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Nach dem Studium zurück auf den elterlichen Hof. Jeden Tag zusammen arbeiten – daran müssen sich Bernhard Geiger (l.) und sein Sohn Tobias (r.) erst einmal gewöhnen.
Feierabend, Bauer!
Generationswechsel auf alten Höfen
Ein Hightech-Bauernhof und ein Biohof stehen vor einem Generationswechsel. Wie kommen Altbauern und Nachfolger in der Übergangsphase miteinander zurecht? Heißt es plötzlich Alt gegen Neu?
Der Hightech-Hof war früher ein traditioneller Bauernhof. Jetzt gibt es einen Computerraum neben dem Stall, Melkroboter, Bildschirme zur Kontrolle. Für den Altbauern ist das eine fremde Welt. Tobias, sein Sohn, wollte das alles so. Zu einem hohen Preis.

Moderne Technik und Zeit-App
Seitdem der 26-Jährige sich nach dem Agrarstudium entschlossen hat, auf dem Hof der Eltern einzusteigen, ist dort vieles im Umbruch. Ein moderner neuer Stall wurde gebaut, für sehr viel Geld. "Aber ohne diese Investition wäre hier eben spätestens in zehn Jahren, wenn wir in Rente gehen, Schluss gewesen", sagen Birgit und Bernhard. Die Eltern von Tobias drückt nun ein gewaltiger Schuldenberg: "Klar gibt es auch schlaflose Nächte, wenn der Milchpreis mal wieder im Keller ist", geben die noch recht jungen Altbauern freimütig zu.

Im Neubau stehen jetzt 70 Milchkühe, doppelt so viele wie im alten Stall. Mehr Platz, Licht, Luft, Milch - und weniger Arbeit. Letzteres ist zumindest die Hoffnung von Tobias und seiner Freundin. Die beiden haben sich bewusst für die Landwirtschaft, auch für Milchviehhaltung, entschieden. "Aber geregelter Feierabend, auch mal Urlaub, Zeit für die Familie und Freunde - das sollte schon möglich sein."

Die Älteren hören es mit gemischten Gefühlen und Befremden. Dass Sohn Tobias seine Arbeitsstunden in einer App auf dem Smartphone erfasst, irritiert Bernhard. "Ich habe meine Stunden noch nie aufgeschrieben. Auf einem Hof gibt es halt immer was zu tun, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang." Bislang ist Tobias beim Vater nur angestellt, in Teilzeit. Daneben hilft er beim Nachbarbauern aus, jobbt tageweise in einer Baufirma. Und ist im Kampf um ein akzeptables Einkommen noch weit von geregelten Arbeitszeiten entfernt. Der Hof der Eltern kann, obwohl Vollerwerbsbetrieb, zwei Generationen nicht ernähren. Wird sich daran durch den höheren Milchertrag künftig etwas ändern?

Loslassen ist schwerer als gedacht
"Die Scheu ist groß, Konflikte offen auszutragen". Altbauer Christoph (r.) und Nachfolger Lukas (l.) bemühen sich um ein respektvolles Miteinander.
"Die Scheu ist groß, Konflikte offen auszutragen". Altbauer Christoph (r.) und Nachfolger Lukas (l.) bemühen sich um ein respektvolles Miteinander.
Wenn auf dem Reyerhof morgens die Arbeit verteilt wird, dann sticht Christophs graues Haupt aus dem Kreis der jungen Mitarbeiter deutlich hervor. Bis vor Kurzem war er der Chef. Christoph und seine Frau Dorothea haben den traditionsreichen Biobetrieb bei Stuttgart über 30 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen gesteuert. Jetzt ist Lukas, ein schmaler junger Mann mit langen Haaren, derjenige, der die Aufgaben verteilt. Lukas - der externe Hofnachfolger. Nach einem Jahr Probezeit übernimmt der 29-Jährige mehr und mehr Verantwortung. Für die Gärtnerei, den Obstbau, die zehn Milchkühe. Für die Direktvermarktung der Bioprodukte an viele Stammkunden und Gesellschafter, die den Hof auch durch praktische Mitarbeit rund ums Jahr unterstützen.

Dorothea hat den Hofladen aufgebaut und jahrzehntelang geführt. Nächstes Jahr will sie aufhören, "mit 65 vielleicht noch mal ganz andere Dinge ausprobieren". Christoph ist als leidenschaftlicher Verfechter des biodynamischen Landbaus schon jetzt viel unterwegs zu Beratungen, Vorträgen. Leibliche Nachkommen gibt es nicht. "Das Loslassen fällt mir doch schwerer als gedacht", räumt Christoph ein.

Sendedaten
Montag, 16. Oktober 2017, 23.55 Uhr
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
ZDFmediathek
Film von Ulrike Baur
(Erstsendung: 10.10.2017)
Info
"37°" begleitet den Generationswechsel auf zwei ganz unterschiedlichen Höfen über mehr als ein halbes Jahr.