© ORF/NDR Naturfilm/Hans-Peter Kuttler
Die Seiser Alm in Südtirol ist die größte Hochalm Europas, im Sommer bedeckt von üppigen Blütenteppichen.
Die Seiser Alm in Südtirol ist die größte Hochalm Europas, im Sommer bedeckt von üppigen Blütenteppichen.
Wildes Italien: Von den Alpen zum Mittelmeer
in zwei Folgen
Die zweiteilige Dokumentation "Wildes Italien - Von den Alpen ans Mittelmeer" vermittelt ein ungewöhnliches Italien-Erlebnis. Sie zeigt, wie selbst in einer seit Jahrtausenden von Menschen besiedelten und kultivierten Landschaft einzigartige Lebensräume für Wildtiere erhalten bleiben und teilweise sogar neu entstehen.
Es ist eine faszinierend vielfältige Tierwelt, die sich hier im Schatten von Jahrtausenden menschlicher Kulturgeschichte halten und entfalten konnte. Der Zweiteiler "Wildes Italien" von Hans-Peter Kuttler zeigt ein Italien fernab aller Klischees.

Von den Alpen zur Toskana
Der Adamello-Brenta-Naturpark im Trentino ist das Reich einer beachtlichen Braunbären-Population, während die Regionen über der Baumgrenze den Greifvögeln, Dohlen, Gämsen und Steinböcken vorbehalten sind. In ganz Europa wurde der Steinbock gnadenlos bejagt und im 19. Jahrhundert schließlich ausgerottet. Nur im Gran Paradiso konnte ein kleines Grüppchen überleben - es sind die Urahnen aller heute in den Alpen lebender Exemplare.

In Südtirol gibt es Täler, in denen die Zeit still zu stehen scheint. © ORF/NDR Naturfilm/Hans-Peter Kuttler In Südtirol gibt es Täler, in denen die Zeit still zu stehen scheint.
Über den Gipfeln der Dolomiten streift der König der Lüfte: der majestätische Steinadler © ORF/NDR Naturfilm/Hans-Peter Kuttler Über den Gipfeln der Dolomiten streift der König der Lüfte: der majestätische Steinadler

Weiter südlich liegt das großflächige Schwemmland des Po-Deltas, Italiens reichstes Vogelparadies und heute ein Naturschutzgebiet: Im Verborgenen brütet der seltene Purpurreiher, der Seidenreiher kann sich hier ungestört vermehren und dem Krebsfang widmen, nachdem er wegen seiner kostbaren Prunkfedern schon fast ausgerottet war. Seeschwalben sind hier anzutreffen und sogar Flamingos haben den "Parco del delta del Po" für sich entdeckt.

Seidenreiher sind bei ihrer Nahrungssuche äußerst geduldig. Ihrer Federn wegen wurden sie im 19. Jahrhundert noch stark bejagt. © ORF/NDR Naturfilm/Stefano Casellato Seidenreiher sind bei ihrer Nahrungssuche äußerst geduldig. Ihrer Federn wegen wurden sie im 19. Jahrhundert noch stark bejagt.
Für die grazilen Rosaflamingos zählt Italien mit dem Podelta zu den wichtigsten Rückzugsgebieten in Europa. © ORF/NDR Naturfilm/Stefano Casellato Für die grazilen Rosaflamingos zählt Italien mit dem Podelta zu den wichtigsten Rückzugsgebieten in Europa.

Die malerischen Hügel der Toskana sind weltberühmt für ihre Olivenhaine und das Blütenmeer ihrer Mohnfelder. Am Südrand dieser uralten Kulturlandschaft findet man heute noch eine alte, mit dem ausgestorbenen Auerochsen verwandte Rinderrasse, das Maremmaner Rind. Diese langhornige, sehr widerstandsfähige Rasse braucht auch entsprechende Hirten: Die "Butteri" auf ihren wendigen Pferden stehen den legendären Cowboys aus dem Wilden Westen in nichts nach.

