, verheiratet mit Rudi Dutschke.
"Er hatte keine Angst. Rudi hatte keine Angst. Er rechnete nicht damit, dass jemand mit einer Waffe auf ihn schießt."
Rudi Dutschke, geboren 1940 bei Luckenwalde in Brandenburg, wurde christlich erzogen und durfte in der DDR kein Abitur machen. Er ging nach Westberlin, um Soziologie zu studieren. Früh engagierte er sich politisch, wollte gesellschaftliche Veränderungen, und stieg dann zum politischen Kopf des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) auf.
Wie kein anderer verstand es Rudi Dutschke mit Tabubruch, Provokation und Agitation auf sich und die Studentenbewegung aufmerksam zu machen. In Berlin lernte er auch bei einer politischen Veranstaltung Gretchen Klotz kennen, eine amerikanische Theologie-Studentin. Die beiden heirateten 1966.
Durch das Attentat, an dessen Spätfolgen er Jahre später starb, wurde er zum Idol einer ganzen Generation und zum Mythos. Wer war Rudi Dutschke? Wie konnte er zur derartigen Ikone werden? 3sat präsentiert ein eindringliches Porträt eines Mannes, für den schon bei der Eheschließung mit seiner Gretchen klar war: "Da ist der Liebeszusammenhang schon eingebettet in den Kampfzusammenhang." Liebe und Kampf gingen Hand in Hand.

Der Revolutionär
Für die einen war Dutschke der große Erneuerer, der mit enormer Ausstrahlungskraft für einen gesellschaftlichen Aufbruch begeistern konnte. Für die anderen war er eine Gefahr für die Demokratie. Dutschke polarisierte die deutsche Öffentlichkeit wie wenige Figuren seiner Zeit. Seine großen politischen Ideen, aber auch seine extensive Präsenz in Print und Rundfunk machten ihn zum Repräsentanten der sogenannten 68er-Bewegung, und damit zu einer Hassfigur für viele in der Bundesrepublik.

© Thomas Bresinsky MATHIAS DÖPFNER, geboren 1963, seit 2002 Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags.
MATHIAS DÖPFNER, geboren 1963,seit 2002 Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags.

"Ich glaube, dass es eine Zeit war, in der sich das Klima unglaublich zuspitzte und sich eigentlich die falschen Parteien gestritten haben. Aber klar ist, es herrschte ein Ton, der aggressiv war, der teilweise auch unjournalistisch war und der nur diesem aufgeheizten Klima irgendwie geschuldet war und der nur so überhaupt zu erklären ist."

/Mathias Döpfner/

Im Jahr 1968 erreichte die Studentenbewegung in der Bundesrepublik und besonders in West-Berlin ihren Höhepunkt. Die Studenten machten mobil gegen den Vietnamkrieg, gegen die geplanten Notstandsgesetze und für Hochschulreformen. Es war ein Aufbegehren der Kriegs- und Nachkriegskinder gegen das Establishment. Eskalation der Gewalt inklusive. Im Fokus der Revolte: der 27 Jahre alte Student Rudi Dutschke.

"(...) und Rudi Dutschke war einer vorneweg und hat sozusagen auch Strategien des zivilen Ungehorsams befürwortet.(...) Also es gab eine Stimmung gegen uns und zugleich erreichten wir die Öffentlichkeit und deswegen war Dutschke durchaus unser Mann. ".
/HAJO FUNKE, geboren 1944, SDS-Mitglied, Professor an der FU Berlin/

"Ob Rudi Steine geworfen hat, weiß ich nicht, aber er hat mit gemacht an vorderster Front, furchtbares Wort, wenn es darum ging, Barrikaden einzureißen oder Wege zu öffnen, hat er sich nicht gescheut und war, wie alle anderen, kräftig dabei und hat mitgemischt. Und er hat es nicht verurteilt, dass es zu solchen Sachen gekommen ist"
/JÖRG SCHLOTTERER, geboren 1942, SDS-Sekretär, Kommune II/

Das Attentat auf Dutschke löste an den Ostertagen 1968 die schwersten Straßenunruhen in der Geschichte der Bundesrepublik aus.

