© ORF/Patrick Hafner
Video online ab 9.8.2017, 20.15 UhrVideo online ab 9.8.2017, 20.15 Uhr
In den kommenden 20 Jahren werden nach Schätzungen indischer Städteplaner 300 Millionen Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Die Indische Regierung plant daher, neue Städte auf grüner Wiese zu bauen, so wie China es vorgemacht hat. GIFT-City ist die erste Stadt, die auf Anweisung von Premierminister Narendra Modi aus dem Boden gestampft wird. Auf einer Fläche von 360 Hektar sollen 25.000 neue Wohnungen gebaut werden. Neue Jobs sollen hier vor allem im Finanzsektor entstehen.
Retortenstädte - Wie Indien den Fortschritt plant
Indien hat einen ehrgeizigen Plan für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung: Neue Millionenstädte sollen Wohnraum und Arbeitsplatz für eine aufstrebende Mittelschicht bieten.
Geplant sind am Reißbrett entworfene "Smart Citys" mit neuester Technologie. Energie soll erneuerbar sein, das Verkehrschaos soll durch funkgesteuerte Leitsysteme der Vergangenheit angehören und die Sicherheit der Bewohner soll durch intelligente Überwachung allumfassend sein.

© ORF/Patrick Hafner Bis jetzt gibt es in GIFT-City eine Schule und die ersten zwei Glastürme des Finanzzentrums. In Zukunft soll eine 10-spurige Autobahn die Stadt mit den Städten des Umlands verbinden, z.B. mit Ahmedabad, der Hauptstadt des Bundesstaats Gujarat.
Bis jetzt gibt es in GIFT-City eine Schule und die ersten zwei Glastürme des Finanzzentrums. In Zukunft soll eine 10-spurige Autobahn die Stadt mit den Städten des Umlands verbinden, z.B. mit Ahmedabad, der Hauptstadt des Bundesstaats Gujarat.
Die indische Regierung ist ganz auf Wachstum eingestellt. Vorbild ist China, wo Millionen von Menschen vom Land in die Stadt gezogen sind, mit der Aussicht auf ein besseres Leben. In Indien werden in den kommenden 20 Jahren mehr als 300 Millionen Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Es entsteht ein enormer Wachstumsmarkt. 100 neue Millionenstädte, die erst noch gebaut werden müssen, hat die Regierung zunächst angekündigt. Inzwischen ist klar geworden, es werden wohl weniger werden. Dennoch ist der Plan sehr ambitioniert.

Die größte dieser sogenannten "Smart Citys" soll größer als Mumbai werden. Es sind Städte, entworfen am Reißbrett, die Lebensraum und Jobs bieten für eine aufstrebende Mittelschicht. Während in den traditionell gewachsenen Städten die Infrastruktur oftmals veraltet und völlig überlastet ist, soll in den "Smart Citys" die neueste Technologie zum Einsatz kommen.

Jene Bauern, die das Land bewirtschaften, auf dem die neuen Städte entstehen sollen, wehren sich gegen die angebotene Entschädigung der Regierung und die geplante Umsiedelung zum Wohl der Allgemeinheit. Der derzeit heftigste Kampf wird in Dholera geführt, das im aufstrebenden Bundesstaat Gujarat liegt. Hier sollen 95.000 Menschen weichen für die neue Megastadt. Dholera ist Teil des ambitionierten Projekts der Regierung unter Premierminister Narendra Modi, der das Finanzzentrum Mumbai mit der Hauptstadt Neu-Delhi durch einen 1.500-Kilometer langen Industriekorridor verbinden möchte.