Von Sardinien zu den Abruzzen
© ORF/NDR Naturfilm/Gabriele Mastrilli Sardinien gilt zu Recht als echtes Naturjuwel: Hier gibt es an der Küste noch weite, unverbaute Abschnitte.
Sardinien gilt zu Recht als echtes Naturjuwel: Hier gibt es an der Küste noch weite, unverbaute Abschnitte.
Geologisch betrachtet ist Sardinien eine halbe Milliarde Jahre alt, weit älter als der Rest Italiens. Die Giara di Gestruri ist eine karge Hochfläche auf der Insel - und ein Naturreservat. Einzigartige kleinwüchsige Wildpferde sind hier zu Hause, ihre Vorfahren wurden möglicherweise schon in vorchristlicher Zeit von phönizischen Seefahrern mitgebracht. Die Pferde teilen sich die moorigen Wasserstellen auf dem Basalt-Plateau mit dem Bisam, der aus Nordamerika stammt. Der imposante Nager war wegen seines außerordentlich dichten Pelzes sehr beliebt und wurde in Europa ausgewildert. Die höchsten Regionen der Insel sind die Heimat des Mufflons. Bei Gefahr ziehen sich diese Wildschafe am liebsten auf Geröll zurück - dort sind sie ihren Feinden konkurrenzlos überlegen. Die Küstengewässer werden nur extensiv befischt, damit die Unterwasserwelt in ihrer Vielfalt erhalten bleibt. Das erlaubt sogar dem Riesenhai, dem zweitgrößten Fisch der Welt, ein Überleben vor den Küsten Sardiniens. Trotz seines imposanten Namens und seiner Größe ist er ein Plankton-Fresser.

© ORF/NDR Naturfilm/Gabriele Mastrilli Auch unter der Erde hat Italien wahre Superlative zu bieten: Die Grotte di Frasassi ist mit tausenden Tropfsteingebilden eine der größten Schauhöhlen der Welt.
Auch unter der Erde hat Italien wahre Superlative zu bieten: Die Grotte di Frasassi ist mit tausenden Tropfsteingebilden eine der größten Schauhöhlen der Welt.
Die Grotte di Frasassi auf dem mittelitalienischen Festland ist eine der größten Tropfsteinhöhlen der Erde und wurde erst 1971 entdeckt. Ihre Kalkstein-Gebilde wirken fast wie die Säulen einer Kathedrale von Menschenhand. Dabei ist sie ein reines Naturprodukt, Teil des lange unentdeckten "Wilden Italien" und Schlafquartier für Fledermäuse wie das Punische Mausohr. Nur wenig weiter im Süden liegen die Abruzzen, die vielleicht wildeste Landschaft Italiens. Oberhalb der Baumgrenze liegt hier das Reich der Abruzzengämse. Ihr Fell ist deutlich heller als das ihrer Verwandten aus dem Norden, sie ist perfekt angepasst an das Leben in über 2.000 Metern Höhe. Dank einer verdickten Herzwand und eines vergrößerten Lungenvolumens erreicht die elegante Hochgebirgs-Ziege sogar in dieser Höhe Geschwindigkeiten von 50 Stundenkilometern. Nur noch 1.800 Exemplare zählt der Bestand, ihr Lebensraum wurde zum Naturschutzgebiet erklärt.

Die Abruzzen sind das wilde Herz Italiens. Hier leben mittlerweile wieder einige Luchse. Die faszinierenden Großkatzen kommen mit den harten Bedingungen des Winters bestens zurecht. © ORF/NDR Naturfilm/Gabriele Mastrilli Die Abruzzen sind das wilde Herz Italiens. Hier leben mittlerweile wieder einige Luchse. Die faszinierenden Großkatzen kommen mit den harten Bedingungen des Winters bestens zurecht.
Der Triel ist ein Bewohner mediterraner Gegenden brütet regelmäßig auf Sardinien. Nicht nur der Altvogel ist hervorragend getarnt - seine Eier sind es ebenfalls. © ORF/NDR Naturfilm/Gabriele Mastrilli Der Triel ist ein Bewohner mediterraner Gegenden brütet regelmäßig auf Sardinien. Nicht nur der Altvogel ist hervorragend getarnt - seine Eier sind es ebenfalls.

Davon profitieren auch andere selten gewordene Tiere: In jüngster Zeit ist es sogar gelungen, Luchse wieder anzusiedeln. Weiter unten, in den Buchenwäldern an den Berghängen, sind Waldarbeiten nur noch in geringem Ausmaß und mit Arbeitspferden statt Maschinen erlaubt, ein Umstand, der der Mittelmeer-Erdkröte das ungestörte Überwintern auf dem Waldboden erleichtert.

Sendedaten
Sonntag, 4. März 2018

Teil 1: Von den Alpen zur Toskana
18.00 Uhr
Wiederholung:
4./5. März 2018, 0.40 Uhr

Teil 2: Von Sardinien zu den Abruzzen
18.45 Uhr
Wiederholung:
4./5. März 2018, 1.25 Uhr

Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Dokumentation von Hans-Peter Kuttler, Deutschland/Österreich 2014
Thementag
Bella Italia
Der Traum vom Süden ist schon gut 250 Jahre alt und er ist - jedenfalls den Mittel- und Nordeuropäern - nicht auszutreiben. Der Süden verspricht Wärme und Sonne, aber auch eine besondere Lebensart "La dolce vita".

Sonntag, 4. März 2018
ab 6.15 Uhr