© Thomas Bresinsky DIETER KUNZELMANN, geboren 1939, Subversive Aktion, Kommune I.
DIETER KUNZELMANN, geboren 1939, Subversive Aktion, Kommune I.


"Drei Stunden danach, nach dem Attentat, Wahnsinn. Und es gab überhaupt keine Diskussionen. Alle wussten, jetzt marschieren wir los. Jetzt marschieren wir los und zerdeppern dieses Springer Haus."
/Dieter Kunzelmann/

Zu seinem Attentäter Josef Bachmann, der zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, nahm Rudi Dutschke Kontakt auf und verzieh ihm die Tat. Kurz darauf nahm sich Bachmann das Leben.

Infolge eines epileptischen Anfalls ertrank Rudi Dutschke am 24. Dezember 1979 in der Badewanne; eine Spätfolge des Attentats. Die Beerdigung fand auf dem St. Annen Friedhof in Berlin-Dahlem statt. Zwei Monate nach dem tragischen Tod wurde Marek, das dritte Kind des Ehepaars Dutschke geboren.

Die Dokumentation analysiert die utopische Kraft von Dutschkes Ideen und fragt, was aus den Utopien von damals geworden ist und ob es solche gesamtgesellschaftlichen Utopien heute noch geben kann. Dabei kommen auch viele seiner einstigen Wegbegleiter zu Wort und ordnen die Geschehnisse ein: Jörg Schlotterer, Bernd Rabehl, Rainer Langhans, Dieter Kunzelmann, Hajo Funke, Stefan Aust, Claus Peymann, Daniel Cohn-Bendit, außerdem auch Peter Gauweiler, und Mathias Döpfner.

BERND RABEHL, geboren 1938, SDS-Mitglied, Freund und Weggefährte:<br /> "Und dann kam das Attentat dazwischen und deshalb kann man das wenig entscheiden, ob er den Schritt gemacht hätte, ob es eine Dutschke-Baader-Meinhof Gruppe gegeben hätte."  © Thomas Bresinsky BERND RABEHL, geboren 1938, SDS-Mitglied, Freund und Weggefährte:
"Und dann kam das Attentat dazwischen und deshalb kann man das wenig entscheiden, ob er den Schritt gemacht hätte, ob es eine Dutschke-Baader-Meinhof Gruppe gegeben hätte."
RAINER LANGHANS, geboren 1941, studierte Psychologie, Kommune I:<br /> "Wir waren doch nette, junge Leute. Nein, wir waren grauenhafte, bösartige Radikalinskis, Randalierer. Ich weiß nicht alles was." © Thomas Bresinsky RAINER LANGHANS, geboren 1941, studierte Psychologie, Kommune I:
"Wir waren doch nette, junge Leute. Nein, wir waren grauenhafte, bösartige Radikalinskis, Randalierer. Ich weiß nicht alles was."
STEFAN AUST, geboren 1946, seit 2014 Herausgeber im Axel-Springer-Verlag:<br />"Die Berliner, also die Bürger, die nun ihre Existenz tatsächlich den Amerikanern zu verdanken hatten, waren ja mit diesen revolutionären Studenten nicht auf besonders gutem Fuße." © Thomas Bresinsky STEFAN AUST, geboren 1946, seit 2014 Herausgeber im Axel-Springer-Verlag:
"Die Berliner, also die Bürger, die nun ihre Existenz tatsächlich den Amerikanern zu verdanken hatten, waren ja mit diesen revolutionären Studenten nicht auf besonders gutem Fuße."

