© ORF/ip Media/Stefan Sternad
Video online ab 16.10.2017, 21.05 UhrVideo online ab 16.10.2017, 21.05 Uhr
Litoranea Veneta - kurz danach war das Osttiroler Holz in Venedig
Oberitaliens vergessene Wasserwege
Der Piave fließt von seiner Quelle am Monte Peralba in den Karnischen Alpen bis in den Golf von Venedig - die Stadt im Wasser, die es ohne den Piave so gar nicht gäbe. Denn Venedig brauchte Holz.
Die Befestigung der Stadt, Brücken- und Hausbau, Gondeln und die Glasindustrie, all das verschlang Unmengen von Holz. Fichten und Lärchen von außerordentlicher Qualität kamen aus dem Gebirgsort Obertilliach. Transportiert wurde das Holz jahrhundertelang auf dem Piave.

Es ist ein langes Kapitel in der österreichisch-venezianischen Geschichte: der Holzhandel und die Warentransporte über die Wasserwege aus den karnischen Südalpen nach Venedig. Ohne Holz, das zum Haus- und Brückenbau, für Gondeln und Schiffe und für die Glasindustrie gebraucht wurde, gäbe es Venedig so nicht. Allein die Befestigung der Stadt verschlang Unmengen von Holz, immerhin ist die "Serenissima", wie Venedig auch genannt wird, auf Millionen von Holzpfählen erbaut.

Blick ins Val Visdende auf der italienischen Seite des Tilliacher Joches in den Karnischen Alpen. Hier wurde über Jahrhunderte das Osttiroler Holz auf Rutschbahnen ins Veneto transportiert. © ORF/ip Media/Stefan Sternad Von hier kam Venedigs Holz!
Flösser bei Perarolo © ORF/ip Media/Stefan Sternad Flösser bei Perarolo
Flösserfamilie aus Cadore um 1920 © ORF/ip Media/Stefan Sternad Flösserfamilie aus Cadore um 1920

Ausgehend vom historischen Holzhandel mit Osttirol über das Tilliacher Joch und den Holztransporten auf dem Piave und über ein weitverzweigtes Kanalsystem beleuchtet der Film die Geschichte und die bedeutendsten Wege des Holzes, die Orte, die Menschen und ihre Arbeitsbedingungen. Die kulturellen Besonderheiten entlang der Filmstrecke sind voller Überraschungen.

© ORF/ip Media/Stefan Sternad Plodner Masken
Plodner Masken
Am Ursprung des Piave in der Region Venetien (Provinz Belluno) liegt auf 1.250m das Dorf Sappada, zu Deutsch Plodn, eine deutsche Sprachinsel mit 1300 Einwohnern.
Die Plodner sind vor etwa 1000 Jahren aus dem Tiroler Pustertal hierhergekommen und seitdem hat sich ihre mittelhochdeutsche Sprache praktisch nicht verändert. Nicht nur die Sprache, auch das Brauchtum wird in Plodn bewusst gepflegt, zum Beispiel im Fasching mit der "Plodner Vasenacht", bei der Umzüge mit selbstgeschnitzten Zirbenholz-Masken durchs Dorf ziehen.

Etwa 30 Kilometer weiter flussabwärts in Pieve di Cadore wurde Tiziano Vecellio geboren. Als Tizian - venezianischer Malerfürst und größter Porträtist seiner Zeit - ging er in die Kunstgeschichte ein. Wenig bekannt ist, dass Tiziano und sein Bruder Francesco Vecellio sich auch stark im Holzhandel mit Venedig engagierten. Tizian porträtierte unter anderen die Habsburger Monarchen Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. und ließ sich dafür auch mit Waldgebieten und Ernterechten entlohnen. Die Vecellios betrieben im nahen Perarolo an der Piave einige Sägewerke und Tischlereien.

Hier durch gingen die Warentransporte auf bis zu 30 m langen Flossen auf dem Piave  Richtung Venedig. © ORF/ip Media/Stefan Sternad Ponte Nelli
Über das weitverzweigte Kanalsystem gingen alle Warentransporte über die Lagune von Venedig in die Serenissima - die Durchlauchteste. © ORF/ip Media/Stefan Sternad Die Lagune von Venedig bei Caposile Richtung Cavallino
Über 600 km Kanäle und schiffbare Wasserwege. © ORF/ip Media/Stefan Sternad Litoranea Veneta

Die alten Venezianer hatten im Lauf der Jahrhunderte in gewaltigen technischen und wasserbaulichen Anstrengungen alle Flüsse, die früher in die Lagune mündeten, in die Adria umgeleitet. Sie sollten mit ihren großen Geschiebemengen und der von ihnen ausgehenden Hochwassergefahr von der Lagune ferngehalten werden. In Ufernähe zur Adria konnten die Flößer mit dem Holz den "Litoranea Veneta" nutzen.

Govanni Caniato, vom Archivio di Stato di Venezia führt uns zu einem für Venedig typischen Squero. © ORF/ip Media/Stefan Sternad In dieser Holzwerkstatt werden Gondeln hergestellt und repariert.
Die Kanäle von Venedig - überall als Fundament das Osttiroler Holz © ORF/ip Media/Stefan Sternad Die Kanäle von Venedig - überall als Fundament das Osttiroler Holz
Venedig - die Serenissima - die Durchlauchteste © ORF/ip Media/Stefan Sternad Venedig - die Serenissima - die Durchlauchteste

Er führt parallel zur Adriaküste immer im geschützten Binnenland durch Lagunen und Flüsse, die mit künstlichen Kanälen zu einem schiffbaren Wasserweg verbunden wurden. Die Anfänge dieses Wasserweges gehen bis in die Antike und die alten Römer zurück. Die Österreicher haben ihn im Ersten Weltkrieg, als sie nach der zwölften Isonzo-Schlacht bis zum Piave durchbrachen, noch einmal ausgebaut. Der geschützte Binnenwasserweg sollte für den Transport von Truppen, Gerät und Nachschub verwendet werden. Der "Litoranea Veneta" wird bis heute erhalten. Er ist durchgehend befahrbar und wird lokal und touristisch genutzt.

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Montag, 16. Oktober 2017
um 21.05 Uhr
Wiederholung:
Dienstag, 17. Oktober 2017, 16.45 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Eine Dokumentation von Hermann Peseckas und Stefan Sternad, Österreich 2017
Sendung zum Thema
Wildes Venedig
Venedig ist ein Mythos, die prächtigste Kulisse der Welt. Doch die Stadt führt ein Doppelleben - hier die quirlige Lagunenstadt, da die faszinierende Welt der vielen zum Teil unbewohnten Inseln. Sie vermitteln noch heute den Eindruck jener Zeit, als die ersten Siedler ihre Pfähle in den schlammigen Boden rammten. Mensch und Natur schufen einen gemeinsamen Lebensraum, den sie sich seit Jahrtausenden teilen: die Lagune.

Montag, 16. Oktober 2017, 20.15 Uhr