© Christian Bock (1)
Video online ab 23.5.2018, 6.00 UhrVideo online ab 23.5.2018, 6.00 Uhr
Um die siebenköpfige Familie zu ernähren, arbeitet Vater Appelhoff in Bremen sechs Tage die Woche nachmittags und abends als Putzkraft.
Vergessen im Westen
Von den 50 am stärksten verschuldeten Gemeinden mit mehr als 50 000 Einwohnern liegen 49 in den alten Bundesländern. Der Solidarpakt ließ sie in den letzten 20 Jahren verarmen. Leidtragende ist die Bevölkerung: Alleinerziehende, Großfamilien und Sozialleistungsempfänger in zweiter Generation. Wir begleiten sie durch ihren Alltag.
Heute leben nach OECD-Maßstäben über 12 Millionen Arme in Deutschland. Denken wir an sie, so geht der Blick in den Osten: unterdurchschnittliche Löhne, verlassene Städte, nur wenige konzentrierte Industriestandorte. Doch 2006 hat eine unbemerkte Trendwende stattgefunden. In jenem Jahr nahm zum ersten Mal in allen westdeutschen Bundesländern die Armut stärker zu als in den ostdeutschen. Seitdem ist dieser Trend unverändert.

Eine schmerzhafte und verfestigte Armut in westdeutschen Kommunen
Woran das auch liegt, erklärt Apostolos Tsalastras, der Stadtkämmerer der völlig verschuldeten Stadt Oberhausen: Er musste in den letzten 20 Jahren insgesamt 300 Millionen Euro für den Solidarpakt aufbringen. Geld, für das er eigens Kredite aufnehmen musste. "Die besten Angebote kamen von Sparkassen aus dem Osten. Die wussten nicht, wohin mit ihrem Geld."

Die vierköpfige Familie Meier aus Dusiburg-Marxloh lebt von Hartz IV und muss jeden Euro zweimal umdrehen. © Christian Bock (3) Die vierköpfige Familie Meier aus Dusiburg-Marxloh lebt von Hartz IV und muss jeden Euro zweimal umdrehen.
Großfamilie Appelhoff aus Bremen: Mit fünf Kindern sind selbst bei Berufstätigkeit keine Sonderwünsche drin. © Christian Bock Großfamilie Appelhoff aus Bremen: Mit fünf Kindern sind selbst bei Berufstätigkeit keine Sonderwünsche drin.
Für alleinerziehende Frauen, wie Jessica Schadt in Mannheim, ist das Armutsrisiko besonders hoch - zumal bei einer schweren Erkrankung.  © Christian Bock Für alleinerziehende Frauen, wie Jessica Schadt in Mannheim, ist das Armutsrisiko besonders hoch - zumal bei einer schweren Erkrankung.

Durch diese politisch gewollte Schieflage gerieten viele West-Kommunen in eine Abwärtsspirale, die das Armutsproblem verstärkte. Es geht nicht um offensichtliche Obdachlosigkeit, denn statistisch gesehen spielt sie kaum eine Rolle. Der Film begleitet Vertreter der größten Armutsrisiken durch ihren Alltag - eine Alleinerziehende mit Kindern in Mannheim, eine siebenköpfige Familie in Bremen auf dem schmalen Grat zwischen prekärer Arbeit und Hartz IV, eine Duisburger Familie inmitten des verrufensten Stadtteils der Republik, und jugendliche Migranten in Bremerhaven-Lehe. Er zeigt die tägliche, schmerzhafte und verfestigte Armut in westdeutschen Kommunen und ihre teils aberwitzigen Ursachen.

Sendedatum
"Vergessen im Westen"
Film von Christian Bock

Mittwoch 23.05.2018
um 21.00 Uhr


(Erstausstrahlung: 24.05.2017)
Eine neue Ost-West-Diskussion?
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Alleinerziehend und arbeitslos
© Christian BockVideoDie alleinerziehende Natascha Maier aus Kerpen erklärt, warum sich ein Halbtagsjob nicht lohnt.
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