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Auf der Glocke prangt das Konterfei des rumänischen Patriarchen Daniel I.
Eine Glocke für die Ewigkeit
In der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr wird für die neue rumänisch-orthodoxe Kathedrale die schwerste freischwingende Glocke der Welt gebaut. Sie wiegt über 25 Tonnen und ist größer als alle Glocken, die es bisher gab.
Eine Glocke dieser Größe herstellen zu können, ist für eine Gießerei keine Selbstverständlichkeit. Für die Glockengießerei der Familie Grassmayr, die ihr Handwerk ununterbrochen seit 1599 ausübt, bedeutet dies die größte Herausforderung der Firmengeschichte. Bei allen Berechnungen zu Statik, Wandstärke und Klangvolumen helfen heute zwar modernste Computerprogramme, doch die Herstellung bleibt in vielen Bereichen ein archaischer, aufwändiger Vorgang.

Es dauert mehrere Monate und ungezählte Arbeitsschritte, ehe endlich - wie in Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" beschrieben - "das Werk den Meister loben" kann.
3sat hat diesen handwerklich anspruchsvollen Prozess bis zum ersten Anschlagen begleitet.

Momentaufnahmen von über 4000 Arbeitsstunden
An der sogenannten falschen Glocke werden die Wachsverzierungen angeklebt.   © Frank Grevsmühl An der sogenannten falschen Glocke werden die Wachsverzierungen angeklebt.
Der Formkasten hilft, den Druck der flüssigen Bronze beim Guss standzuhalten. © Frank Grevsmühl Der Formkasten hilft, den Druck der flüssigen Bronze beim Guss standzuhalten.
25 Tonnen flüssiger Bronze ergießen sich binnen Minuten in die eingegrabene Glockenform. © DietmarSchuler 25 Tonnen flüssiger Bronze ergießen sich binnen Minuten in die eingegrabene Glockenform.
Glockenguss: Bei diesem über alles entscheidenden Prozess muss jeder Handgriff sitzen. © DietmarSchuler Glockenguss: Bei diesem über alles entscheidenden Prozess muss jeder Handgriff sitzen.

"(...) Und dies sei fortan ihr Beruf,
wozu der Meister sie erschuf:
Hoch über'm niedern Erdenleben
soll sie im blauen Himmelszelt,
die Nachbarin des Domes, schweben
und grenzen an die Sternenwelt; (...)"
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke

Frank Grevsmühl über seinen Film:
"Sieben Mal durfte sich unser Filmteam aufmachen, um in Innsbruck den Fortgang der Arbeiten an der riesigen Glocke für Bukarest mit der Kamera festzuhalten. Von Mal zu Mal steigerte sich unsere Vorfreude. Die Begeisterung der Belegschaft der Gießerei für ihr Jahrhunderte altes Handwerk, das bis heute archaische Techniken aufweist, hatte sich schnell auf uns übertragen. Getreu des bekannten Leitspruchs "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers", den die Grassmayrs für ihren Familienbetrieb nutzen, waren auch wir im Nu für die Glockengießerei entflammt. Würden die Verzierungen geraten? Glückt der Guss? Kommt die Glocke heil aus der Grube? Klingt die Glocke wie geplant? Die phantastischen Bilder präsentieren zu dürfen, die Antworten auf diese Fragen geben, ist ein Geschenk, das alle Beteiligten mit großer Dankbarkeit erfüllt."

Die Dreharbeiten
Die Herstellung einer Glocke ist sehr anspruchsvoll, aber auch die Dreharbeiten verlangten einiges von unserem Kamerateam. © Frank Grevsmühl Die Herstellung einer Glocke ist sehr anspruchsvoll, aber auch die Dreharbeiten verlangten einiges von unserem Kamerateam.
Unser Kameramann, Anthony Miller, geht buchstäblich auf die Knie vor der neuen Glockenform. © Frank Grevsmühl Unser Kameramann, Anthony Miller, geht buchstäblich auf die Knie vor der neuen Glockenform.
Alle Teammitglieder geben alles, um jedes noch so kleine Detail der Glockenfertigung filmisch festzuhalten.  © Frank Grevsmühl Alle Teammitglieder geben alles, um jedes noch so kleine Detail der Glockenfertigung filmisch festzuhalten.
Ein seltener Arbeitsplatz - unser Kameramann, Anthony Miller, im Inneren des Mantels. © Frank Grevsmühl Ein seltener Arbeitsplatz - unser Kameramann, Anthony Miller, im Inneren des Mantels.

 Tradition

Die Geschichte der Glockengießerei Grassmayr
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Seniorchef Christof Grassmayr
Seit dem Jahre 1599 werden von der Glockengießerei Grassmayr Glocken und Kunstwerke aus Bronze gegossen. Der Seniorchef, Christof Grassmayr, erzählt von der spannenden 400jährigen Familien- und Firmengeschichte.
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 Passion

Wie wird eine Glocke gebaut?
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Peter Grassmayr
Peter Grassmayr von der Glockengießerei Grassmayr erklärt das Prinzip des Glockenbaus.
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Sendedatum
"Eine Glocke für die Ewigkeit"

Ostersonntag, 16.4.2017, 19.15 Uhr
Erstausstrahlung
Info
Film von Frank Grevsmühl
Der perfekte Klang
VideoAuf der Suche nach dem perfekten Klang: Peter Grassmayr von der Glockengießerei Grassmayr führt vor, wie unterschiedlich die Klangpracht einer Glocke sein kann und wovon sie abhängt.
Interessant
Mit der Fertigstellung der neuen Glocke für die Kathedrale in Bukarest wird nach fast 100 Jahren der "Dicke Pitter", die St. Petersglocke im Südturm des Kölner Doms ihren Status als größte schwingend geläutete Glocke der Welt verlieren.

Die für ihren besonders schönen Klang bekannte Gloriosa, die "Ruhmreiche" des Erfurter Mariendoms ist dagegen die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt: Sie ist knapp 11,5 Tonnen schwer und wurde 1497 gegossen.
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