Auch Christina ist Einbruchsopfer. Ihr fünfjähriger Sohn ist seit dem Einbruch völlig verängstigt.
Auch Christina ist Einbruchsopfer. Ihr fünfjähriger Sohn ist seit dem Einbruch völlig verängstigt.
Gestohlenes Vertrauen
Mit dem Einbruch kommt die Angst
Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden in Deutschland. Auch wenn seit ungefähr einem halben Jahr die Einbruchszahlen wieder etwas zurückgehen, bleibt die Verunsicherung bestehen. Die Opfer leiden oft noch Jahre später. Werden sich die Opfer je wieder sicher fühlen in den eigenen vier Wänden?
Die Aufklärungsrate lag laut Polizeilicher Kriminalstatistik bei Einbrüchen 2016 bundesweit bei nur rund 16,9 Prozent. Was ist, wenn die Einbrecher wiederkommen? Wie umgehen mit der Angst? Fragen, die die Opfer bis in den Schlaf verfolgen.

Computer, Geld, Kamera - alles weg
So hat es auch die alleinerziehende Innenarchitektin Christina erlebt. Als sie mit ihrem kleinen Sohn eines Nachmittags nach Hause kommt, ist die Wohnung verwüstet. Sämtliche Schränke und Schubladen sind ausgeräumt, Computer, Geld, Kamera – alles weg. Christina versucht, sich zusammenzureißen, aber dieser Nachmittag traumatisiert sie und ihren Sohn. "Es fühlt sich so eklig an. Ich dachte: Ihr Schweine habt mir echt was weggenommen, nämlich meine heile Welt." Nun fragt ihr Sohn immer, ob sie mitkommt, wenn er in sein Zimmer gehen will. Sie soll ohne ihn nicht einmal mehr kurz zum Auto gehen oder einkaufen, weil der Kleine nicht allein bleiben kann. Christina sucht eine Therapeutin auf, weil sie nicht mehr klarkommt. Erst nachdem sie sich ihre Angst eingestehen kann, lernt Christina, mit dem Verlust ihres Sicherheitsgefühls, mit dem Ende ihrer "heilen Welt", umzugehen. Und mit den Ängsten ihres Sohnes.

Die Müllers vor ihrem neuen Haus.
Die Müllers vor ihrem neuen Haus.
Familie Müller wohnt in einer Kleinstadt, in der besonders oft eingebrochen wird. Marco Müller leitet einen Pflegedienst, Manuela ist Krankenpflegerin. Auch bei ihnen wurde eingebrochen, und seither hält es Marco Müller kaum aus, seine Frau allein im Haus zu wissen, wenn er unterwegs ist. Die Müllers wollen sobald wie möglich in ein eigenes Haus ziehen. Aber eine allzu aufwendige Sicherheitstechnik können sie sich nicht leisten. Was also tun, um sich wieder sicher zu fühlen?

Existenzielle Verunsicherung
Bei Schäfer Jens und seiner Frau Katrin wurde am helllichten Tag eingebrochen.
Bei Schäfer Jens und seiner Frau Katrin wurde am helllichten Tag eingebrochen.
Auch in ländlichen Regionen ist die Welt alles andere als in Ordnung. Als der Landwirt Jens und seine Frau Katrin an einem frühen Winterabend nach Hause kommen, steht die Terrassentür auf. Notebooks, Handys, jede Menge Geld - alles gestohlen. "Das geht ans Innerste, man weiß überhaupt nicht, was man machen soll." Für Jens und seine Frau bedeutet das eine existenzielle Verunsicherung, die die Familie vorher nicht kannte. Das Dorf hat nur eine Handvoll Bewohner. In der Umgebung sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Polizeistationen abgebaut worden. Und das, obwohl sich die Kriminalität in einigen Regionen Deutschlands aufs Land verlagert hat.

Sendedaten
Montag, 6. November 2017, 0.05 Uhr
(Nacht Mo/Di)
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
ZDFmediathek
Film von Anja Kretschmer
(Erstsendung: 05.09.2017)
Info
Lupe Das Wohnzimmer der Müllers nach der Tat.

Der Film "37 Grad: Gestohlenes Vertrauen" dokumentiert, wie die Angst nach einem Einbruch das Leben verändert und wie sie bewältigt werden kann.