Florian, 41 (r.), im elterlichen Garten mit einem Betreuer von der Diakonie.
Florian, 41 (r.), im elterlichen Garten mit einem Betreuer von der Diakonie.
Das große Vergessen
Demenz bei jungen Menschen
Erfolgreich, jung, beliebt. Und plötzlich verhaltensauffällig, unzuverlässig, apathisch? Die Familie ist ratlos. Bis sich herausstellt, dass Florian mit 37 Jahren an Demenz erkrankt ist.
Der Vater von zwei kleinen Kindern ist Kreisjugendpfleger bei der Stadt Pforzheim, beliebt und umtriebig. Bis ihn seine Arbeit, seine Kollegen nicht mehr zu interessieren scheinen und er desorientiert wirkt. Am Ende unterschreibt Florian widerstandslos seine Kündigung.

Die Eltern, seine Frau, die Schwester und Freunde stehen vor einem Rätsel, tippen zunächst auf Burnout oder Depression. Auf der Suche nach einer Diagnose beginnt für Florian eine monatelange Odyssee durch verschiedene Pflegeheime und Krankenhäuser bis in die Psychiatrie. Das Personal der psychiatrischen Klinik hat wenig Erfahrung mit jungen an Demenz erkrankten Patienten.

Wie sich Monate später herausstellt, hat Florian eine besonders schnell fortschreitende "Frontotemporale Demenz". Der Frontallappen im Gehirn des Menschen steuert das Sozialverhalten. Ist dieser Frontallappen angegriffen, gerät der Betroffene langsam außer Kontrolle, hält sich an keine Regeln mehr und bedarf ständiger Betreuung. Die Diagnosestellung kann sehr kompliziert sein. Auch Ärzte haben da ihre Schwierigkeiten.

Nach all den Erfahrungen mit Kliniken und Pflegeeinrichtungen haben die Eltern Florian zu sich nach Hause geholt. "Wir haben unser Kind zurück", sagt Florians Mutter, eine pensionierte Lehrerin. Wie bei einem Kleinkind erfordert die Betreuung ihres jetzt 41-jährigen Sohnes einen großen Einsatz rund um die Uhr. Es gilt, ihn wie ein Kind zu bespielen, abzulenken, Interessen zu wecken und ihm Regeln - im Rahmen seiner Möglichkeiten - beizubringen.

Eric hatte die ersten Ausfälle und Erinnerungslücken mit 40. Im Gegensatz zu Florian kann er sich aber noch zu seiner Demenzerkrankung äußern. Er geht sogar allein mit dem Hund raus, auch wenn er dafür Medikamente braucht, ohne die er Angst vor Begegnungen mit fremden Menschen hätte. Die Angst kann bei ihm rasch in offene Aggression übergehen, mit der auch seine Ehefrau umgehen muss. Weil er sich als Dementer nicht akzeptiert fühlt, igelt Eric sich aber die meiste Zeit im Haus ein.

Der ehemalige Dachdecker wohnt mit seiner Frau in einem Schweizer Bergdorf im Kanton Graubünden. Als Waltraud in Deutschland arbeitslos wird, findet sie nur in der Schweiz einen neuen Job. "Arbeitslos und einen dementen Mann daheim", sagt sie, "da hätte ich ja alle Kontakte nach draußen verloren." Fährt sie morgens zur Arbeit runter ins Tal, ist sie voller Unruhe, wie es ihrem Mann während ihrer Abwesenheit da oben auf dem Berg wohl geht. Ist er gefallen, hat er den Herd ausgestellt?

Waltraud fordert eine bessere Unterstützung für die Angehörigen. Der Demenzerkrankte, meint Eric, kommt oft besser klar mit seiner Situation als der Partner. "Die gehen daran körperlich und innerlich kaputt".

Sendedaten
Montag, 13. März 2017, 0.00 Uhr
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
ZDFmediathek
Film von Walter Krieg
(Erstsendung: 28.02.2017)