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Eines der Wahrzeichen der Stadt: Das Riesenrad im Wiener Prater
Eines der Wahrzeichen der Stadt: Das Riesenrad im Wiener Prater
Der Prater
Dreiteilige Dokumentationsreihe
Mit einem der wichtigsten Naherholungsgebiete der Wienerinnen und Wiener beschäftigt sich 3sat in der Dokumentationsreihe in drei Teilen "Der Prater" - 2016 wurde der Prater ein Vierteljahrtausend alt.
Vor 250 Jahren, genau am 7. April 1766, öffnete Kaiser Joseph II. das kaiserliche Jagdgebiet für die Öffentlichkeit - zur großen Freude des Volkes. Das sechs Quadratkilometer große Gelände hat bis heute nichts an Attraktivität eingebüßt - kaum eine Großstadt kann auf ein so ausgedehntes Erholungsgebiet mitten in der Stadt verweisen.

Teil 1: Historisches
© ORF/Vaughan Filmproduktion Das Lusthaus im Grünen Prater, einst Jagdhaus, heute Café-Restaurant.
Das Lusthaus im Grünen Prater, einst Jagdhaus, heute Café-Restaurant.
In einer Zeit, in der es noch keine städtischen Parks gab und auch nur die wenigsten sich eine Ausfahrt auf das Land leisten konnten, bedeutete der Prater einen großen Gewinn an Lebensqualität für die Wienerinnen und Wiener.

Fortan fand hier jede nur erdenkliche Vergnügung, jedes Remmi-Demmi statt. 1873 war der Prater Austragungsort der ersten Weltausstellung im deutschsprachigen Raum auf einem Gelände, das fünfmal so groß war wie jenes der im Jahr zuvor in Paris stattgefundenen Weltausstellung, Wahrzeichen war die Rotunde mit der damals größten Kuppel der Welt - sie fiel 1937 einem Brand zum Opfer.
1895 wurde der legendäre Themenpark "Venedig in Wien" eröffnet, er bestand in seiner ursprünglichen Form bis 1901. Las Vegas anno dazumal!
Zum 50. Thronjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1897 wurde eines der bis heute bestehenden Wahrzeichen Wiens errichtet, das über 64 Meter hohe Riesenrad, damals eines der größten seiner Art.

Teil 2: Der Grüne Prater
© ORF/Peter Sehnal Das Heustadelwasser ist einer der unzähligen Wasserarme der Donau, die den Prater durchziehen.
Das Heustadelwasser ist einer der unzähligen Wasserarme der Donau, die den Prater durchziehen.
Im zweiten Teil geht es um den Grünen Prater, also jene sich weit an der Donau entlang erstreckende Grünlandschaft, die heute Sportlern und Erholungssuchenden einen riesigen Betätigungsraum erschließt.Die Wiener teilen den Prater in zwei Regionen: den "Wurstelprater" und den "Grünen Prater".
Die Grünlandschaft ist fast doppelt so groß wie der Central Park in New York und liegt als weitläufiges Erholungsgebiet in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Die Prater Hauptallee mit ihrer Länge von 4,4 Kilometern hat sich zu einem Eldorado für Jogger, Skater, Radfahrer und Wanderer entwickelt. Heute gehört der ganze Prater den Sportlern und Erholungssuchenden, die an sonnigen Wochenenden die zahlreichen Liegewiesen bevölkern. Sport steht im grünen Teil des Praters im Vordergrund. Die Liste der Sportarten ist lang: Schwimmen, Leichtathletik, Fußball, Reiten, Traben, Galoppieren, Tennis, Golf, Hockey, Bowling, Skaten, alles wird hier ausgeübt - manche sehen nur zu.

Aus dieser ehemaligen Aulandschaft wurden die Bären bereits vor Jahrhunderten vertrieben und das Rotwild vor 150 Jahren ausgerottet. Heute leben hier Füchse, Dachse und Schildkröten und lassen erahnen wie artenreich der Prater einst war.

In der Zeit vor dem Volksaufstand 1848, wurden auf der Hauptallee auch Rennläufe mit Lakaien veranstaltet, die dann wegen ihrer menschenverachteten Ausbeutung der Diener durch den Adel verboten wurden. Gemütlicher ging es später beim jährlichen Blumenkorso zu. Die Kutschenfahrt bis zum Lusthaus und retour galt dem traditionellen Prinzip des Praters: "Sehen und gesehen werden".
Ein praktisches Bindeglied zwischen dem Wurstel- und dem grünen Prater ist heute die Liliputbahn. Eine aus England stammende, klein gebaute Lokomotive zieht die Fahrgäste durch eine blühende Natur, die den Urzustand der Praterlandschaft erahnen lässt.