Bauer Shankar Magar hat sein Farmland vor 15 Jahren an einen Investor gegeben, der darauf eine hochmoderne IT-Stadt gebaut hat. Damals hatte er kein Geld, um das Dach seiner Hütte zu flicken. Heute hält Shankar Magar Anteile an dem Entwicklungskonsortium und betreibt mehrere Restaurants in der Stadt. © ORF/Patrick Hafner Bauer Shankar Magar hat sein Farmland vor 15 Jahren an einen Investor gegeben, der darauf eine hochmoderne IT-Stadt gebaut hat. Damals hatte er kein Geld, um das Dach seiner Hütte zu flicken. Heute hält Shankar Magar Anteile an dem Entwicklungskonsortium und betreibt mehrere Restaurants in der Stadt.
Baumaschinen auf Weideland im Bundesstaat Gajarat. Hier soll die neue Megastadt Dholera entstehen. Die Landbevölkerung wehrt sich gegen die Urbanisierung ihres Lebensraums. 22 Dörfer haben sich zusammengeschlossen, um eine einstweilige Verfügung bei Gericht gegen die Landnahme der Regierung zu erwirken. © ORF/Patrick Hafner Baumaschinen auf Weideland im Bundesstaat Gajarat. Hier soll die neue Megastadt Dholera entstehen. Die Landbevölkerung wehrt sich gegen die Urbanisierung ihres Lebensraums. 22 Dörfer haben sich zusammengeschlossen, um eine einstweilige Verfügung bei Gericht gegen die Landnahme der Regierung zu erwirken.

Urbanisierung kommt nur einer Minderheit zugute
Das Land der Bauern soll an private Investoren gehen, die die Stadt der Zukunft einmal verwalten werden. Eine gewählte Stadtvertretung ist bei diesem Konzept nicht vorgesehen. Regiert werden die neuen Townships von jenen Investoren, die den neuen Raum zum Leben und Arbeiten entwickeln und finanzieren. Dass Investoren dabei vor allem so planen, dass ihr Profit maximiert werden kann, liegt auf der Hand. So sind "Smart Citys" ausschließlich gedacht für einkommensstarke Bewohner, die sich die neuen Wohnungen leisten können und der Stadt den erwünschten Konsum bescheren. Bauer Jadav Hanubhai, der in der dritten Generation Weizen und Baumwolle anbaut, hält nichts von der Urbanisierung, die der Mehrheit der Bevölkerung nicht zugute kommt, wie er sagt. "Sollte die Regierung wirklich an unserer Entwicklung interessiert sein, so würde sie unsere Kinder so ausbilden, dass diese später auch qualifizierte Arbeit finden in der neuen Stadt." So lange das Niveau der Dorfschule gering ist und die Bildung der Kinder nach der 8. Klasse endet, seien sie nicht fit für Indiens Traum vom modernen Leben in der Stadt, sagt der Bauer.

Der Film von Patrick A. Hafner zeigt, wie die von der Regierung verordnete Modernisierung des Landes das Leben Millionen Inder verändern wird. Er zeigt, wie es sich in Indiens erster Smart City lebt, die bereits fertig gebaut ist. Die Dokumentation bietet einen Blick in die Zukunft, der ahnen lässt, wie das Leben aussehen wird, wenn anstelle des Bürgermeisters, ein Geschäftsführer die Stadt der Zukunft verwaltet. Dort, wo internationale Firmen gerne ihre Niederlassungen ansiedeln, da ein besonders niedriger Steuersatz gilt, und wo das Leben so geregelt abläuft, dass das Chaos, wie man es aus traditionellen indischen Städten kennt, keine Chance bekommt.

Sendedaten
Erstausstrahlung!

Mittwoch, 9. August 2017
um 20.15 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Dokumentation von Patrick A.Hafner, Österreich 2017
Info
Indien feiert am 15. August 2017 den 70. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien durch das Inkrafttreten des Mountbattenplans. Er beinhaltete die Aufteilung Britisch-Indiens in zwei Nachfolgestaaten, die Indische Union und Pakistan.
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Mittwoch, 9. August 2017, 21.00 Uhr
Schwerpunkt
Indien & Pakistan
Indien fasziniert. Eine aufstrebende Großmacht, die uns näher scheint als das undurchschaubare China. Dabei bleibt es ein Land voller Rätsel: Nirgendwo gibt es so viel Arme, nirgendwo kauft man so viel Gold.