Nils, Annika und Regina (v.l.n.r.) mit ihrem gemeinsamen Sohn Sverre vor der Taufkirche. In einer holländischen Klinik hat sich das lesbische Paar seinen Kinderwunsch zusammen mit dem schwulen Vater erfüllt.
Nils, Annika und Regina (v.l.n.r.) mit ihrem gemeinsamen Sohn Sverre vor der Taufkirche. In einer holländischen Klinik hat sich das lesbische Paar seinen Kinderwunsch zusammen mit dem schwulen Vater erfüllt.
Mutter, Mutter, Vater, Kind
Elternglück für Lesben und Schwule
Lesbisch oder schwul und trotzdem ein Kinderwunsch. Wie erfüllen sich Homosexuelle ihre Sehnsucht nach einem Baby? Biologische, soziale und rechtliche Hürden zwingen sie zu Kreativität. "37°" begleitet zwei Regenbogenfamilien über mehr als ein Jahr.
Sverre ist ein biologisches Meisterwerk. Er hat drei leibliche Elternteile. Eines zu viel? Zumindest für das deutsche Recht, und somit wird es kompliziert. Aurelias Eltern waren nie ein Liebespaar und wollen auch keines werden. Können Freunde Eltern sein?

Ein Baby mit drei Eltern
Annika (38) und Regina J. (44) erfüllen sich ihren Kinderwunsch zusammen mit Nils K. (38). Ihr Sohn Sverre entsteht in einer Kinderwunschklinik in Holland. Annika ist die Eizellenspenderin. Ihre Eizelle wird im Labor mit Nils' Sperma befruchtet und Regina eingepflanzt. Regina ist also die Bauchmutter. Sie bringt das Baby zur Welt und steht als Mutter in der Geburtsurkunde. Annika hingegen hat keinen rechtlichen Anspruch auf Sverre: "Das Schlimmste wäre, wenn Regina etwas passiert, dass Sverre ins Heim kommt, dass er mir weggenommen wird. Weil ich einfach rechtlich nicht sein zweiter Elternteil wäre." Damit Sverre abgesichert ist, muss Annika ihn adoptieren. Doch der Ausgang des langen belastenden Adoptionsverfahrens ist ungewiss.

Der Weg zum Wunschkind ist voller Hindernisse. Die Familie ist zunächst skeptisch, das Umfeld reagiert irritiert, und vor allem das deutsche Rechtssystem tut sich schwer. Annika und Regina müssen immer wieder beweisen, dass sie gute Eltern sind. Gelingt am Ende die rechtliche Absicherung von Sverre? Und wird sich Nils, der mehr als ein Samenspender sein will, auch im Alltag als Vater einbringen?

Freunde als Eltern
Bibiane und Rüdiger mit Baby Aurelia. Im Kindergarten war man überrascht: Die Eltern sind kein Liebespaar, sondern homosexuell und nur Freunde.
Bibiane und Rüdiger mit Baby Aurelia. Im Kindergarten war man überrascht: Die Eltern sind kein Liebespaar, sondern homosexuell und nur Freunde.
Rüdiger L. (41) möchte gerne Vater sein mit allem Drum und Dran. Lange Zeit scheint es, als ob sein Wunsch nicht in Erfüllung gehen könnte: "Das war auch schon ein bisschen schmerzhaft, dass da jetzt so eine Sache im Leben ist, die man, wenn man schwul ist, halt nicht so einfach haben kann." Bis er in einem Internetportal auf die lesbische Bibiane W. (34) trifft. Sie nehmen sich lange Zeit, um sich kennenzulernen, werden Freunde und bekommen eine Tochter.

Die beiden teilen sich das Baby, sie haben es nicht gemeinsam: Co-Elternschaft heißt dieses neue Familienmodell. Vorbilder dafür gibt es kaum. Schon bald nach der Geburt wird es schwierig. Bibiane hat Probleme damit, ihre Tochter loszulassen. Das muss sie aber. Nur so kann Rüdiger der aktive Vater sein, der er sein möchte. Schaffen die beiden Freunde es, im turbulenten Babyalltag als Eltern zu bestehen?

Sendedaten
Montag, 24. Oktober 2016, 23.50 Uhr
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
ZDFmediathek
Film von Frauke Siebold
(Erstsendung: 18.10.2016)