Seit der Weltausstellung 1873 ist der Prater auch Stammplatz für riesige Ausstellungen. Die Rotunde war Zentrum, Mittel- und Höhepunkt aller hier auch später abgehaltenen Präsentationen. Nach dem verheerenden Brand des Kuppelbaus 1937 wurden hier die Bauten der Wiener Messe errichtet.Im 21. Jahrhundert prägt eine Messeanlage, nach modernsten internationalen Kriterien geplant und betrieben, den Nordteil des Praters. Als städteplanerisch sinnvolle Ergänzung der bebaubaren Zone des Praters fand aktuell auch die Wirtschaftsuniversität hier am Rande der grünen Lunge der Stadt ein neues Zuhause.

Teil 3: Der Wurstelprater
© ORF/Vaughan Filmproduktion Vor allem bei Nacht ein eindrucksvolles Lichtermeer: der Wurstelprater
Vor allem bei Nacht ein eindrucksvolles Lichtermeer: der Wurstelprater
Im dritten und letzten Teil der Dokumentations-Reihe über den Wiener Prater steht der "Wurstelprater" im Mittelpunkt. Vor 250 Jahren ließ der reformfreudige Kaiser Joseph II., die Tore des höfischen Jagdgebietes für das Volk öffnen. Sogleich entstanden um den Eingangsbereich Gaststätten, die ihren Besuchern auch Attraktionen wie Rutschen und Schaukeln anboten.
Auch das Puppentheater fand hier seine Heimat. Der Hans Wurst, eine mittelalterliche Figur des lustigen Aufbegehrens, schrumpfte zur Handpuppe und wurde in Wien zum "Wurstl". Der sogenannte "Wurstelprater" ist also jener Teil, in dem lautstark Hochschau- und Geisterbahn gefahren, in Schießbuden geschossen oder Stelze und Langos verzehrt werden. Heute funktioniert hier alles hochtechnisch und sicherzeitszertifiziert. Doch diese Vergnügungskultur ist so alt wie der Prater selbst. Damals zog das Riesenrad noch sämtliche Strizzis von Wien an - die Wiener Polizei war erleichtert, weil sie wusste, wo sie die dunklen Gestalten Wiens verhaften konnte. Heutzutage ist der Wurstelprater ein Vergnügungsterrain für Alt und Jung, quer durch die Gesellschaftsschichten.

Aktuell bemühen sich die Praterbetriebe um einen Reigen von Veranstaltungen, die den Prater im traditionellen Sinne beleben sollen. So wird bespielweise im Mai der Blumenkorso zu neuem Leben erweckt. Eine Sonderausstellung im Wien Museum hat im Jahr 2016 die reiche Geschichte des Praters veranschaulicht, mit besonderem Fokus auf den Vergnüglichkeiten der letzten 250 Jahre.

Sendedaten
Sonntag, 20. August 2017
Teil 1: 12.15 Uhr
Teil 2: 13.00 Uhr
Teil 3: 13.45 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Dokumentationsreihe von Roswitha und Ronald P. Vaughan und Peter Grundei, Österreich 2016
Mediathek online ab 20.8.2017
Kundmachung im Wiener Diarium
"Es wird anmit jedermanniglich kund gemacht, wasmaßen Se. kaiserl. Majest. aus allerhöchst zu dem hiesigen Publico allermildest hegenden Zuneigung Sich allergnädigst entschlossen und verordnet haben, daß künftighin und von nun an zu allen Zeiten des Jahrs und zu allen Stunden des Jahrs, ohne Unterschied jedermann in den Bratter sowohl als in das Stadtgut frey spazieren zu gehen, zu reiten, und zu fahren, und zwar nicht nur in der Hauptallee, sondern auch in den Seitenalleen, Wiesen und Plätzen (die allzu abgelegene Orte, und dicke Waldungen, wegen sonst etwa zu besorgenden Unfugs und Mißbrauchs alleinig ausgenommen) erlaubet, auch Niemanden verwehrt seyn soll, sich daselbst mit Ballonschlagen, Keglscheibn, und andern erlaubten Unterhaltungen eigenen Gefallens zu divertieren: wobey man aber versiehet, daß niemand bey solcher zu mehrerer Ergötzlichkeit des Publici allergnädigst verstattenden Freyheit sich gelüsten lassen werde, einige Unfüglichkeit, oder sonstig unerlaubte Ausschweifungen zu unternehmen, und anmit zu einem allerhöchsten Mißfallen Anlaß zu geben.
Wien den 7. April 1766."
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