CLAUS PEYMANN, geboren 1937, Theaterregisseur, Politaktivist:<br />"Dutschke war ja so eine Mischung zwischen Ché Guevara und Jesus Christus. Ich sage manchmal, eigentlich bin ich nicht 1937 geboren, sondern 1966, das heißt, geboren in dieser besonderen Sekunde des Weltgeschehens." © Thomas Bresinsky CLAUS PEYMANN, geboren 1937, Theaterregisseur, Politaktivist:
"Dutschke war ja so eine Mischung zwischen Ché Guevara und Jesus Christus. Ich sage manchmal, eigentlich bin ich nicht 1937 geboren, sondern 1966, das heißt, geboren in dieser besonderen Sekunde des Weltgeschehens."
DANIEL COHN-BENDIT, geboren 1945, deutsch-französischer Politaktivist,  seit 1980 bei den Grünen:<br /> "Die Springerpresse hat überhaupt keine Selbstkontrolle gehabt. Und in dem sie sich auch eingeschossen haben auf den Rudi, haben sie ein Klima geschaffen, wo dann das Attentat möglich war." © Thomas Bresinsky DANIEL COHN-BENDIT, geboren 1945, deutsch-französischer Politaktivist, seit 1980 bei den Grünen:
"Die Springerpresse hat überhaupt keine Selbstkontrolle gehabt. Und in dem sie sich auch eingeschossen haben auf den Rudi, haben sie ein Klima geschaffen, wo dann das Attentat möglich war."
PETER GAUWEILER, geboren 1949, RCDS-Vorsitzender, seit 1968 CSU-Mitglied:<br /> "Die 68er Bewegung war auf der einen Seite Teil einer globalen Erscheinung, aber sie war auch kerndeutsch, auch mit diesem moralischen Anspruch, auch in der Erregtheit, auch in der Kompromisslosigkeit." © Thomas Bresinsky PETER GAUWEILER, geboren 1949, RCDS-Vorsitzender, seit 1968 CSU-Mitglied:
"Die 68er Bewegung war auf der einen Seite Teil einer globalen Erscheinung, aber sie war auch kerndeutsch, auch mit diesem moralischen Anspruch, auch in der Erregtheit, auch in der Kompromisslosigkeit."

Weltweit einmalig und exklusiv stehen uns auch die engsten Familienmitglieder Dutschkes für dieses Projekt zur Verfügung und treten erstmals gesammelt vor die Kamera: Sie öffnen für dieses Projekt ihre opulenten Familien-Archive, lassen uns in Bildern, Videoaufnahmen und zahlreichen weiteren Dokumenten der Erinnerung, teilhaben an dem Leben ihres Vaters, der so viel in der erwachsen werdenden Bundesrepublik bewegt hat.

HOSEA-CHE DUTSCHKE,  geboren 1968, drei Monate vor dem Attentat auf seinen Vater: <br /> "Ich bin für den Gegen-Held. Und das denke ich, das war Rudi immer. Immer gegen die Macht, immer gegen die Institutionen."  © Thomas Bresinsky HOSEA-CHE DUTSCHKE, geboren 1968, drei Monate vor dem Attentat auf seinen Vater:
"Ich bin für den Gegen-Held. Und das denke ich, das war Rudi immer. Immer gegen die Macht, immer gegen die Institutionen."
POLLY DUTSCHKE, geboren 1969, Tochter von Gretchen und Rudi Dutschke: <br /> " Ich kann mich erinnern, dass er immer mit uns gespielt hat. Und wenn er hier war, dann war er hier 100 Prozent für uns." © Thomas Bresinsky POLLY DUTSCHKE, geboren 1969, Tochter von Gretchen und Rudi Dutschke:
" Ich kann mich erinnern, dass er immer mit uns gespielt hat. Und wenn er hier war, dann war er hier 100 Prozent für uns."
MAREK DUTSCHKE geboren 1980, jüngster Sohn von Gretchen und Rudi Dutschke:<br /> " Ich habe ihn nie kennenlernen können und man kann sich sozusagen einen Rudi Dutschke irgendwie selber malen."  © Thomas Bresinsky MAREK DUTSCHKE geboren 1980, jüngster Sohn von Gretchen und Rudi Dutschke:
" Ich habe ihn nie kennenlernen können und man kann sich sozusagen einen Rudi Dutschke irgendwie selber malen."

Was bleibt ist ein Stück deutsche Geschichte, aber auch die Erinnerungen an einen Mann, der politische Arbeit und Privates miteinander zu verbinden suchte:


Sendedaten
"Dutschke"
Zweiteilige Dokumentation

Mittwoch, 11. April 2018
um 20.15 Uhr und um 21.00 Uhr

Ein Film von Christoph Weinert

Erstausstrahlung
Teil 2
© apVideo"Dutschke" - Teil 2

Mittwoch, 11. April 2018
um 21.00 Uhr

Video verfügbar am 11. April 2018, ab 6.00 Uhr
3sat Themenwoche