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Der junge Landarzt Jiang Hongbo hat sich hoch verschuldet, um in sich in Laos eine Ehefrau zu kaufen. Denn die Frauen dort sind weniger anspruchsvoll als die Chinesinnen.
"Jeder möchte doch heiraten"
Die schwierige Brautschau junger Chinesen
Wer in China zu lange ledig bleibt, wird von der Gesellschaft als Versager geächtet. Doch nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik sind junge Frauen rar. Die Suche nach einer Ehefrau kann für den Heiratswilligen zur Odyssee werden und viel Geld kosten.
Als Reaktion auf eine rasant anwachsende Bevölkerung führte die chinesische Regierung 1979 die Ein-Kind-Politik ein. Daraufhin stieg die Anzahl der Abtreibungen sprunghaft an, ebenso wie die Sterilisationen. In China gilt traditionell der Mann als Stammhalter und Ernährer der Familiel, es wurden vor allem Mädchen abgetrieben, obwohl die Abtreibung aufgrund des Geschlechts in China eigentlich verboten ist.

Die Frau als Luxusgut
© zdf Ludger Nueschen Landesweit gibt es Tausende Heiratsmärkte. Dort suchen Eltern nach geeigneten Schwiegersöhnen und Schwiegertöchtern.
Landesweit gibt es Tausende Heiratsmärkte. Dort suchen Eltern nach geeigneten Schwiegersöhnen und Schwiegertöchtern.
Inzwischen ist die Lücke so massiv, dass 2020 voraussichtlich 30 Millionen Männer im heiratsfähigen Alter ohne Frau bleiben werden. Für die Chinesen, bei denen ein zu langes Singledasein als Schande gilt, ein enormes Problem. Für Dating Agenturen hingegen ein lukratives Millionengeschäft. Doch auch der Menschenhandel floriert. Schätzung zufolge werden jedes Jahr etwa 200.000 Frauen aus den Nachbarländern nach China verschleppt, um dort an heiratswillige Männer verkauft zu werden.

Eine Generation von verwöhnten Einzelkindern
Eine weitere Folge der Ein-Kind-Politik, die China vor eine immer größere Herausforderung stellt ist die Überalterung der Gesellschaft. Seit 1980 stieg das Durchschnittsalter der Chinesen von damals 22 auf heute 37 Jahre. Da China über kein ausgebautes Gesundheits- und Sozialsystem verfügt, obliegt es traditionell den Kindern und Enkeln sich um die alternden Verwandten zu kümmern. Eine Aufgabe, die für Chinas Einzelkinder kaum zu bewältigen sein wird. Diesen wird ohnehin unterstellt deutlich unfähiger zu sein als die Generation ihrer Eltern.

Chinas Einzelkinder, die auch gerne "Kleine Kaiser" genannt werden, genießen keinen sonderlich guten Ruf. Man sagt ihnen nach, sie seien verzogen, wenig belastbar und kaum kooperationsbereit. Eine Studie australischer Forscher, die 2013 im Science Magazin erschien, unterstützt diese Vorurteile sogar. Den Forschern zufolge führte die Ein-Kind-Politik dazu, dass die Einzelkinder regelrecht mit Aufmerksamkeit überschüttet wurden. Im Berufsalltag seien sie später dann zu unselbstständig und egoistisch, so die Forscher.

Sendung zum Thema
Chinas einsame Söhne

Dokumentation von Katja Eichhorn

Mittwoch, 02. August 2017,
20.15 Uhr

(Erstausstrahlung: 12. Oktober 2016)
Sehen Sie im Anschluss
© Orientexpress 2016VideoStaatsziel Abtreibung
Männerüberschuss
Zahlenmäßig das starke Geschlecht
Durch die selektive Abtreibung von Mädchen wird es 2030 in weiten Teilen Chinas und Indiens 10 bis 20 Prozent mehr Männer als Frauen geben.
Geschlechtsbezogene Abtreibung
Bitte kein Mädchen!
Es gibt sie nicht nur in China oder Indien - auch in Europa nimmt die Abtreibung weiblicher Embryos deutlich zu. Doch hier wird diese Menschenrechtsverletzung totgeschwiegen.
Traurige Bilanz
Frauenmangel in China
Die Folge der jahrelangen Ein-Kind-Politik: Es gibt zu wenige Frauen in China. Jeder vierte Mann findet keine Partnerin. Das hat zu einem florierenden Frauenhandel geführt.